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Santiago de Chile und Valparaiso

Geschrieben von Tobi am . Veröffentlicht in .

Wie im letzten Bericht geschrieben sind wir mit dem Flugzeug von Montevideo kommend in Chile eingereist. Es ist nach der Atacama Wüste unser zweiter Aufenthalt in diesem Land. Das hatten wir schon lange nicht mehr, dass wir nach einer längeren Unterbrechung wieder in ein Land kommen. Wir sind also am Samstag, 17.12.2022 mit fast 40 Minuten Verspätung gegen 13:45 Uhr in Montevideo abgehoben. Laut Piloten wurde noch ein Teil am Flieger ausgewechselt, was selbstverständlich der Sicherheit zugute gekommen ist. Er war aber optimistisch, dass wir trotzdem pünktlich um 15.40 Uhr in Santiago de Chile landen sollten. Und damit hatte er auch fast recht. Wir haben ordentlich Zeit während des Fluges aufgeholt und waren somit tatsächlich nur 2 Std und 5 Min in der Luft anstatt der geplanten 2 Std und 40 Min. War mir persönlich, aber auch ganz recht. Die Plätze im Flieger waren jetzt eher für kleine Menschen ausgelegt. Zu Glück hatten wir eine Dreier-Reihe für uns Zwei so konnte ich meine Füsse quer ein wenig ausstrecken. Wir hatten nicht bei einer Billig-Fluglinie gebucht und daher waren die Tickets auch nicht ganz so günstig. Ich hatte etwas mehr erwartet. Aber ok, auch überlebt. Der Flug an sich war ganz ok. Wir hatten gutes Wetter und konnten unterwegs noch recht viel sehen. Spannend war, dass irgendwann der Pilot meinte, dass wir langsam mit dem Landeanflug beginnen. Da war aber von den Anden, welche wir ja überqueren mussten, noch nichts zu sehen. Erst so ganz allmählich haben sich dann die Berge gezeigt und man hatte das Gefühl, dass man wie durch die Täler der Berge fliegt. Wir waren so nah am Boden das war schon krass. Dazu noch eine super Sicht, war tatsächlich schön. Als wir durch ein paar Wolken dann durch mussten, war es zwar ein wenig turbulent, aber ok. 

Wir waren kaum über der Bergkette hinweg, ging der Flieger richtig steil nach unten und wir waren im direkten Landeanflug. Gefühlt war das so: Ende der Berge, kurz Fahrwerk ausfahren und schon waren wir über der Landebahn. Das war bisher mein heftigster Anflug auf einen Flughafen. Aber alles gut gegangen und wieder eine Erfahrung reicher. Als wir dann am Terminal angekommen sind, mussten wir mal wieder auf ein freies Gate warten. Das Gleiche hatten wir schon in Miami. Da kommt man schon zu spät und dann steht man auf dem Rollfeld wie bestellt und nicht abgeholt. Aber ok, wir hatten ja Zeit und nach ca. 15 Min war es dann auch so weit. Wir konnten ans Gate und dann wurde es lustig. Laut Durchsage durften nun die ersten 5 sowie die letzten 5 Reihen des Fliegers diesen verlassen. Der Rest musste sitzen bleiben. Ich habe keinen Plan warum, aber war eben so. Da die Verwirrung etwas gross war, hat das Ganze dann ein wenig gedauert. Nachdem die Herrschaften von hinten aber durch waren, durften tatsächlich alle aussteigen. Hatten wir so auch noch nie, aber kann man ja mal machen. Vielleicht hatten sie Angst, dass der Flieger sonst umkippt, oder was weiss ich. 🙂 Wir waren dann aber eine der letzten die ausgestiegen sind und dann ging es zur Immigration. In dem Fall war das ein etwas zeitaufwendiges Unterfangen. Wir mussten uns in eine Schlange einreihen, welche in mehreren Schlaufen durch das halbe Terminal ging. Hurra, das dauert also. So war es dann auch und wir mussten uns gedulden. Nach ca. einer Stunde war es aber so weit und wir standen vor dem zuständigen Officer. Dieser hatte jetzt aber so gar keinen Bock mehr und wollte nicht viel wissen. Wir haben ruck-zuck unsere Stempel bekommen und waren somit eingereist. Das zweite Mal, «hola Chile». Wir sind dann zur Gepäckausgabe, wo unsere Rucksäcke schon fleissig ihre Runden drehten. Diese waren also auch da, da kann ja nichts mehr schief gehen. Wir haben unsere Rucksäcke geschnappt und uns ein UBER zum Hotel organsiert. Dort angekommen war die Überraschung gross. Wir hatten ein tolles Hotel gebucht. Mal wieder richtig schön und dafür preislich echt ok. Keine Ahnung wie das funktioniert hat, aber beschweren wir uns nicht. Immerhin bleiben wir für 6 Nächte da und werden das sehr geniessen. Wir haben uns dann ein wenig ausgeruht und dann ging es auch schon los zu unserem Treffen mit Amillie. Wie es der Zufall will, treffen wir sie nach 5 Monaten wieder, nachdem wir gemeinsam durch ganz Zentralamerika zusammen gereist sind. Unsere Wege trennten sich in Panama und nun sind wir alle in Santiago. Das muss man ja ausnutzen, vor allem, weil sie schon am nächsten Tag weiter nach Sydney fliegt. Also bleibt uns nur dieser Abend für einen kurzen Umtrunk. Leider ging es ihr an dem Abend gesundheitlich nicht so gut, so dass wir es bei einem Wasser bzw. Kaffee belassen mussten und nicht das abgemachte Wiedersehens-Bier trinken konnten. Aber ok, vor einem 14 Stundenflug mag ich meinen schon defekten Magen auch nicht weiter belasten mit einem Bier. 🙂 Es war trotzdem genial, sich nach der Zeit wieder zu sehen und zu sprechen, was jeder so erlebt hat in der Zwischenzeit. Jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir auch den Rest unserer 5er-Gruppe aus der Gruppenreise bald irgendwo mal wieder treffen können. Das Treffen war super und wir hatten so viel Spass. Zum Essen sind Corinne und ich dann später allein, eben zur fortgeschrittenen Zeit. Danach war dann auch Zeit fürs Bett, waren wir jetzt doch eine ganze Weile unterwegs. Dementsprechend habe ich aber super geschlafen in meinem Bett. Wir haben zwei grosse Betten im Zimmer und jeder hat 4 Kissen – unfassbar, so gemütlich. 🙂

Den Sonntag, 18.12.2022 haben wir dann gemütlich gestartet. Wir haben das Frühstücksbüffet ausgiebig genossen und einen kleinen Brunch daraus gemacht für uns. Danach haben wir uns mit Jenni verabredet. Yepp, auch sie ist aktuell in Chile, nachdem ihre Reise durch Patagonien auch nicht planmässig geklappt hat, ist sie ein paar Tage hier, ehe sie am Dienstag zurück nach Deutschland fliegt. So sehen wir sie also auch nochmal und werden die Tage noch etwas gemeinsam unternehmen. Für heute haben wir den Besuch des Stadtteil Barrio Italia ins Auge gefasst. Dies ist ein Stadtteil, welcher vor allem für italienische Restaurants, Cafés und Eis bekannt ist. Geprägt ist es aber genauso von sehr niedrigen Gebäuden mit bunten Fassaden. Ausserdem gibt es viele kleine Läden und Märkte auf welchen Künstler ihre Ware verkaufen. Und ich muss sagen, es gab wirklich tolle Sachen.

Ausserdem war ja heute auch das Finale der Fussball-WM und wir waren in der Annahme, dass in einem italienischen Viertel sicher ein paar Fernseher in den Restaurants stehen. Damit sollten wir auch richtig liegen, wobei wir zu Beginn keinen sinnvollen Platz fanden. Es war bereits alles besetzt und auch an den TVs vor den Restaurants war es schon sehr voll. Wir fanden also keinen Sitzplatz und die ganze Zeit stehen wollten wir auch nicht. Wir sind dann ein wenig durch die Strassen gelaufen und haben die Atmosphäre genossen. Kurz vor Ende der Partie haben wir an einem Strassencafé noch die letzten 10 Minuten geschaut. Da das Ganze ja noch recht spannend war und die Verlängerung anstand, sind wir doch zu den Restaurants, bei welchen sich grossen Menschentrauben vor dem Fernsehen breit gemacht hatten. Da war richtig was los und die Stimmung war grandios. Wir haben uns dort noch die Verlängerung und das anschliessende Elfmeterschiessen angeschaut. Danach ging dann richtig die Post ab und wir hatten einen grossen Spass daran den Menschen beim Feiern zuzuschauen und auf welch merkwürdigen Ideen man doch kommen kann. Sei es tanzen auf einer Motorhaube eines Porsches, ja der Fahrer war dabei und für die Musik zuständig, oder mit extrem laut knatternden Motorrädern durch die Strassen fahren. Es war herrlich und die Menschen extrem fröhlich und einfach glücklich. Das Ganze war tatsächlich ansteckend und gönnen tun wir es Argentinien ja auch.

Eigentlich wollte ich mir im Land noch ein Trikot von Argentinien kaufen als Erinnerung an das Land. Ich habe das nicht gemacht, weil ich es nicht im Rucksack tragen wollte, jetzt nerv ich mich tierisch darüber. Wäre cool gewesen, jetzt so ein Trikot als Erinnerung zu haben. Nun ja, kann man nichts machen. Wir haben noch eine ganze Zeit den Menschen zugeschaut, ehe wir uns auf den Weg in einen neuen Stadtteil Bellavista machten. Unterwegs haben wir noch eine Freundin von Jenny getroffen, welche ebenfalls am Reisen ist und ursprünglich aus den USA kommt. Sie hat sich dann uns angeschlossen und wir sind gemeinsam etwas Essen gegangen. Ansonsten hat der Stadtteil Bellavista an sich recht viele Restaurants und Bars zu bieten. Ist aber kein wirklich schöner Stadtteil, ok es gibt coole Graffitis, aber sonst wirkt es eher etwas schmuddelig und dreckig. Mich erinnerte es irgendwie an St.Pauli. Keine Ahnung warum, aber es wirkte ebenfalls so ein wenig alternativ und so weiter. Irgendwie war es cool. Nach dem Essen ging es dann zurück ins Hotel und ab ins Bett. 

Der nächste Tag war dann schon wieder ein Montag und damit eigentlich schon die Weihnachtswoche. Zum Glück haben wir schon alle Geschenke bestellt und organisiert. Der Weihnachtsputz entfällt auch, also können wir die Woche entspannt angehen. Was wir dann auch gemacht haben. Wir hatten nicht viel geplant für heute, sondern wollten nur mit der Standseilbahn im Stadtteil Bellavista auf den Cerro San Cristóbal fahren. Da wir bereits gestern eine erste Schulung zum Thema Fahren mit der Metro durch Santiago von Jenni bekommen hatten, waren wir heute gut vorbereitet. Hat auch alles super geklappt. Unsere Karte, welche wir gestern gekauft und aufgeladen hatten, funktionierte tiptop und auch unser Ziel haben wir auf Anhieb erfolgreich getroffen. Ok, es waren auch nur ein paar Stationen ohne umsteigen, aber trotzdem. Das Metro System in Santiago ist echt noch gut und vor allem muss man nie lange auf einen Zug warten. Gefühlt kommen alle 3 bis 4 Minuten die Züge und diese sind auch recht bequem. Vor allem fühlt man sich in der Metro und den Stationen sehr sicher. Es ist überall sehr hell beleuchtet und es gibt überall Security. Wir sind also mit der Metro nach Bellavista und dann zur Talstation der Standseilbahn gelaufen. Diese Bahn wurde bereits am 25. April 1925 eröffnet und geht über knapp 500 Meter den Berg hinauf. In den letzten Jahren war die Bahn wegen Renovierungsarbeiten ausser Betrieb. Grosse Berühmtheit erlangte die Bahn als diese von Papst Johannes Paul II bei seinem Besuch im Jahr 1987 ebenfalls benutzte. Nun ja, wir waren kurz vor 12 Uhr da und uns wurde eröffnet, dass die Bahn erst ab 13 Uhr fährt. Ausserdem sollten wir beachten, dass die Gondel, welche auf der anderen Seite wieder hinunterfährt am Montag jeweils wegen Wartungsarbeiten geschlossen ist. Hurra, das war genau unser Plan. Mit der Standseilbahn hoch, oben ein wenig Laufen und dann wieder mit der Gondel hinunter um von dort aus zum Hotel zurück zu Laufen. Daraus wird also nichts. Also spontane Planänderung, wir laufen ein wenig in die Stadt. Zumindest mit dem Stadtteil Bellavista konnten wir uns ein wenig versöhnen, jetzt bei Mittagssonne sah alles etwas schöner aus als gestern in der Dämmerung.

Unser Plan war es jetzt, vorbei am bekannten Museum «Museo Nacional de Bellas Artes» zu laufen und weiter Richtung Park Santa Lucia. Was wir wussten war, dass vor allem Museen montags geschlossen haben, somit rechneten wir erst gar nicht, dass wir in das Museum können. Und damit sollten wir recht behalten, das Museum war zu, das Gebäude aber auch von Aussen extrem schön. Es würde genauso gut nach Paris passen ,von der Architektur, und kein bisschen dort auffallen.

Also sind wir weiter zum Park und was soll ich sagen, der Park war geschlossen wegen Wartungsarbeiten, wie jeden Montag. Unfassbar. Machen die einfach die Tore zu und gut ist. Der Montag ist eben doch der kleine Sonntag hier in der Stadt und es hat wohl deutlich mehr zu, als wir erwartet hatten.

So macht das ja keinen Spass. Also gab es einen Kaffee und wir sind in die Mall neben unserem Hotel gefahren. Da wollten wir während unseres Aufenthalts eh hin, brauchen wir doch ein paar neue Sommerklamotten und vor allem neue Schuhe. Meine Turnschuhe gehen doch wieder aus dem Leim, nachdem ich sie jetzt aber auch seit Zentralamerika fast jeden Tag an hatte. Haben wohl ein paar Schritte auf dem Tacho. Also gesagt getan, ab in die U-Bahn und ab zur Mall. Hier dann die nächste Enttäuschung, nein es war nicht geschlossen, aber ich wusste jetzt, wo all die Menschen sind, welche an einem Montag frei hatten. Genau, in der Mall. Es war so voll, das habe ich so noch selten erlebt. Ausser vielleicht früher als es noch den bekannten Sommerschlussverkauf gab und sich alle am Wühltisch getroffen haben. So machte das echt keinen Spass. Wir haben dem Treiben ein wenig zugeschaut, ein paar Kleinigkeiten gekauft und dann beschlossen, dass wir an einem anderen Tag wieder kommen.

Dafür haben wir uns am Abend noch etwas Tolles vorgenommen. Wir sind auf das höchste Gebäude von ganz Südamerika gefahren. Es ist ein Bürogebäude mit einer Höhe von 300 Metern und bietet einen grandiosen Blick über die Stadt und zu den Anden. Wir haben uns extra dazu entschieden erst gegen Abend zu gehen, da wir so direkt den Sonnenuntergang miterleben können. Leider macht das Gebäude aber schon um 21 Uhr zu, so dass wir zwar den Sonnenuntergang sehen konnten, ein Blick über die Stadt in Dunkelheit war aber nicht mehr möglich. Dazu ging die Sonne zu spät unter und es war noch zu hell. Wir haben den Abend wieder zusammen mit Jenni erlebt, da es heute ihr letzter Abend hier ist. Sie fliegt noch heute Nacht zurück nach Deutschland, um dort Weihnachten zu verbringen. So war es also mal wieder ein Abschiedsabend, was wir natürlich auch wieder gefeiert haben. Der Cocktail zum Sonnenuntergang war zumindest schon mal recht lecker, wobei ich die grosse Frage, welcher Pisco-sour ist besser, der in Peru oder der in Chile, nach wie vor nicht beantworten kann. Mir schmecken einfach beide. 🙂 Nachdem die Sonne untergegangen ist, wurden wir recht schnell von der Aussichtsplattform vertrieben. Die Leute wollten Feierabend machen und so mussten wir zum Aufzug.

Um den Abend aber noch ausklingen zu lassen, haben wir uns unten in das HardRock Cafe gesetzt und noch etwas gegessen. Danach ging es zurück zum Hotel und unterwegs noch Jenni verabschiedet. Schon speziell, dass sie Weihnachten wieder im Kreis der Familie verbringen wird und wir noch hier in Südamerika sind. Ist ein komisches Gefühl.

Der Dienstag war dann ein reiner Arbeitstag. Wir haben viel für unsere Firmen getan, aber auch für unsere Homepage. Es war an der Zeit unsere Blogs online zu bringen, damit unsere Freunde auch mal wieder etwas zum Lesen bekommen und ehrlich gesagt waren wir auch ganz schön hinterher. Es war aber schön, all das Erlebte der letzten Wochen nochmal durchzugehen und all die tollen Bilder anzuschauen. Ist für uns auch immer schön und hilft all das Gesehene auch zu verarbeiten. Gegen Abend sind wir nochmal in die Mall, um zu erkennen, die vielen Menschen sind auch an einem Dienstagnachmittag da. Wir haben nur wieder ein paar Läden angeschaut, Kleinigkeiten gekauft und wieder zurück. Das hält man ja nicht aus. Der Tag war also aus der einen Sicht sehr erfolgreich was Blog und Firmen betrifft, erfolglos was Einkaufen angeht und gleichzeitig vielleicht für manche auch langweilig. 🙂 Aber man kann ja nicht jeden Tag nur Neues erleben. Uns tat es zumindest auch mal wieder gut.

Am Mittwoch sind wir dann dafür wieder sehr fleissig unterwegs gewesen. Wir haben uns wieder mit einem leckeren Frühstück gestärkt und um kurz nach 9 Uhr ging es schon los zur Metro. Unser Ziel war der Platz vor der grossen Kathedrale, welches der Treffpunkt für eine Free Walking Tour war. Leider war die Beschreibung an welchem Eck des Platzes der Treffpunkt sein soll nicht ganz so klar, weshalb wir lieber etwas früher da sein wollten. Zu allem Übel war gestern in den Medien, dass vor allem die Strassenkriminalität in Santiago sehr stark zugenommen hat. In Santiago sind in den letzten Monaten sehr viele Flüchtlinge aus Venezuela angekommen und diese leben nun in sehr erbärmlichen Verhältnissen in Zelten und sonstigen selbstgebauten Unterständen, welche auf Grünstreifen neben den Strassen stehen. Gestern muss es wohl einen Überfall auf einen Tourguide gegeben haben, welcher seine Gruppe beschützte als man etwas klauen wollen. Es ist schon ein schwieriges Thema und nicht ganz einfach. Aber die Flüchtlinge wissen aktuell sich nicht anders zu helfen. Wir haben uns trotzdem auf den Weg gemacht, immerhin ist es gestern passiert, heute gross im TV, dann kann man damit rechnen, dass heute sehr viel mehr Polizei unterwegs ist. Und genau so war es dann auch. Es war sehr viel Polizei unterwegs, ob mehr als sonst, keine Ahnung. Wir haben uns aber mal wieder absolut nicht unsicher gefühlt, sondern sind einfach noch etwas aufmerksamer gewesen und haben vielleicht auch das eine oder andere Bild weniger gemacht. Wobei mir keine einzige Situation im Nachgang in den Sinn kommt, wo sich jemand komisch verhalten hat oder ich das Gefühl hatte, es ist jemand in der Nähe, der uns schaden könnte. Zurück zur Tour. Mit ein wenig Suchaufwand haben wir unseren Guide gefunden und hatten sogar noch etwas Zeit. Die Tour startet normal um 10 Uhr, er wollte aber noch etwas Zeit geben und meinte es geht um 10.15 Uhr los. Damit hatten wir noch knapp 25 Min Zeit und diese wollten wir nutzen, um die berühmte Kathedrale von Santiago zu besichtigen. Und wow, was war das für eine Erfahrung. Schon beim Betreten der Kathedrale haben sich einem die Haare zu Berge gestellt und man gespürt, dass man einen sehr speziellen Ort betritt. Das war wirklich etwas ganz Spezielles. Unsere Zeit in der Kirche war leider etwas kurz, um das ausgiebig zu geniessen. Aber für einen tollen Rundgang und ein paar schöne Bilder hat es gereicht. 

Der Start der Tour war dann direkt vor der Kathedrale mit einigen Infos zur Kirche. Der Standort der Kirche stammt aus der Zeit der Gründung der Stadt Santiago 1541 durch den spanischen Konquistador Pedro de Valdivia, der den Bau einer katholischen Kirche auf den Ruinen eines alten Inkatempels an der nordöstlichen Seite der Plaza de Armas anordnete. Da dieser gute Herr aus Santiago in Spanien stammte, heisst Santiago in Chile heute auch Santiago. Sehr kreativ die Menschen damals. 🙂 Wie jede Stadt in Südamerika hat auch Santiago seinen Plaza de Armas, welcher unter den Spaniern genutzt wurde zur Lagerung von Waffen. Daher auch die anderen wichtigen politischen Gebäude, welche den Platz hier säumen.

Die erste Kirche welche gebaut wurde war klein, wahrscheinlich wie eine Kapelle, aus leichten Materialien wie Stroh und Lehm gebaut. Ein zweiter Tempel mit Domcharakter wurde zwischen 1566 und 1600 erbaut, jedoch zerstörten zwei Erdbeben, die die Stadt 1647 und bzw. 1657 stark beeinträchtigten, auch die Kirche bis auf das Mittelschiff, sodass sie mehrmals umgebaut werden musste. Das Erdbeben von Valparaíso im Jahre 1730 verschlechterte erneut die Infrastruktur der Kathedrale, so dass der damalige Bischof den Wiederaufbau eines weiteren Tempels in Betracht zog, der den seismischen Aktivitäten des Landes besser standhalten würde. Die ersten Pläne für den Bau des endgültigen Doms wurden 1753 von König Ferdinand VI. angenommen. Mit der Grundsteinlegung am 1. Juli 1748 hatten die Bauarbeiten jedoch bereits vorher begonnen. Ein Brand am 22. Dezember 1769 verursachte am Dom grosse Bauschäden, die repariert und wieder aufgebaut werden mussten. Die Arbeiten wurden nach der Unabhängigkeit Chiles vom spanischen Kolonialreich fortgesetzt und waren 1830 fast abgeschlossen. 1840 erhob Papst Gregor XVI. die Kathedrale durch die Ernennung des ersten Erzbischofs von Santiago zur Metropolitankathedrale. Somit war die Bauzeit in Summe über 90 Jahre. 

Danach ging es quer durch die Stadt zu den gewissen aktuellen Regierungsgebäuden, bzw. auch den Alten, welche heute eher für Museen genutzt werden.

Ausserdem sind wir noch durch die wunderschönen Parks der Stadt gelaufen, unterwegs sogar an einem Weihnachtsmarkt vorbei gekommen bzw. haben einen Blick in die Strasse New York geworfen, in welcher die Gebäude tatsächlich sehr an New York erinnern.

Ein weiteres Highlight der Tour war das Probieren eines chilenischen Nationalgetränks. «Mote con huesillos“ ist ein alkoholfreies Getränk, das aus gesüsstem Pfirsichsaft, Weizengraupen (mote), sprich geschälten und polierten Weizenkörnern mit runder, halb- oder länglich-runder Form und getrockneten Pfirsichen (huesillos) besteht. Das Erfrischungsgetränk wird durch Kochen der getrockneten Pfirsiche in Wasser mit Zimt gewonnen. Die charakteristische Farbe entsteht durch den unraffinierten Zucker Panela. Gelegentlich werden Orangenschalen und Nelken dem Getränk hinzugefügt oder anstatt getrockneten Pfirsichen auch getrockneten Pflaumen verwendet. Da getrocknete Pfirsiche oft nicht erhältlich sind, werden heutzutage häufig auch Dosenpfirsiche verwendet. Das Getränk wird in einem hohen Becher zusammen mit den gekochten Weizengraupen und einem Löffel zum Auslöffeln serviert. Meistens kann man es an Ständen oder Karren auf den Strassen Zentralchiles, aber auch im Norden und Süden des Landes kaufen.

Den Abschluss der Tour hatten wir wieder im bereits besuchten Stadtteil Bellavista. War aber nochmal schön diese Gegend mit einem Guide zu besuchen und mehr Informationen darüber zu bekommen. Wir sind wieder an den vielen Kneipen, Restaurants und Bars vorbeigelaufen, dieses Mal mit einem besonderen Ziel. Wir wollten zu einem der drei Häuser des berühmten Dichters Pablo Neruda. Er war ein chilenischer Diplomat, Dichter und Schriftsteller, der sich vor allem gegen den Faschismus in seinem Heimatland und in Spanien einsetzte. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Am 23. September 1973 erlag Neruda, zwölf Tage nach dem Putsch in Chile unter Führung von Augusto Pinochet, angeblich seinem Krebsleiden. Die Todesursache war über viele Jahre nicht geklärt und führte zu diversen Untersuchungen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Erst im November 2015 gab das chilenische Innenministerium in einer Erklärung bekannt, dass es „offensichtlich möglich und sehr wahrscheinlich“ war, dass Nerudas Tod durch Fremdeinwirkung verschuldet wurde, nämlich durch eine Spritze und er damit vergiftet wurde. Das Ministerium wies jedoch warnend darauf hin, dass eine Expertenkommission zu keinem abschliessenden Urteil gekommen sei. Also nach wie vor ist nur klar, dass nichts klar ist. Nach dem Tod von Neruda wurden seine Häuser vom Militär geplündert und zerstört. Es gibt drei Häuser, welche man heute besichtigen kann, eines steht hier in Santiago, ein anderes in Valparaiso und ein drittes in Isla Negra.

Hier endete dann auch unsere Tour und wir sind allein weiter. Hatten wir heute doch noch ein weiteres Highlight auf dem Zettel. Zuerst mussten wir uns aber stärken und dann ging es mit der Standseilbahn (Funicular) auf den Cerro San Cristobal. Genau, das ist der Hügel, welchen wir schon letzten Montag besichtigen wollten. Dieses Mal hat aber alles funktioniert, die Bahn war offen und viele Leute waren auch nicht da. Wir haben unsere Tickets geholt und schon ging die Fahrt nach oben los. Der Hügel erhebt sich bis auf 880 m und dominiert das Stadtbild von Santiago. Sein ursprünglicher Name war Tupawe, er wurde aber von den spanischen Eroberern nach dem Heiligen Christophorus umbenannt.

Der Gipfel ist ein beliebtes Ausflugsziel, von wo aus man einen guten Blick über die verschiedenen Stadtteile von Santiago hat und bei klarem Wetter auch auf die Andenkette im Osten. Auf dem Gipfel befinden sich eine Kirche, ein Amphitheater und eine 22 m hohe Statue der Jungfrau Maria. Papst Johannes Paul II. hielt dort 1987 eine Messe ab und fuhr ebenfalls mit dieser Bahn wie wir jetzt. Zu Ehren des Papstes Johannes Paul II wurde eine sehr schöne Statue von ihm ebenfalls in der Nähe des Amphitheaters errichtet.

Nachdem wir die Gegend ausführlich besichtigt hatten, ging es mit der Gondel auf der anderen Seite des Hügels wieder hinunter. Diese Bahn fährt so in Richtung unseres Hotels und von der Talstation wollten wir den Rest zurücklaufen. Der Ausblick aus der Gondel war einfach mal wieder der Hammer.

Unten angekommen haben wir noch einen Abstecher in den japanischen Garten, welcher ebenfalls ein Teil des Ganzen „Parque Metropolitano de Santiago“ ist. Der Garten ist nicht besonders gross, aber dafür sehr schön angelegt.

Danach ging es dann zurück zum Hotel und wir haben den Abend mit einigen Schritten auf der Uhr langsam ausklingen lassen.

Der nächste Tag war dann Donnerstag, 22.12.2022. Den Vormittag haben wir im Hotel verbracht und gearbeitet. Corinne hat im Januar eine grössere Arbeit vor sich, für welches es heute einen finalen Abstimmungscall gab. Danach können wir unsere weitere Reise durch Neuseeland planen. Daher war das noch recht wichtig und ich habe die Zeit genutzt, um Blog zu schreiben. Lässt sich gut machen auf der schattigen Terrasse des Hotels. Am Nachmittag sind wir dann nochmal in die Stadt gefahren, um in ein Museum zu gehen. Jawohl, richtig gelesen, in ein Museum. Wer uns kennt weiss, dass wir nicht die grossen Fans von Museen sind, aber so ab und an machen wir das auch. Dieses Mal war es aber auch ein sehr spannendes, wenn gleichzeitig aber auch schweres Thema. Es ging in das Museum «Museo de la Memoria y los Derechos Humanos» also das Museum der Erinnerung und der Menschenrechte. Es handelt um die Zeit von 1973 bis 1990 als Chile unter dem Diktator Pinochet regiert wurde. Noch bis heute ist die Zeit im täglichen Leben in Chile ersichtlich. Erst vor einigen Wochen gab es eine Abstimmung über eine neue Verfassung, da die bisher Gültige noch immer aus der Zeit Pinochets ist. Tatsächlich wurde die neue Verfassung abgelehnt und vor allem ältere Menschen möchten bei der alten Verfassung bleiben. Für uns eigentlich unvorstellbar, wenn man sieht, mit welchen Mitteln und welchem Terror damals regiert wurde. Wir haben uns mit einigen jungen Chilenen unterhalten und alle meinten, dass sie sich nicht mit ihren Eltern über Politik unterhalten können, da diese noch immer an der alten Zeit festhalten. Es dauerte nur einen Tag, der 11. Septemer 1973 zur Machtergreifung durch Pinochet mit Unterstützung aus Teilen des Militärs. Mit Kampfflugzeugen bombardierten sie ab etwa 11:00 Uhr den Präsidentenpalast „La Moneda“. Gegen 14:00 Uhr begann die Armee mit der Erstürmung des Palastes. Nach kurzem Gefecht ordnete der damalige Präsident Allende die Kapitulation an. Nur er selbst blieb im „Saal der Unabhängigkeit“ zurück und beging dort Suizid. Dieser Selbstmord war noch über viele Jahre ein Thema, da seine Anhänger davon ausgingen, dass der Präsident ermordet bzw. von den Soldaten erschossen wurde. Es gab viele Untersuchungen und sogar eine Exhumierung des Leichnams wobei diese erneute Obduktion dann den Selbstmord bestätig hat. Ich denke, dass aber noch immer viele Menschen ihre Zweifel daran haben. In der Mitte des Museums ist eine riesige Bildergalerie mit Porträt Fotos von Menschen aufgehängt. Alle Bilder zeigen Menschen, welche in der Zeit der Diktatur ihr Leben verloren haben. Die Bilder wurden nach und nach dem Museum übergeben. Oftmals sind es die einzigen Bilder, welche die Menschen noch von den Verstorbenen haben. Im Museum ist vor der Galerie ein Touchscreen aufgebaut, über welchen man jedes Bild aus der Galerie aufrufen kann und dort sehr viele, teilweise auch ganz private Sachen über die Verstorbenen lesen kann. Man kann sogar eine Nachricht zu jedem Bild verfassen. Das war schon alles sehr schwere Kost.

Wir haben uns sehr viel Zeit genommen und haben versucht über eine App des Museums und interaktivem Rundgang über die App so viel wie möglich zu verstehen und mitzunehmen. Der Rundgang hat dann doch 2 Stunden gedauert und zeigt, wie gross das Museum ist. Da Ganze ist noch recht neu und kostet tatsächlich keinen Eintritt. Es dient vor allem dazu, jungen Menschen zu zeigen, was damals passiert ist und nichts in Vergessenheit gerät. Viele der Jungen erfahren erst so, was damals passierte, da der Geschichtsunterricht oft mit der Zeit der Diktatur endete. So hat uns das auch unser Guide auf der Free Walking Tour bestätigt. Er war Mitte 30 und hatte kein Wissen über die Diktatur aus der Schule und die Eltern waren eher Anhänger von Pinochet. Er musste sich im Laufe der Zeit selber darum kümmern, Informationen über die Zeit zu sammeln. Leider machen dies eben auch nicht alle.

Nach dem Besuch des Mesum war es Zeit für einen Kaffee und der Frage, was jetzt noch machen. Wir haben uns entschieden, den Stadtpark Cerro Santa Lucia nochmals einen Besuch abzustatten. Dieser war letzten Montag wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Der Park ist wirklich extrem schön und bietet einen tollen Blick über die Stadt. Hat sich also gelohnt, nochmals hierher zu kommen. Besonders schön ist ein Prunkbau aus dem 19. Jahrhundert mit einem tollen Brunnen davor, welcher auch noch Glück bringen soll. Sind wir mal gespannt. 🙂

Nach dem Besuch des Parkes sind wir dann zurück zum Hotel und haben den Tag gemütlich ausklingen lassen. Schliesslich mussten wir ja auch mal wieder packen. Ist uns dieses Mal tatsächlich etwas schwer gefallen. Die Stadt Santiago ist eine tolle Stadt, hat uns aber nicht so in den Bann gezogen wie Buenos Aires zum Beispiel. Ich kann aber auch nicht sagen warum, irgendwas war einfach anders. Dafür war aber unser Hotel der absolute Hammer. So ein tolles Frühstück und Zimmer hatten wir schon lange nicht mehr. Das war schon alles extrem cool und vor allem hatten wir wieder einen super Deal vom Preis her. Das ist dann doppelt erfreulich. 🙂

Am nächsten Tag, der 23.12.2022 stand dann unsere Weiterfahrt nach Valparaiso auf dem Programm. Wir sind schon recht früh aufgestanden und haben das letzte Frühstück genossen. Danach sind wir nochmal kurz in die Mall. Ich musste noch dringend eine kurze Hose kaufen, hat sich meine andere doch mit einem grossen Loch verabschiedet. Und da in den letzten Tagen die Mall immer viel zu voll war, wollte ich dem Ganzen aus dem Weg gehen und direkt am Morgen nochmal hin. Der Plan hat auch super geklappt, wir schnell da hin, zwei Hosen probiert, zwei Hosen gekauft und wieder raus. Das nenne ich mal effizient. 🙂 Wir hatten so noch etwas Zeit und ich habe noch eine neue Trinkflasche gekauft. Nach einem Jahr schmeckt das Wasser aus der alten Flasche doch recht bescheiden, ok spülen war auch nur bedingt möglich, daher verständlich. Also das auch noch erledigt und wieder ab zum Hotel. Jetzt hatten wir sogar noch etwas Zeit, da Check out erst auf 12 Uhr notwendig war. Also haben wir die Zeit noch genutzt und alles verpackt und uns ausgeruht. Das Zimmer musste ich einfach bis zur letzten Minute ausnutzen. 🙂 Dann ging es mit dem UBER zum Bus. Dazu fuhren wir an das andere Ende der Stadt ins Terminal und von da aus ging es dann für 90 Min über die Autobahn nach Valparaiso. Wir waren etwas gespannt, was uns erwartet, da die Stadt und vor allem die Nachbarstadt Viña del Mar die letzten Tage viel im TV war. In der Region gab es schwere Brände und vor allem Viña del Mar hat es etwas heftig erwischt. Über 500 Häuser wurden zerstört und leider gab es auch Todesopfer. So viel vorweg, bis wir dort waren hat man davon nichts mehr mitbekommen und die Feuer konnten auch recht schnell gelöscht werden. Unser Bus war dieses Mal nicht ganz so komfortabel wie die letzten Fahrten, aber für 90 Min auch kein Problem. Wir sind zumindest sicher und pünktlich an unserem neuen Ziel angekommen. Valparaiso liegt etwas westlich von Santiago und direkt am Pazifik. Das hat uns gefallen und wir dachten so für Weihnachten sicher ein toller Ort. Nachdem wir angekommen sind, waren wir im ersten Augenblick aber etwas enttäuscht. Die Umgebung um das Busterminal war jetzt eher unschön und vor allem etwas dreckig. Wir sind mit dem UBER zu unserer Unterkunft und auch unterwegs war es eher schmuddelig, dafür aber sehr bunt. Die Stadt ist bekannt für ihre Streetart aus Graffitis und Wandmalereien. Eigentlich ist die Stadt eine offene Kunstgalerie, was es auf der anderen Seite wieder extrem spannend und auch schön macht. Es ist schwer zu beschreiben, aber irgendwie passt das Stadtbild mit der Kunst überein. In einer sterilen Umgebung und Häuser mit weissen Fassaden würden die Bilder sicher nicht passen. Das Ganze erinnert mich mal wieder so ein wenig an St. Pauli, eher dreckig aber dafür Kult. Uns so ist das hier auch. Wir waren also gespannt wie die nächsten Tage werden. Nach der Ankunft sind wir noch ein wenig um das Hotel gelaufen, haben die ersten Bilder begutachtet, einen Kaffee getrunken und dann die Aussicht von unserer Dachterrasse genossen. Herlich!!

Der nächste Tag war dann schon der 24.12.2022 und damit Heiligabend. Was kommt aber vor dem heiligen Abend? Genau der heilige Vormittag!!! Für mich ganz wichtig, weil das immer die Zeit für ein Bier mit meinen Freunden ist. Da dies dieses Jahr wieder nicht persönlich klappt, muss das eben virtuell gemacht werden. Und da ich ja noch 4 Stunden hinter der deutschen Zeit bin, musste ich recht früh aufstehen, damit es auch in Deutschland noch Vormittag ist. Aber ein Bier am Morgen vertreibt ja auch Kummer und Sorgen. Also bin ich um kurz nach 9 Uhr auf die Dachterrasse und habe telefoniert und mein Bier genossen. Immerhin gab es davor noch ein gutes Frühstück. 🙂 War schön mal wieder zu quatschen, aber ich glaube nächstes Jahr müssen wir das wieder persönlich machen. Danach haben Corinne und ich noch ein weihnachtliches Fotoshooting gemacht, habe wir doch extra Weihnachtsmützen gekauft.

Nachdem ich über den Mittag dann ein wenig ausgeruht habe, haben wir noch eine Free Walking Tour gemacht. Das war noch recht praktisch, fand heute noch eine statt. Und was für eine coole Tour das war. Wir waren nicht so viele Leute, hatten zwei richtig lustige Guides. Es war extrem spannend nochmals Infos über die Stadt aber auch das Land Chile zu bekommen. Wir haben uns um 15 Uhr getroffen und sind dann tatsächlich 3 Stunden durch die Stadt gelaufen. Zuerst vorbei an ein paar historischen Gebäuden, dem Hauptgebäude der chilenischen Marine, und dem Denkmal für die gefallen Soldaten aus dem «War of the Pacific» zwischen Chile und Peru. Das Denkmal ist gleichzeitig noch ein Mausoleum, da sich unter dem Denkmal noch die Überreste der Gefallen befinden. Spannend war es auch, die Chilenische Erzählversion zu hören. Wir haben ja in Peru (und auch Bolivien, welche auch verwickelt waren) schon deren Version gehört. Sagen wir mal so…..die Versionen unterscheiden sich deutlich 😉

Danach ging es dann mit einem der vielen Schrägaufzüge, welche sich über die Stadt verteilen nach oben. Diese Aufzüge, viele davon über 100 Jahre alt, wurden zur Unterstützung der Bevölkerung gebaut. Valparaiso liegt zwar direkt am Meer, nach hinten kommen aber sehr viele und steile Hügel. Jeder dieser Hügel ist wie ein Stadtteil und hat seinen eigenen Namen. Einige der Hügel sind sehr bekannt, vor allem bei Touristen und Künstler wie Cerro Alegre und Cerro Concepción. Wir haben die verschiedenen Highlights an Gebäuden angeschaut und viel über die Geschichte erfahren.

Neben den Gebäuden standen aber auch die Wandbilder im Fokus. Wir haben einige Bilder sehr detailliert erklärt bekommen und es ist schon krass, was da so alles abgebildet ist. Vor allem wenn man sieht, wie viele Bilder es gibt und das obwohl es eigentlich verboten ist, die Gebäude zu bemalen. Ausser man hat eine Bewilligung durch den Eigentümer, dann kann man das machen. Und es ist tatsächlich so, die Eigentümer geben die Einwilligung für die Bilder gerne, denn wenn ein Bild ein Haus verziert, dann ist der Kodex unter den Künstlern so, dass man ein Bild nicht übermalen darf. Das funktioniert tatsächlich sehr gut und wir haben viele Bilder gesehen, welche bereits über 10 Jahre an den Wänden sind und nicht beschmiert wurden.

Danach sind wir wieder zum Hotel, um uns frisch zu machen. Schliesslich ist jetzt Heiligabend da muss man sich auch mal fein machen. 🙂 Wir haben es dann aber entspannt genommen und sind in ein kleines, aber sehr leckeres Restaurant in der Nähe gelaufen und haben ein feines Essen genossen. Das war dann aber auch schon alles und damit nicht sehr weihnachtlich. Wobei für uns eh keine grosse Weihnachtsstimmung aufgekommen ist. Es ist einfach nicht das selbe, wie zuhause mit Familie, Freunden, gutem Essen und allem. Und hier bei Sonne und Meer ist das einfach ein anderes Gefühl. Aber trotzdem auch schön, wenn eben anders.

Den Weihnachtstag 25.12.2022 haben wir ganz gemütlich mit Nichtstun verbracht. Wir haben am Morgen ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt und dann eigentlich nur noch gelesen und Netflix geschaut. Ich habe zwischendurch noch mit meinen Eltern und meiner Schwester mit Familie telefoniert und ein frohes Weihnachtsfest gewünscht. Ausserdem wollte ich ja noch die Bescherung bei meinen Patenkindern miterleben. In der Hoffnung, dass der Amazon-Weihnachtsmann auch meine richtigen Geschenke geliefert hat. 🙂 Aber zum Glück ist alles richtig gelaufen. Wir sind gegen Abend dann noch kurz ein paar Schritte um das Hotel gelaufen, haben wir doch am Vortag noch ein paar Tipps zu schönen Wandbildern in der Nachbarschaft bekommen

Danach haben wir den Abend gemütlich ausklingen lassen mit einem Besuch auf der Dachterrasse.

Der zweite Weihnachtstag war dann eigentlich gar kein Weihnachtstag mehr. Gestern waren zumindest mal noch viele Restaurants usw. geschlossen, heute ist eigentlich wieder alles normal. Der zweite Festtag wird hier nicht sonderlich gefeiert und ist wohl auch kein Feiertag. Und da Montag ist, geht eben alles wieder seinen normalen Gang. Wir haben gefrühstückt und haben uns für 10 Uhr für eine weite Free Walking Tour angemeldet. Nachdem die erste eine Tour zu den Highlights der Stadt war, geht es heute um Plätze und Regionen, welche man nicht unbedingt allein besichtigen sollte. Wir wollten sehen, wie die Menschen hier leben und noch etwas mehr in die Kultur eintauchen. Ausserdem war das Thema Politik noch ein Schwerpunkt neben weiteren Wandmalereien. Dieses Mal waren wir eine etwas grössere Gruppe als die Letzte, aber wieder extrem cool. Wir hatten einen tollen Guide, der unfassbar viel wusste und das alles extrem toll und verständlich erklären konnte. Die Tour war wieder genial und gespickt mit Highlights vor allem, was Wandbilder und Graffitis angeht. 

Wir tun uns nach wie vor schwer, was wir von der Stadt halten sollen. Es ist schon recht dreckig, riecht an vielen Orten streng nach Urin, ist eher ungepflegt – aber trotzdem hat es einen Charme mit den vielen Bildern. Ich bin froh, haben wir das mal gesehen, ob ich nochmal hin muss, kann ich heute noch nicht sagen. 🙂 Nach der Tour haben wir uns mit der Metro noch aufgemacht in die Nachbarstadt Viña del Mar. Hier muss es ganz anders sein und vor allem ist die Stadt bekannt für ihre Strände. Unser Ziel war aber ein Museum, nicht dass wir hinein wollten, wir wollten nur vor das Museum. 🙂 Dort steht nämlich eine Originalfigur bzw. Skulptur von der Osterinsel (Rapa Nui). Diese war ja auch ein Ziel, welches wir gerne auf unserer Reise erreicht hätten, momentan aber nur sehr schwer zu erreichen ist. Unser Plan war über die Osterinseln in die Südsee zu fliegen, was aber noch nicht wieder geht aufgrund der Pandemie. Aktuell fliegt man nur von Santiago auf die Insel und zurück. Und bei einer Flugzeit von je 4.5 Std ist das doch recht weit. In Summe 9 Std ist fast so lange wie direkt nach Neuseeland, das war uns dann doch zu viel. Also habe wir das gestrichen, wollten jetzt aber doch so eine Figur sehen. Es gibt nur 3 dieser Figuren, welche ausserhalb der Osterinsel zu finden sind. Eine steht in Paris, eine in London und eben eine hier in Viña del Mar. Die Insel hat ihren Namen von dem Niederländer Jakob Roggeveen, der im Auftrag der Westindischen Handelskompanie am Ostersonntag, dem 5. April 1722 auf der Insel landete und sie nach diesem Tag benannte. So viel zum Einfluss der Europäer, man hätte es auch einfach beim Originalnamen Rapa Nui belassen können. Man versucht hier diesen Namen wieder in die Köpfe der Menschen zu bekommen, schon aus Respekt der Ureinwohner gegenüber. Finde ich noch sehr gut. Wir sind also los und haben unser Ziel auch recht schnell erreicht. Es war beeindruckend diese Skulptur zu sehen.

Noch immer ist nicht sicher, was die Skulpturen wirklich bedeuten und wie alt sie sind. Man hat sich nur darauf verständigt, dass sie maximal 1’500 Jahre alt sind. Ursprünglich sollen es mal über 1’000 dieser Skulpturen auf der Insel gewesen sein. Auch der Zweck der Figuren ist bis heute nicht wirklich geklärt, sondern man vermutet, dass es sie Häuptlinge oder allseits verehrte Ahnen darstellen. Sicher kann es aber niemand sagen.

Danach sind wir dann Richtung Strand gelaufen, haben etwas gegessen und haben die Aussicht genossen. Der Blick auf das Meer und auch Richtung Valparaiso war doch sehr schön. Und es stimmt, Viña del Mar ist tatsächlich anders als Valparaiso. Es ist tatsächlich sauber, die Häuser sind schöner, wenn auch ohne Bilder dafür viel höher und es riecht nicht nach Urin. Es ist eher, wie man sich eine touristische Grossstadt an der Küste vorstellt. 

Anschliessend noch einen kurzen Umweg zur Blumenuhr, ehe wir dann wieder zur Metro sind, um zurück nach Valparaiso zu fahren. Dort haben wir uns dann auf den Weg zum Hotel gemacht und den Abend ausklingen lassen. Jetzt war auch schon wieder packen angesagt, morgen geht es zurück nach Santiago.

Der nächste Tag war dann Dienstag, der 27.12.2022 und damit der letzte Tag in Chile und sogar in Südamerika. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass wir jetzt nach fast 13 Monaten in eine ganz neue Region aufbrechen und dass wir es jetzt tatsächlich geschafft hatten durch fast ganz Südamerika auf eigene Faust zu reisen, bei unseren Spanisch Kenntnissen usw. Ich bin doch ein wenig stolz, wie wir das hinbekommen haben. Jetzt hiess es aber nochmal frühstücken und ein wenig spazieren gehen. Ich habe noch nicht genug von den Wandbildern und wollte mir das kulturelle Zentrum mit dem alten Gefängnis noch anschauen. Das Gefängnis war zur Zeit der Diktatur noch in Betrieb und viele politische Gefangene sassen hier. Heute ist es eher ein grosser Park mit vielen kulturellen Angeboten. Viele kommen zum Musizieren oder Yoga machen hierher, andere Malen im Park usw. Gleichzeit ist das Gelände auch ein Mahnmal an die Geschichte und das Nicht-Vergessen. Wie oben schon geschrieben, ein wichtiger Grund. Was ebenfalls noch spannend ist hier, ist dass man drei Gebäude aus drei verschiedenen Jahrhunderten nebeneinander sieht. Da ist das älteste noch stehende Gebäude in Valparaiso (ein Gebäude aus Backsteinen aus dem 19. Jahrhundert), dann das Gefängnis aus dem 20. Jahrhundert und dann noch ein Neubau für Konzerte, Cafés usw. aus dem 21 Jahrhundert. Schon spannend das so auf einem Blick zu sehen.

Danach bin ich noch kurz über einen Friedhof gelaufen. Dieser wurde als Friedhof der Ungläubigen errichtet. Früher war jeder von Geburt an Katholisch und alle Einwanderer, vor allem aus England, welche nicht katholisch waren, konnten nirgends beerdigt werden. Diese wurden alle auf See bestattet, bis man nach vielen Verhandlungen einen Friedhof für Andersgläubige, damals noch ausserhalb der Stadt, bauen durfte. 

Danach bin ich noch ein paar Bilder anschauen gegangen und dann war es auch Zeit zurück zum Hotel zu gehen. Corinne ist dort geblieben, hat sich noch ein wenig ausgeruht und gearbeitet. 

Wir haben unsere Sachen geschnappt und sind mit dem UBER zum Bus. Jetzt war es auch so weit, unsere letzte Busfahrt stand an. Wir sind wieder 90 Min zurück zum Busterminal in Santiago gefahren, wo wir nochmal umsteigen mussten für einen Bus an den Flughafen. Hat mal wieder alles super geklappt und wir waren schon gegen 17 Uhr am Flughafen. Damit hatten wir noch massig Zeit, weil unser Flieger erst um 0:40 am Mittwoch Morgen den 28.12.2022 abheben soll. Wir wollten aber einfach früher da sein, um es ruhig nehmen zu können. Ausserdem mussten wir nochmal schauen, was mit meinem Ticket los war, da ich mich online nicht einchecken konnte. Bis jetzt fliegt also nur Corinne sicher nach Neuseeland. Bei mir kam ständig ein Hinweis auf ein Visum und dann war Schicht. Also ab zur Airline und das Ganze klären. Hat aber funktioniert und auch ich habe meinen Sitzplatz im Flieger sicher. Jetzt hiess es also noch etwas kleines Essen, einen Kaffee trinken und abwarten. Wir haben die Zeit genutzt und noch ein wenig Netflix geschaut und dem Treiben am Flughafen zugeschaut. Damit hiess es dann auch Abschied nehmen von dem tollen Kontinent und den tollen Menschen hier. Gleichzeit auch Abschied von Chile, einem Land das wir irgendwie anders erwartet hatten. Für uns war Chile immer das fortschrittlichste und reichste Land in Südamerika, aber irgendwie hat sich das so nicht bestätigt. Es war toll, aber schon wie Santiago als Stadt, es hat uns auch als Land nicht so fasziniert wie Argentinien oder Kolumbien. Ich weiss nicht an was es liegt, aber ist eben so. 🙂 Wir haben es trotzdem auch hier wieder sehr genossen, viel erlebt, so viel gesehen und vor allem, unfassbar viel gelernt. Also trotzdem wieder alles richtig gemacht und ein guter Abschluss für den Kontinent. Sind wir gespannt, was auf der anderen Seite der Welt auf uns wartet. Nachdem wir durch den Sicherheitscheck durch waren, hiess es dann noch warten und relaxen. Wie der Flug nach Neuseeland war und vor allem ob wir reingelassen wurden, dann im nächsten Bericht.

Tobi

Tobi

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