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Peru: Von Cusco bis zum Titicacasee

Geschrieben von Tobi am . Veröffentlicht in .

Unsere Fahrt nach Cusco durch die Nacht war mal wieder eine recht kurvige Angelegenheit. Ich habe während der Nacht ab und an mal nachgeschaut und stellenweise waren wir wieder auf einer Höhe von über 4’400 Meter über dem Meer. Es ging also wieder ordentlich nach oben und nach unten. Das Busunternehmen, mit welchen wir unterwegs sind, erlaubt seinen Fahrern während der Nacht nur 4 Stunden Fahrzeit, was dann zu mehreren Wechseln geführt hat. Aber für die Sicherheit eine super Sache, sind die Strassen doch recht anspruchsvoll. Ich glaube bei den vielen Kilometern durch Peru waren es in Summe vielleicht 10% der Strecke, welche auf zwei-spurigen Strassen verlaufen ist. Alles andere sind ganz normale Strassen mit Gegenverkehr und wie üblich, noch immer mit sehr vielen LKW’s. Wir hatten aber mal wieder recht gute Fahrer, wenn wir auch wieder recht zügig unterwegs waren. Aber häufig fühlt sich das einfach auch nur so an, weil man nichts sieht. Der Fahrgastraum hier in Peru ist komplett abgetrennt zum Fahrer. Es gibt glaub ich nur so eine Art Gegensprecheinrichtung mit der man den Fahrer erreichen kann. Daher ist es noch schwer einzuschätzen, ob eine Kurve jetzt wirklich schwungvoll war, oder es sich nur so anfühlt. Aber egal, wir sind nach 11 Stunden gut in Cusco angekommen und waren damit nur knapp hinter dem Fahrplan. Was sind schon 30 bis 40 Minuten auf die Strecke? Wir haben uns daran gewöhnt und wir sassen ja auch äusserst bequem.

Angekommen in Cusco ging es dann mit dem UBER zum Hostel. Leider hatten wir hier weniger Glück, war unser Zimmer noch nicht fertig. Einchecken war erst um 15 Uhr und wir hatten gerade mal 9 Uhr. Das wird ein langer Tag. Aber zumindest unser Gepäck konnten wir wieder einlagern und so ging es dann nur mit kleinem Gepäck los, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Ok, so viel erkundet haben wir nicht, haben wir doch direkt einen Starbucks gefunden. Was für ein Glück, denn Kaffee war dringend notwendig. Ok, für den Tobi gab es tatsächlich einen Tee, hat mir doch irgendwas auf den Magen geschlagen. Mir war nicht schlecht oder so, fühlte mich einfach unwohl. Ich hatte auch nicht viel geschlafen und war entsprechend fertig. Aber nach fast einem Liter Tee, war es dann doch auch wieder gut 🙂 Wir haben die Zeit genutzt, um uns auszuruhen und die Atmosphäre zu geniessen. Immerhin befindet man sich nicht alle Tage in einer Stadt mit rund 600’000 Einwohnern und das auf einer Höhe von 3’300 Meter über dem Meer. Da muss man selbst beim nichts tun schon schnaufen 🙂  Danach ging es ein wenig durch die Stadt und direkt die Erkenntnis, wow was für eine tolle Stadt.

Ok, die recht penetranten Strassenverkäufer oder Personen die einen in ein Restaurant locken wollen, muss man ein wenig ausblenden, aber dann ist es tatsächlich fast schon ein wenig mystisch in der Stadt. Man spürt, dass man sich im Zentrum etwas Grossen befindet, was es heute aber nicht mehr gibt. Trotzdem ist die Kultur der Inka noch allgegenwärtig und das spürt man einfach. Zurück im Hostel konnten wir dann doch schon etwas früher ins Zimmer, was wir sehr zu schätzen wussten. Der Tobi ist ruck zuck in einen ausgiebigen Mittagsschlaf gefallen. Wir hatten für den Tag eh nichts geplant, so dass wir es einfach ruhig genommen haben und es genossen haben. Am Abend sind wir nochmal kurz los in die Stadt um etwas zu Essen. Danach aber wieder zurück und früh ins Bett um dann ausgeschlafen in unser Cusco Abenteuer zu starten.

Der Folgetag war dann schon Freitag, der 21.10.2022 und wir fühlten uns wieder richtig fit nach der ausgiebigen Nacht. Geplant hatten wir für den heutigen Tag nicht viel. Frühstück haben wir im Hostel eingeworfen, dann ein wenig am PC gearbeitet, ehe es los ging, noch diverse Sachen zu erledigen. Das Wichtigste war die Besorgung der Touristenkarte. Diese Karte muss man in der Stadt kaufen und sie gilt dann als Eintritt für diverse Attraktionen bzw. Sehenswürdigkeiten. Da wir 11 Tage in der Stadt sind, eine super Sache. Ausserdem mussten wir nochmal Sonnencreme holen mit hohem Lichtschutzfaktor. In der Zwischenzeit nutzen wir hier Faktor 90, um unsere Gesichter einzucremen. Auch wenn die Sonne nicht immer scheint, wenn sie es tut, dann spürt man es recht schnell. Nachdem auch das erledigt war, wurde noch Wasser eingekauft und es ging zurück zum Hostel. Gegen Mittag sind wir dann wieder in die Stadt, hatten wir doch einen Termin für eine erneute Free Walking Tour. Der fleissige Leser weiss bereits, dass wir das mittlerweile in jeder Stadt machen. Und dieses Mal hatten wir eine direkte Empfehlung für eine Tour und wir wurden nicht enttäuscht. Der Treffpunkt war um 13 Uhr und dann ging es für zwei 2 Stunden durch die Stadt und vor allem durch die Geschichte. Es war der Hammer, was der Guide alles wusste und vor allem wie genial er das alles erklären konnte. Zuerst lernten wir die Flagge von Cusco kennen, welche einen Regenbogen darstellt. Daher sorgt die Fahne bei Besuchern oft für Verwirrung und sorgt für die Annahme, dass Cusco sehr liberal ist, wenn selbst an Kirchen und Verwaltungsgebäuden die Regenbogenfahne weht. Es muss hier aber gesagt sein, die Fahne von Cusco hat 6 Streifen und damit einen Streifen mehr als die Fahne der LGBTQ Community. Cusco ist zwar recht liberal, aber dann doch nicht so sehr. Im Weiteren sind wir noch zu einer kleinen Einrichtung, in welcher man Lamas und Alpakas besuchen kann, die für therapeutische Zwecke ausgebildet werden. Vorteil ist, die Tiere sind an Menschen gewöhnt und spucken diese normalerweise nicht an. 🙂

Wir lernten, dass Cusco so viel wie Zentrum bedeutet. Das liegt daran, dass Cusco das damalige Zentrum im Reich der Inka war. Es ist erstaunlich, was die Inka für ein riesiges Gebiet besiedelten. Zur Zeit der grössten Ausdehnung um das Jahr 1530 umfasste es ein Gebiet von rund 950’000 Quadratkilometern, sein Einfluss erstreckte sich vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Nord-Süd-Ausdehnung grösser war als die Strecke vom Nordkap bis nach Sizilien. Die Ideologie der Inka basierte auf 3 Ebenen der Erde: die Welt des Himmels (verkörpert durch den Kondor), das Reich der Menschen (verkörpert durch den Puma) und das Reich der Unterwelt (verkörpert durch die Schlange). Da Cusco das Zentrum des Reiches war, verwundert es nicht, dass die alte Stadt in Form eines liegenden Pumas angelegt wurde, eingebettet zwischen 2 Flüssen. Wir haben während unserer Tour diverse Mauern besichtigt, welche noch aus der Zeit der Inka stammen. Es ist erstaunlich wie genial die Menschen damals die Gebäude gebaut haben. Stein auf Stein und ohne Zement dazwischen, sondern verbunden über Propfen in den Steinen bzw. Löchern in einem anderen Stein. Das Ganze erinnert heute an ein Legosystem. 🙂 Nur mit welcher Genauigkeit damals die Steine ausgesägt und übereinander gestapelt wurden, das ist unfassbar. Ich habe nie geglaubt, dass mich der Anblick einer Mauer mal so faszinieren könnte. Vor allem als wir dann zu einem der ältesten Gebäude gekommen sind, war ich dann vollends sprachlos. Den Umgang mit den kleinen Steinen konnte ich mir noch einigermassen erklären, aber als wir dann die Steine mit einer Grösse von 2 bis 3 Metern gesehen habe, war meine Vorstellungskraft zu Ende. Das Material der Steine ist aus einer Entfernung von über 40 km nach Cusco gebracht wurden und die fertigen Steine wogen mehrere Tonnen. Wie die Menschen die Steine an den jeweiligen Ort gebracht haben, kann bis heute niemand abschliessend erklären. Es könnte sein, dass sie es machten wie die Ägypter mit grossen Baumstämmen oder so, aber durch die bergige Landschaft sicher sehr schwierig. Oder wie die grossen Steine auf die entsprechende Höhe der Mauer gewuchtet wurden? Man weiss es einfach nicht und das macht die ganze Angelegenheit so extrem spannend. Als besonderen Stein haben wir dann noch den berühmten Stein mit 12-Ecken besucht. Warum der Stein so viele Ecken hat? Genau, keine Ahnung, aber ein genialer Anblick.

Danach konnten wir an einer Mauer noch besichtigen wie ein Originalteil der Mauer aussieht und wie dagegen ein Versuch einer Restaurierung nach einem grossen Erdbeben vor nicht allzu langer Zeit. Etwas erbärmlich, wenn man sieht, dass man die Restaurierung mit heutigem Wissen und Technik nicht so hingebracht hat, wie es die Inkas gemacht haben. Oder man wollte es nicht, keine Ahnung. 

Cusco hat heute tatsächlich auf einem recht kleinen Gebiet 14 christliche Kirchen stehen. Die Spanier haben nach der Eroberung über jeden Tempel der Inka einfach eine christliche Kirche gebaut. Das führt heute dazu, dass die Kirchen teilweise fast direkt nebeneinander stehen. Es war der Versuch, den neuen Glauben in der Region zu verankern und zu zeigen, was ab jetzt der richtige Glaube ist. Nicht das Einzige, was für uns heute unvorstellbar ist, was damals alles passierte. 

Den Abschluss der Tour machten wir im Stadtteil San Blas, von wo aus man einen genialen Überblick über die Stadt hat. Wir duften in einem Restaurant auf die eigentlich noch geschlossene Dachterrasse und von dort die Aussicht geniessen und dazu noch einen leckeren Pisco Maracuja trinken. 

Nach der Tour sind wir Beide dann noch auf den Markt im Stadtteil San Blas. Es ist ein typischer Markt für die Region und es war wieder mal faszinierend, was man dort so alles findet. Unser Ziel waren aber eher die kleinen Stände mit leckerem Essen, hatte der Tobi doch mal wieder ein leichtes Hungergefühl. 

Danach ging es für uns noch ein wenig durch die Stadt und zurück zum Hostel. Hatten wir am Abend doch tatsächlich noch einen Termin. Wir hatten im Vorfeld Kontakt zu einem lokalen Touranbieter aufgenommen und über ihn diverse Touren gebucht. Corinne hat von dem Herrn in einer Facebook-Gruppe gehört und ihn direkt angeschrieben. Wir haben ihm erzählt, was wir machen wollen, was uns interessiert, wie lange wir in Cusco sind und gefragt, was er uns empfehlen kann. Daraus hat er dann ein Angebot gemacht, was einfach der Hammer war. Wir haben direkt gebucht und eine kleine Anzahlung gemacht. Heute Abend treffen wir uns dann direkt in unserem Hostel, um den Rest zu begleichen und uns kennen zu lernen bzw. die restlichen Fragen zu klären. Und was soll ich sagen, wir haben mal wieder einen Glücksgriff gelandet. John, so heisst der Herr, ist pünktlich um 18.30 Uhr im Hostel angekommen und wir haben uns direkt super verstanden. Bei einem gemütlichen Bier haben wir die nächsten Tage besprochen und über Gott und die Welt gesprochen. Der Hammer ist, dass wir bei 4 unserer Touren als Privattour unterwegs sein werden. Sprich nur ein Fahrer, der Guide und wir beide. Das ist der Hammer, wenn man auf niemanden warten muss, alles so planen kann, wie wir es wollen usw. Wir freuen uns schon jetzt auf die folgenden Tage, weil das kann nur super werden. Zeitgleich zu unserem Meeting gab es im Restaurant des Hostel noch ein kleines Konzert. Zwei Herren, einer mit Gitarre, der andere mit einer Rhythmusbox zogen eine Show vom Feinsten ab. Und wir waren zu Beginn die einzigen Zuhörer, so dass wir noch in den Genuss eines Privatkonzertes kamen. Der Gitarrist ist wohl in der Stadt recht bekannt und das nicht ohne Grund. So eine tolle Stimme und eine geniale Art eine Gitarre zu spielen, einfach unbeschreiblich. Nach diesem tollen Erlebnis sind wir nochmal in die Stadt, um die abendliche Stimmung zu geniessen, etwas zu Essen und zu trinken. Zurück im Hostel hiess es dann ab ins Bett war doch für den nächsten Tag schon die erste Tour geplant und wir mussten um 8 Uhr abholbereit sein.

Und dann war auch schon wieder Samstag, der 22.10.2022 und es stand unsere erste Tour in der Umgebung von Cusco an. Um auch pünktlich um 8 Uhr fertig zu sein, sind wir recht früh aufgestanden und haben das Frühstück im Hostel eingeworfen. Unser Guide für den Tag war Marco und das Programm war der Besuch des Sacred Valley, sprich dem heiligen Tal der Inka. Marco war sogar schon vor uns an der Rezeption und hat versucht uns um 7.55 Uhr über die Rezeption zu kontaktieren. Hier in Peru nimmt man es wohl sehr genau. 🙂 Muss der Tobi die nächsten Tage besser machen, waren wir erst um 7.58 Uhr an der Rezeption. 🙂 Aber alles kein Problem, wir hatten es sofort richtig lustig. Vor dem Hostel haben wir dann noch unseren Fahrer Edgar getroffen, der in einem richtig coolen SUV auf uns wartete. Das wird also eine gemütliche und sichere Fahrt, das war schon ein wenig beruhigend. Das manche Fahrzeuge hier noch fahren ist ein Wunder. Wir sind dann direkt los und haben uns auf den Weg zu unserem ersten Stopp gemacht. Dies war eine Weberei, in welcher 25 Familien in einer Art Genossenschaft zusammenarbeiten.

Verarbeitet wird hier ausschliesslich Wolle von Alpakas und Lamas. Besondere Qualität kommt durch die Verwendung von Baby Alpaka. Baby Alpaka ist immer nur der erste Schnitt eines Alpakas. Schon der zweite Schnitt im nächsten Jahr hat eine andere Qualität und darf nicht mehr Baby Alpaka genannt werden. Diese Qualität kann man in den Textilien aber wirklich spüren. So weich und soft, das ist schon toll. Wir konnten wieder einmal sehen, wie mit der Verwendung von natürlichen Stoffen zum Färben und Haltbar machen der Farben (Lemon) wunderschöne Textilien hergestellt werden können. Besonders spannend war, dass die Wolle vor der Verarbeitung nur mit einer pflanzlichen Wurzel gewaschen wird. Diese wird auch von den Frauen zum Waschen der Haare verwendet als Shampoo. Diese Wurzel verhindert, dass Haare grau werden, was wir tatsächlich bestätigen können. Die Damen hatten absolut keine grauen Haare, sondern richtig schwarze lange Haare, welche extrem geglänzt haben. Bereits junge Mädchen werden langsam an die Technik des Webens herangeführt um all die tollen Sachen wie Schale, Pullover usw. herstellen zu können. Besonders wichtig ist, dass wenn z.B. ein Schal gewebt werden soll, es keine Zeichnung oder so gibt. Die Weberin muss das fertige Layout immer im Kopf haben und überlegen, wann welche Farbe oder Form benötigt wird. Diese Fähigkeit wird über viele Jahre geübt und verbessert. Selbstverständlich mussten wir dann noch etwas Kleines kaufen. 🙂 Ich habe mir nochmal eine Mütze gekauft, denn die sind einfach so cool. Ich weiss noch nicht, wann und wo ich die brauchen kann, aber zwei Mützen schaden ja nicht. 

Danach ging es dann direkt weiter zum zweiten Stopp. Das war die Besichtigung der 3’000 Pools in welchen das berühmte Salz (Maras) hergestellt wird. Es war so ein beeindruckender Anblick, wie all die Pools sich entlang des Berges in die Tiefe erstreckten.

Die Versorgung der Pools erfolgt mit Wasser aus 35 km Tiefe. Dieses Wasser enthält sehr viel Salz, welches es aus der Umgebung aufnimmt und kommt mit rund 40 Grad an die Oberfläche. Nur ein kleiner Kanal nach der Quelle versorgt die Pools mit Wasser. Dafür wurde ein ausgeklügeltes System aus verschiedenen Kanälen entlang des Berges gebaut. Es ist aber schwer vorstellbar, wie das wenige Wasser, welches aus der Quelle kommt, reicht, um all diese Pools zu füllen. Aber es funktioniert. Immer wenn ein Pool gefüllt werden muss, wird ein Stein direkt am Pool geöffnet und dann kommt irgendwann das Wasser. Ist der Pool voll, wird er wieder verschlossen und das Wasser sucht sich einen anderen Weg ins Tal. Die Pools sind unterschiedlich tief, meist aber so ca. 50 cm. Daher dauert es auch ganz unterschiedlich lange, bis die Pools wieder gefüllt sind nach der Ernte. Die Ernte des Salzes aus dem Pool ist so ca. nach 2 bis 3 Monaten möglich, nachdem der Pool gefüllt wurde. Wenn Ernte ist, dann ist das Wasser bis zum Grund verdunstet und es bleibt nur das enthaltene Salz zurück. Zum Ernten muss erst wieder in wenig Wasser zugeführt werden damit das Salz wie abgeschabt werden kann. Die Ernte ist also ca. 3 bis 4 mal im Jahr möglich, je nach Grösse. Die Bauern verkaufen das Salz später für ca. 1 Soles pro Kilo. Das entspricht ca. 25 Cent und ist daher wirklich nicht genug, um zu überleben. Vor allem wenn man bedenkt, dass pro Ernte nur ca. 50 kg pro Pool geerntet werden können. Später wird das Salz zu einem horrenden Preis an den Endkunden in der ganzen Welt verkauft. Es macht also mal wieder jemand ganz viel Geld, nur eben nicht die Menschen, welche tatsächlich am Produkt arbeiten. 
In den Pools entstehen während der Verdunstung 3 Level von Salz. Die oberste Schicht ist das sogenannte Fleur de Sel, ersichtlich durch Salzflocken direkt an der Oberfläche. Dann die zweite Schicht, das berühmte, Pink Salz, und dann die dritte Schicht das medizinische Salz, welches z.B. für Fussbäder usw. genutzt wird. Nur Menschen aus dem Dorf Maras können einen Pool besitzen und das Salz verkaufen. 

Nach einem ausgiebigen Rundgang ging es dann zum dritten Stopp, wo wir das Gesehene auch probieren konnten. Wir fuhren zu einem Shop, in welchem Schokolade und eben jenes Salz verkauft wurde. Wir hatten also wieder ein Tasting und dieses Mal auch mit Schokolade, gemischt mit Salz. Das war tatsächlich noch mega lecker. Wobei uns die Geschmacksrichtung Manu, eine Art Minze bzw. Mokka doch noch besser geschmeckt hat. Ausserdem gab es noch mit Blaubeeren oder Gelbfrucht. 

Nach diesem Geschmackserlebnis ging es weiter zu den berühmten Terrassen von Moray. In diesen Terrassen wurden früher Pflanzen angebaut oder auch Pflanzen gezüchtet um dann als Setzlinge oder die Samen davon an anderen Stellen angebaut zu werden.

In den Terrassen herrschen bis zu 20 verschiedene Mikroklimas. So kann es z.B. ganz unten ein Klima wie im Regenwald haben, während wo anders ein ganz trockenes Klima herrscht. Von der obersten Kante bis zur untersten Terrasse sind es ca.100 Meter Höhenunterschied und ein Temperaturunterschied je nach Jahreszeit von bis zu 6 – 7 Grad. 

Die Terrassen, welche wir heute besichtigt haben, waren wohl eine Art Samenbank der Inkas, da hier die Pflanzen wohl nur gezüchtet und dann verteilt wurden. Der Fund von unzähligen Arten von Mais und Kartoffeln führte zu dieser Theorie. In Peru gibt es 200 verschiedene Arten von Quinoa, 400 verschiedene Sorten von Mais und über 5’000 verschiedene Sorten von Kartoffeln. 

Nach einem spannenden Rundgang durch die Terrassen ging es zurück zum Auto und dann zurück nach Cusco. Dort angekommen sind wir mit unserem Guide Marco noch in ein typisches peruanisches Lokal, in welchem fast ausschliesslich Einheimische essen. Hier gibt es immer ein Menü für 15 Soles (ca. 3.80 Euro) und enthält immer eine sehr reichhaltige Suppe und einen Hauptgang aus Fisch oder Fleisch plus Beilagen aus Kartoffeln, Pommes, Reis und Salat. Die Teller waren gefüllt, so dass ich nicht wusste, wo anfangen. Aber es war so lecker. Den Nachmittag haben wir im Hostel verbracht, da wir von den vielen Eindrücken völlig geschafft waren. Und da das Mittagessen so ausgiebig war, ist selbst das Abendessen ausgefallen, stattdessen haben wir an diesem Beitrag gearbeitet und sind früh ins Bett. 

Der Folgetag, Sonntag, 23.10.2022 war der nächste Tag mit einer tollen Tour. Unser Guide war wieder Marco und auch der Fahrer war kein Unbekannter. Wir wurden wieder von Edgar abgeholt und den ganzen Tag chauffiert. Treffpunkt war wieder 8 Uhr an der Rezeption, aber dieses Mal waren wir noch überpünktlicher. Wir waren schon um 7.50 Uhr an der Rezeption, was aber nicht früh genug war, um vor unserem Guide dort zu sein. Der wartete schon vor dem Hostel. 🙂 Aber perfekt, so konnten wir direkt los und es ging zu unserem ersten Stopp eine Lama- und Alpakafarm. Hier konnten wir die 5 verschiedene Arten von Kamelen in Peru besichtigen. Lamas und Alpakas gehören der Gattung der Kamele an, was ich bisher auch nicht wusste. Wir lernten sehr viel über die Unterschiede zwischen Lamas und Alpakas. Ausserdem konnten wir hier neben den verschiedenen Tieren auch wieder die tollen Endprodukte, welche direkt nebenan hergestellt werden, anschauen.

Besonders interessant war das die Haut eines Alpakas in Peru bis zu 400 – 600 USD pro Quadratmeter kosten kann. Das gleiche Stück Haut kostet dann in anderen Regionen der Welt aber zwischen 50’000 und 65’000 USD, was schon krass ist. 

Nach dem Rundgang durch die Gehege der Tiere haben wir noch drei Damen beim Weben beobachtet. Diese haben uns dann tatsächlich eine Probe ihrer Coca Blätter angeboten. Da konnten wir natürlich nicht Nein sagen und haben ein paar Blätter genommen. Mit diesen in den Fingern mussten wir dann in verschiedene Richtungen pusten und die jeweiligen Berge, welche in der Richtung liegen preisen. Dies symbolisiert die Dankbarkeit für die Blätter. Danach werden diese zusammengerollt, in den Mund gesteckt und gekaut wie ein Kaugummi. Das Ganze schmeckt erstaunlicherweise noch recht interessant.

Coca Blätter sollen sehr gesund sein und eine ähnliche Wirkung wie Koffein haben. Man fühlt sich etwas frischer und soll leistungsfähiger sein. Vor allem für den Umgang mit der Höhe in der Region sollen sie helfen. Ich weiss nicht genau, vielleicht hatten wir zu wenige, aber eine grosse Wirkung ist mir nicht aufgefallen. Aber schlecht war es auch nicht, müssen wir mal weitere Studien abwarten. 🙂

Nach dieser neuen Erfahrung ging es weiter mit dem Auto zu einem tollen Aussichtspunkt über das Sacred Valley und den Fluss Urubamba.

Im Anschluss fuhren wir zu den archäologischen Stätten von Pisac. Pisac ist eine wirklich schöne Stadt und hat ebenfalls riesige Terrassen über der Stadt. Bereits 400 v. Chr. wurden hier die ersten Terrassen gebaut und damit deutlich früher als die Inkas unterwegs waren. Ersichtlich ist dies durch eine andere Bauweise der Terrassen. Die Kulturen vor den Inka’s erstellten die Mauern mit Steinen und füllten dazwischen eine Art Zement. Teile, welche später durch die Inka erstellt wurden, wurden mit Steinen erstellt, welche direkt übereinander liegen und somit ohne ein Material dazwischen.

Die Inka haben also in vielen Sachen auf bestehende Erfindungen zurückgegriffen und diese vergrössert oder optimiert. Nicht alles, was man den Inkas zurechnet, stammt tatsächlich im Ursprung von Ihnen. Vielmehr haben sie aus diversen Regionen oder Kulturen sich das Beste abgeschaut und wurden so zum erfolgreichen Imperium.

Ein weiteres Highlight der Stätte sind die Gräber von Inkas, welche in den Berg als kleine Höhle gebaut wurden. Die Leichen wurden mumifiziert und in einer Embryostellung in den Höhlen beerdigt, wobei nach der Eroberung der Spanier alle Gräber geöffnet und geplündert wurden.

Wie aber wurden die Terrassen gebaut? Begonnen wurde immer von unten mit dem Bau der Terrassen. Als erstes wurde eine Mauer errichtet und der entstehende Freiraum dahinter mit diversen Materialien aufgefüllt. Zuerst grobe Steine, dann Kies, dann Sand, aus dem Fluss, und schliesslich Erde. Nach Fertigstellung der Terrasse wurde dann am hinteren Ende der Terrasse eine neue Mauer gebaut und die Freifläche dahinter wieder aufgefüllt. Das Ganze ging so lange bis man oben angekommen war am Berg, was immer schwieriger wurde, denn alles Material musste immer von unten über die Terrassen nach oben gebracht werden. Die Terrassen wurden also sozusagen auf den Berg angebaut und nicht irgendwie abgegraben.

Unser nächster Stopp war dann eine Fabrik bzw. Shop in Pisac in der Silberschmuck hergestellt wird. Die Region ist sehr bekannt für den Abbau von Silber, daher gibt es in Pisac eben auch eine kleine Schmuckindustrie. Wir konnten eine kleine Fabrik besuchen und beobachten, wie verschiedene Schmuckstücke hergestellt werden. Auch hier wieder alles in unendlich vielen Schritten und alles per Handarbeit.

Hier wurden uns auch diverse Symbole der Inkas gezeigt, so. z.B. das Inka-Kreuz oder der Kalender der Inka. Selbstverständlich mussten wir hier wieder etwas Kleines kaufen, weil Schmuck können wir ja direkt am Körper tragen und muss nicht in den Rucksack. 🙂

Da wir nun doch schon eine Weile unterwegs waren, meldete sich der Magen und wir machten uns auf zum Mittagessen. Wir stoppten in einem recht touristischen Lokal mit Buffet, welches aber extrem schön eingerichtet war. Selbstverständlich gab es hier musikalischer Unterhaltung und entsprechenden Tanzdarbietungen, was noch recht lustig auf uns wirkte.

Da es im Restaurant Essen vom Buffet gab, gab es auch die Möglichkeit Neues zu probieren. Für mich war das, dass ich Meerschweinchen probiert habe. In Peru ist es völlig normal, dass Meerschweinchen auf den Teller kommen. Zum einen ist es recht gesund zum anderen auch recht billig. Viele Menschen halten sich Meerschweinchen zuhause, um sie zu Essen. Die Tiere vermehren sich sehr schnell und sind somit eine ideale Sache für eine günstige Ernährung. Ich hatte ein besonderes Glück und hab neben einem kleinen Stück Fleisch noch den Kopf eines gegrillten Meerschweinchen auf den Teller bekommen. Also viel Fleisch war da nicht dran, aber das Besondere soll wohl die Haut sein, wie bei einem Hähnchen. Überzeugt hat mich das Ganze nicht, viele kleine Knochen und auch der Geschmack war jetzt nicht so, als dass ich ein neues Lieblingsessen gefunden hätte. Aber ich habe es probiert.

Nach dem ausgiebigen Essen ging es zum nächsten Programmpunkt. Wir fuhren zu einem kleinen Restaurant, um Chicha zu probieren. Cicha ist ein Getränk, das durch die Fermentation von Mais, welcher in Wasser eingelegt wird, entsteht. Früher wurde tatsächlich von Frauen Maismehl im Mund gekaut und so mit Speichel versetzt. Anschliessend wurde es ausgespuckt und so durch die im Speichel vorhandenen Enzyme die Fermentation gestartet. Daher hat das Getränk tatsächlich den Namen, Spuckbier. Zum Glück ist das heute anders. Zumindest ein wenig. Wir konnten den normalen Chicha probieren und einen dem Erdbeeren zugesetzt waren, was es sogar noch richtig lecker macht. Man erkennt Verkaufsstellen von Chicha daran, dass vor dem Haus eine kleine rote Plastiktüte an einer Stange befestigt steht. Das ist das Zeichen, dass man hier einkehren und das Getränk kaufen kann. Wenn eine gelbe Tüte gehisst ist, dann ist es das Zeichen, dass sich im Haus ein Restaurant befindet. Ist nicht immer so auf Anhieb ersichtlich. Chicha hat zwischen 2 und 6% Alkohol und wird vor allem von Bauern literweise am Tag getrunken, dann aber in einer nicht ganz so starken Ausführung, nur so 2 bis 3%. Für festliche Aktivitäten oder Rituale wird dann aber das starke Zeug getrunken. Was in dem Gebäude noch speziell war, hier war tatsächlich der Meerschweinkäfig direkt neben dem Herd. 

Im Aussenbereich des Gebäudes haben wir ein super Spiel entdeckt, was ich unbedingt auch haben muss. Auf einem Gestell war eine Holzplatte angebracht, in welche diverse Löcher gesägt waren. Ein Loch wurde von einem Frosch überdeckt. Man musste aus einer Entfernung mit Goldscheiben werfen und versuchen diese in einem Loch zu versenken. Das geöffnete Maul des Frosches führte zum Loch, für welches es die meisten Punkte gab. Wenn die Münze durch ein Loch gefallen ist, ist sie in eine Schublade unter dem Brett gefallen. Dort waren Separierungen angebracht, so dass man schauen konnte, durch welches Loch die Scheibe gefallen ist und was die dementsprechende Punktzahl war.

Ein herrliches Spiel, was extrem Spass gemacht hat. Wir haben hier glaube ich die Dauer unseres Ausflugs ein wenig nach oben geschraubt, das war so nicht vorgesehen. 🙂 Aber egal, wir hatten Spass und Zeit haben wir ja sowieso. Im Anschluss ging es dann aber weiter zum nächsten Stopp nach Ollantaytambo.

Ollantaytambo ist eine kleine Stadt und das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung aus der Inka-Zeit. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt tatsächlich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Einige vornehme Häuser bestehen aus perfekt gearbeiteten Inka-Mauern aus dunkelrosa Stein.

Auf der dem Berg zugewandten Seite von Ollantaytambo befindet sich ein riesiger Inka-Komplex, der auf Grund seiner ausserordentlich starken Mauern, häufig auch als Bollwerk oder Festung genannt wird. Tatsächlich war dieser Komplex strategisch günstig gelegen, um das Heilige Tal der Inka zu verteidigen. Hierhin zog sich auch 1537 Manco Cápac II. nach der gescheiterten Belagerung von Cuzco zurück, um seine verbliebenen Soldaten im Kampf gegen die Spanier zu sammeln. Am oberen Teil der Terrassen befindet sich der Sonnentempel, welcher aber wohl nicht fertig erstellt wurde. Man erkennt noch heute grosse Steine, welche neben der ersten Reihe an riesigen Steinen, liegen und wohl auf die Verarbeitung warten. Man könnte meinen, man hat die Baustelle fluchtartig verlassen, als die Spanier mit der Besetzung des Tales begonnen haben. 

2012 hat National Geographic über die Inka und die Stätte eine grosse Reportage gemacht und die bis dahin erzählten Geschichten als nicht realistisch dargestellt. Daraufhin hat man viele Sachen, welche von Erzählern übermitteln wurden, in einem Versuch nachgestellt und es hat tatsächlich alles so funktioniert wie aufgeschrieben. Menschen haben es geschafft einen Stein mit vielen Tonnen über 12 km aus dem damaligen Steinbruch über einen grossen Berg an die entsprechende Stelle zu bringen. Sie machten einfach alles genau so wie es seit vielen Jahren überliefert wurde und dann aufgeschrieben wurde.

Ausserdem hat man von oben einen genialen Blick auf die gegenüberliegende Seite. Man erkennt am dortigen Berg, neben weiteren antiken Gebäuden, welcher als Lager genutzt wurden, tatsächlich zwei Gesichter, jeweils mit einer Krone. Immer am Morgen zur Sonnwende im Juni ergibt sich eine besondere Sternenkonstellation, welche man vom Sonnentempel aus sehen kann, direkt im Verlauf eines Gesichtes. Kurz danach erscheint direkt über dem Gesicht die Sonne und die Sterne verschwinden. Aus diesem Grund gehen die Forscher davon aus, dass der Sonnentempel genau an der Stelle gebaut werden sollte. Auch wenn dafür die ganzen Steine in mühsamer Arbeit hergebracht werden mussten.

Nach so vielen Eindrücken machten wir uns auf die Rückfahrt zum Hotel. Wir waren tatsächlich deutlich länger als geplant unterwegs und sind mit über eine Stunde Verspätung angekommen. Aber kein Problem, wir hatten mal wieder einen so genialen Tag und haben so viel Neues gelernt, dafür lohnt es sich zu Reisen. Den Rest des Abends haben wir gemütlich und mit einer kleinen Pizza verbracht.

Montag, 24.10.2022 war dann wieder ein gemütlicher Tag. Den Morgen haben wir genutzt, um ein wenig einzukaufen. Wir müssen unsere Tagesrucksäcke langsam ersetzen, da wir in den nächsten Tagen eher Wanderrucksäcke benötigen als Rucksäcke für einen Städtetrip. Das wussten wir im Vorfeld und haben das entsprechend so geplant. Es ist zwar schade, aber vielleicht finden wir für die Alten noch eine sinnvolle Möglichkeit. Am Nachmittag bin ich noch ein wenig los, um die Stadt zu erkunden. Vor allem wollte ich noch in das Inka Museum und die Basilika. Leider hat mir aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ja in Cusco kann es tatsächlich auch regnen und das sogar ausserhalb der Regenzeit, welche erst im Dezember beginnen soll. Aber wir wurden schon informiert, dass es dieses Jahr etwas komisch läuft und es bereits jetzt vereinzelt, beginnt zu regnen. Hoffentlich wird uns das bei den nächsten Ausflügen in den kommenden Tagen nicht zum Verhängnis. Ich habe mich also entschieden, doch etwas länger im Hostel zu bleiben und wir sind dann erst gegen später kurz zusammen los, um einen Kaffee zu trinken. Corinne ist dann wieder zurück und ich habe meinen Rundgang erledigt.

Die Kathedrale habe ich aber aus meinem Programm vorläufig gestrichen. Wollten Sie am Eingang doch tatsächlich über 12 Euro von mir. Ich finde das extrem schade, denn ich besuche sehr gerne die verschiedenen Kirchen, aber das war mir dann doch etwas zu viel. Ich muss mich nochmal schlau machen, was es in der Kirche so Spezielles gibt, was den Eintritt rechtfertigt. Ich bin dann nur über den zentralen Platz gelaufen und habe einen Markt für lokales Handwerk besucht. War auch ganz nett da das Ganze in einem Teil einer anderen Kirche stattfindet. Am Abend hatten wir nochmal ein Treffen mit John, über den wir all unsere Touren gebucht haben. Er hat uns noch die letzten Informationen für unseren Ausflug morgen und übermorgen geben wollen. Wir gehen nämlich auf den Short Inka Trail, welcher 2 Tage dauern und uns zum Machu Picchu führen wird. Da freuen wir uns seit Tagen darauf und sind schon mega gespannt. Leider haben wir für den berühmten Trail, welcher 4 Tage geht keine Tickets mehr bekommen, da man diesen mindestens einige Wochen, wenn nicht sogar Monate, im Voraus buchen muss. Das wollten wir aber nicht, weil wir einfach keinen festen Termin haben wollten, wann wir in Cusco sein müssen. Also haben wir es gelassen und müssen jetzt eben damit leben. Wobei auch diese 2 Tage super werden und wir laufen zumindest einen kompletten Tag auf dem berühmten Trail. Und das ist ja auch was. Unser Hauptziel war, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, Machu Picchu zu besuchen. Und das haben wir ja erreicht. Das Gespräch war wieder richtig gut und wir wurden wieder bestätigt, dass wir den perfekten Anbieter gefunden haben. Wir werden die nächsten beiden Tage wieder als kleine private Gruppe mit einem Guide ganz für uns allein verbringen, was phänomenal ist. Wir sind gespannt und freuen uns wie Schnitzel. Während des Gespräches haben wir auch eine Lösung für unsere alten Rucksäcke gefunden. Wir haben John gefragt, ob wir diese nicht irgendwie spenden können, damit sie z.B. Kindern zugutekommen für die Schule oder wie auch immer. John fand die Idee super, weil er organisiert zu Weihnachten immer ein paar Geschenke für Kinder in einem armen Stadtteil von Cusco und da werden unsere Rucksäcke jetzt auch dafür verwendet. Ich finde das ist eine gute Sache und damit fällt mir der Abschied von meinem treuen Begleiter doch etwas leichter. Corinne und ich haben den Abend dann vollends im Hostel verbracht mit einem kleinen Nachtessen, ehe es dann früh ins Bett ging. Natürlich wurde vorher noch die Rucksäcke gepackt und die Wandersocken parat gelegt. Morgen müssen wir fit sein und erfolgt unsere Abholung doch schon um 4:50 Uhr an der Rezeption. Mal schauen, ob der neue Guide auch so überpünktlich ist oder ob wir eine Chance haben, die ersten zu sein. 🙂

Dienstag, der 25.10.2022 war dann der grosse Tag. Unser Wecker klingelte pünktlich um 4:10 Uhr und wir machten uns fertig für unsere Wanderung. Irgendwie waren wir tatsächlich ein wenig nervös, freuen wir uns doch schon seit dem Beginn der Reise auf Machu Picchu, und heute war es endlich so weit. Wir waren pünktlich um 4:45 Uhr an der Rezeption und haben unsere bestellten Frühstücksboxen abgeholt. Immerhin gab es ein kleines Sandwich, ein paar Kekse, ein Apfel und eine Flasche Wasser. Leider eben alles ohne Koffein, wie sollen wir den Tag überleben? Unser Guide ist dann kurz nach uns am Hostel angekommen, dieses Rennen haben wir also gewonnen. Kurz darauf ist auch unser Fahrer gekommen, es war wieder ein bekanntes Gesicht. Es war wieder Edgar, welcher uns schon zwei Tage sehr sicher durch die Gegend gefahren hat. So machten wir uns pünktlich auf den Weg um zum Bahnhof in Ollantaytambo. Dort stiegen wir um in den Zug, welcher uns Richtung Aguas Calientes brachte.

Aquas Calientes ist ein kleines Dorf, welches auch Machu Picchu Dorf genannt wird. Es gibt hier nur eine Handvoll Menschen, welche wirklich dort leben. Alles andere sind Touristen, bzw. Menschen, welche im Dorf in Hotels, Restaurants, Bars oder sonstigen Läden arbeiten. Es erinnert so ein wenig an ein Ski Dorf, welches wie ausgestorben ist, wenn die Saison um ist. Hier ist aber eigentlich das ganze Jahr über etwas los. Man kann das Dorf nur mit dem Zug erreichen und die Strecke wird nur von 2 Firmen, Inca Rail und Peru Rail bedient. Schlussendlich gehören beide Firmen aber der selben Person so dass die Preise nicht ganz fair definiert werden. Die Tickets werden immer teurer, weshalb die Menschen hier schon einige Proteste durchgeführt haben. Die Fahrt für uns dauerte ca. 1 Std. und 40 Min., ehe wir am Kilometer 104 und somit vor Aguas Calientes, ausgestiegen sind. Unterwegs wurden wir noch von einer Tanzeinlage im Zug überrascht, welche jetzt nicht so der Hammer war. Es ist schwierig ein begeistertes Publikum zu haben, wenn die Tänzer schon dreinblicken, als dass es ihnen keinen Spass macht. Aber egal, ist eben alles ein wenig sehr touristisch. Insgesamt ist die Strecke von Cusco bis Aquas Calientes 112 Kilometer, was bedeutet, dass wir etwas früher ausgestiegen sind. Unser Ziel war ja nicht das Dorf direkt, sondern wir wollten noch ein wenig wandern. Unser Ausstieg war dann auch nicht an einem Bahnhof, sondern eher in der Pampa, einfach am Kilometerstein 104.

Nun ging unsere Wanderung also los. Insgesamt werden es wohl etwas über 12 km werden und es gilt einen Höhenunterschied von etwas über 700 m zu überwinden. Der erste Teil war noch recht flach und schattig zum Laufen. Nach ein paar Metern waren wir auch schon in einer ersten kleinen antiken Inka-Siedlung, Chachabamba, angekommen. Dort konnten wir wieder ein paar Gebäude besichtigen und es war wieder mal beindruckend, mit welcher Genauigkeit hier gearbeitet wurde.

Im Anschluss wurde unser Trail nun ein wenig steiler und wir mussten auch deutlich mehr in der Sonne laufen. Dafür wurde aber auch mit jedem Höhenmeter die Aussicht über das Tal und den Fluss Urubamba immer besser. Ausserdem konnten wir verschiedene Blüten von wilden Orchideen und anderen Pflanzen sehen, welche in den unterschiedlichsten Farben strahlten.

Nach ca. 5 km erreichten wir dann Wiñay Wayna, eine weitere Inka-Stätte und dazu eine sehr Beeindruckende. Diese liegt wieder steil angelegt an einem Berg und hat wieder unzählige Terrassen, auf denen früher verschiedene Arten von Pflanzen und Gemüse angebaut wurde. 

Nachdem wir uns hier ein wenig erholt hatten, ging es noch für ca. 1 km bergauf zu einem Camp, an welchem wir unser Mittagessen eingeworfen haben. Das Mittagessen hat unser Touranbieter in Form von Lunchtüten bestellt, welche wir noch vor der Abfahrt des Zuges in Ollantaytambo bekommen haben. In dieser Lunchtüte steckten viele leckere Sachen und vor allem auch noch Gesunde. So hatten wir einen kleinen Quinoa Salat mit Hühnchen, eine Banane, einen Schokoriegel, einen kleinen Kuchen sowie eine Mandarine und einen Saft. War alles sehr lecker und vor allem bei der Aussicht, wirklich ein Traum. Das Camp, in welchem wir unsere Pause machten, ist das letzte Camp auf dem berühmten Inka Trail, welcher 4 Tage und 3 Nächte dauert. Die Wanderer kommen hier am Nachmittag an, schlafen noch ein letztes Mal in den Zelten und brechen dann früh am Morgen auf zum Sonnentor und dann zu Machu Picchu.

Ab jetzt waren wir also auch auf diesem berühmten Pfad unterwegs und es ist schon ein spannendes Gefühl, wenn man sich überlegt wie viele Menschen hier schon gelaufen sind und was für eine grosse Geschichte dahintersteckt. Das Inka-Imperium erstreckte sich zu seiner Blütezeit ja über ein riesiges Areal. Und innerhalb dieses Areals haben es die Inkas tatsächlich geschafft über 45’000 km an Wegen anzulegen. Das bedeutet eine Strecke einmal um die Welt und etwas mehr. Das ist schon eine immense Anzahl an Kilometern und ist sicher auch der Geografie geschuldet. Viele Wege sind doch durch die Berge in Serpentinen angelegt und selten einfach gerade aus. Da kommen dann schon viele Kilometer zusammen. Nach unserer Mittagspause ging es weiter in Richtung Sonnentor. Die Strecke war nochmal rund 2.5 km und dauerte knapp eine Stunde. Die Aussicht wurde immer besser und da es nicht mehr ganz so steil war, haben wir richtig Spass gehabt. Das änderte sich aber schlagartig als wir um eine Kurve gekommen sind und plötzlich vor der glaub ich steilsten Steintreppe gestanden sind, die ich je gesehen habe. Es war zwar nicht sehr weit, aber die Stufen unterschiedlich hoch und wirklich sehr steil. Zudem waren die Inka’s ja eher klein gewachsen und auch deren Füsse waren deutlich kürzer als unsere. Es ging fast am besten, wenn man seitwärts hochlief, damit auch der ganze Fuss auf der Treppe Platz hatte.
Wanderer, welche hinter uns gekommen sind, haben die Treppe tatsächlich auf allen Vieren in Angriff genommen, was wiederum sehr lustig aussah. 🙂 

Oben angekommen war es dann wieder etwas flacher und wir sind weiter bis zur nächsten engen Kurve. Und als wir um diese Kurve gekommen sind, standen wir förmlich unter dem berühmten Sonnentor und hatten den besten Blick auf Machu Picchu. Das war so ein eindrücklicher Moment, diese riesige Anlage in mitten der Berge aus der Entfernung zu sehen, dazu bei bestem Wetter – einfach genial. Wir hatten tatsächlich Gänsehaut. Selbstverständlich mussten wir von hier aus einige Fotos machen und die ganze Atmosphäre geniessen.

Danach ging es dann weiter ca. 2.5 km den Berg hinunter und damit immer näher an Machu Picchu heran. Beindruckend wie die Anlage immer grösser wurde. Angekommen sind wir dann am oberen Ende der Stadt, von wo aus man den besten Blick hat. Da wir nun über den offiziellen Inka Trail zur Stadt gekommen sind, konnten wir in den Aussichtsbereich, welcher nur für Wanderer des Trails reserviert ist.

Ein Besuch der Anlage ist nicht ganz einfach. Man muss im Vorfeld ein Ticket für einen der vier Rundgänge durch die Stadt kaufen. Leider ist es nicht so, dass man bei jedem Rundgang an jede Stelle der Stadt kommt. Das macht es etwas unfair, weil die Tickets doch alle gleich viel kosten. Da die Tickets begrenzt sind pro Tag, ca. 4’000 Stück, gibt es immer eine grosse Nachfrage nach den Tickets für Rundgang 1 und 2, welches die Beliebtesten sind. Wir konnten in dem Fall aber die Aussicht so geniessen und hatten für heute eh nur den oberen Teil auf dem Programm. Wir hatten nämlich das grosse Glück, dass wir zweimal hier her können. Zum einen als Abschluss der Wanderung im oberen Bereich und dann morgen für einen Rundgang, Nummer 4, für den unteren Bereich. Der grosse Vorteil ist, dass wir so, falls das Wetter einmal nicht passt, eine zweite Chance habe. Aber so viel vorneweg, mit dem Wetter hatten wir mehr als Glück. 🙂

Wir haben die Atmosphäre eine ganze Zeit genossen und konnten von dem Anblick fast nicht genug bekommen. Irgendwann war es dann aber doch Zeit, um vorläufig Abschied zu nehmen und uns auf den Weg zum Bus zu machen. Man kann zwar auch hinunter nach Aquas Calientes laufen, was aber ca. 1.5 Stunden dauert und vor allem über 1’700 Stufen bedeutet. Das wollten wir dann doch lieber nicht und haben uns für einen der unzähligen Shuttle-Busse entschieden. Die pendeln den ganzen Tag vom Bahnhof im Dorf hier rauf zur Anlage. Da die Region nicht mit dem Auto erreichbar ist, gibt es hier auch keine Autos oder so. Auch die Strasse ist mehr eine Sandpiste als eine Strasse. Aber recht breit und eigentlich auch sicher ausgebaut. Gab es vor rund zwei Jahren hier einen Unfall mit einem Bus, welcher den Abhang hinuntergefallen ist. Die Fahrt dauerte ca. 30 Min und wir wurden, Dank unserem Guide Bernabe, direkt am Hotel rausgelassen. Dort angekommen mussten wir erstmal ein wenig ruhen und die Eindrücke verarbeiten. Das war schon alles ganz schön viel. Nach einer Dusche und frischen Klamotten sah die Welt aber wieder anders aus und wir sind zusammen mit unserem Guide zum Abendessen. Wir sind in eine lokale Brauerei, ja keine Autos haben sie, aber eigenes Bier, welches auch noch super schmeckt, und haben dort ein tolles Abendessen genossen. Im Verlauf des Abends gab es noch etwas Live-Musik was richtig toll war. Hat andere Touristen, reiferen Alters, doch tatsächlich zum Tanzen und Singen animiert. Was haben wir gelacht, so eine super Stimmung. Die Müdigkeit hat uns aber recht schnell eingeholt und wir sind zurück ins Hotel und direkt ins Bett. Ich glaube ich habe schon vor 20:45 Uhr geschlafen. War aber auch dringend notwendig und vor allem war der Treffpunkt für den nächsten Tag schon um 6 Uhr vereinbart.

Die Nacht war also wieder recht kurz, klingelte der Wecker doch schon wieder um 5:00 Uhr. Wir haben uns schnell fertig gemacht und dann ein Frühstück im Hotel eingeworfen. Ich hatte um die Uhrzeit mit keinem grossen Frühstück gerechnet, wurde aber eines Besseren belehrt. Es wurde ordentlich aufgefahren mit viel frischen Früchten, Brot, Käse, Wurst, usw. Die angebotenen Eier haben wir tatsächlich abgelehnt, so viel stand schon auf dem Tisch. Nach diesem reichhaltigen Start in den Tag ging es wieder zum Bus, wo wir unseren Guide getroffen haben. Pünktlich um 6 Uhr haben wir einen Bus bestiegen und ab ging die Fahrt wieder auf den Berg. Oben angekommen sind wir zum Eingang für den Rundgang 3 und 4 und damit in den unteren Teil der Anlage. Das Wetter war perfekt, es war nämlich trocken, aber noch immer etwas verhangen mit tiefliegenden Wolken und Nebel. Genau das hatten wir uns gewünscht und war der Grund, warum wir so früh hier oben sein wollten. Dieses Schauspiel gibt nämlich eine ganz besondere und vor allem auch mystischste Atmosphäre. Wir haben es so sehr genossen einfach da zu sitzen und zu geniessen.

Wir haben dann eine kleine Sitzgelegenheit unter dem Vordach eines alten Gebäudes gefunden und hier begann unsere Geschichtsstunde. Unser Guide hat sein schlaues Buch ausgepackt und dann ging es los. Wir haben die gesamte Geschichte der Inka mit ihren verschiedenen Führern gelernt, dann Punkte zu ihrer Religion, Medizin, Bildung, dem Alltag der Menschen und natürlich auch, wie es zum Ende des Imperiums gekommen ist und die Zerstörung vieler Anlagen durch die Spanier. Es war unglaublich spannend und interessant, leider aber auch so viel, dass wir uns nicht alles merken konnten. Ausserdem würden weitere Details den Rahmen hier sprengen, wird der Beitrag wohl doch wieder recht lange. Ich hoffe er findet trotzdem viele Leser, die den Bericht lesen. 🙂 Ein paar wichtige Fakten aber zu Machu Picchu: gebaut wurde die Anlage irgendwann im 14 Jahrhundert über eine Bauzeit von geschätzt 35 Jahren. Die Stadt war zum Ende hin von ca. 10’000 Menschen bewohnt, wovon manche permanent dort lebten, andere waren Reisende und somit als Gäste in der Stadt untergebracht. Die Anlage wurde nicht fertig gestellt, sondern wurde beim Einmarsch der Spanier fluchtartig verlassen. Der damalige Leader hat die Spanier aber über einen anderen Weg in ein Tal gelockt. Das hat der Bevölkerung bzw. dem Leader nicht viel geholfen, hat aber dazu geführt, dass die Spanier Machu Picchu nie gefunden haben und dadurch vor allem auch nicht zerstören konnten. Entdeckt wurde die Anlage erst wieder im Jahr 1902 durch einen peruanischen Archäologen und dann so richtig im Jahre 1911 durch den amerikanischen Entdecker Bingham. Die Anlage taucht zwar auch davor in diversen Schriften und Zeichnungen auf, aber der grosse Durchbruch kam erst durch Herrn Bingham. Wie soll es eben zu diesem Ort auch anders sein, selbst die Entdeckung ist ein wenig mystisch und daher passend. Am 24. Juli 1911 wurden Machu Picchu von einer Expedition der Yale University eben unter der Leitung von Hiram Binghams durch Zufall wiederentdeckt. Die Anlage war von dichtem Gestrüpp und Gras völlig überwuchert. Bingham war auf der Suche nach der geheimnisvollen Inkastadt Vilcabamba, in die sich die Inkas geflüchtet haben sollen, nachdem Pizarro im Jahre 1536 Cusco einnahm. Bingham glaubte, Vilcabamba in Machu Picchu gefunden zu haben. Tatsächlich wurde diese Stadt erst in den 1960er Jahren durch Luftbildaufnahmen entdeckt. In den Jahren 1912 und 1913 begann Bingham damit, die Stadt freizulegen. 1915 veröffentlichte er ein Buch über seine Erforschung Machu Picchus. Berühmt wurde Machu Picchu, als die National Geographic Society ihre gesamte Ausgabe vom April 1913 dieser Stadt widmete. Es wird teilweise behauptet, dass Bingham die Stadt schon zwei Jahre vorher entdeckt habe, dies aber verheimlicht hat um sich Zeit zu verschaffte, alle Funde wie Gold und Grabbeigaben in die Vereinigten Staaten zu schaffen. Mittlerweile sind aber wieder alle Funde Binghams nach Peru überführt worden, so sagt man zumindest. Nach dieser Einführung ging es für uns dann los die Anlage genauer zu besichtigen. Wir haben das Wassersystem mit diversen Brunnen und Kanälen besichtigt, welches noch heute einwandfrei funktioniert. Ich habe mich bei der Gelegenheit gefragt was wohl passiert, wenn man in 600 Jahren ein kleines Dorf aus der heutigen Zeit findet. Was würde davon noch stehen bzw. noch funktionieren? Ich glaube nicht viel. Da haben die Inka schon ganze Arbeit geleistet. Da fällt mir ein, eigentlich ist es falsch von den Inka zu sprechen. Es gab nämlich nur einen Inka, und das war der jeweilige König bzw. Leader. Darunter gab es dann noch 3 verschiedene Klassen, die royale Klasse bzw. Oberschicht, dann die Mittelschicht mit Menschen aus den Berufen wie Lehrer usw. und dann die Unterschicht mit den «normalen» Menschen und Arbeitern. Inka ist also in dem Sinn keine Zivilisation, sondern nur der König. Es macht es aber deutlich einfacher, wenn man zusammengefasst einfach von den Inkas schreibt und damit eben alle Menschen aus diesem Zeitraum meint. Ansonsten wird das Ganze hier doch recht komplex und man möge mir meine Faulheit hier verzeihen. 🙂 

Wir haben noch den Palast des Königs angeschaut und gelernt, dass der König ein wahrer Leader war. Er hat zu seinem Volk nicht nur gesagt was sie machen sollen, sondern er hat es immer vorgemacht oder ging voran. Er hat sein Volk also in wörtlichen Sinn geführt und die Menschen sind ihm treu gefolgt. Natürlich haben wir auch den Hauptplatz der Anlage, wo sich die Menschen sportlich betätigen konnten oder zu Versammlungen zusammengekommen sind, sowie den Sonnentempel angeschaut. Der Sonnentempel ist noch eine sehr besondere Konstruktion. Das Gebäude hat zwei Fenster und jeweils am 21. Juni oder am 21. Dezember eines Jahres scheint die Sonne bei Sonnenaufgang ganz exakt durch eines der beiden Fenster. Die Inka hatten grosses Interesse an den Sternen und Astrologie, so dass neben dem Sonnentempel ein weiteres Haus nur zur Forschung für Astrologen erbaut wurde. Nachgewissen sind heute 216 steinerne Gebäude in verschiedenen Grössen, welche in der Stadt errichtet wurden. 

Nach knapp 4 Stunden war unser Rundgang zu Ende und wir waren tatsächlich erschöpft nach so viel Wissen. Wir sind wieder zum Bus und haben uns auf den Weg ins Tal zurück gemacht. Dort angekommen war es aber höchste Zeit für einen Kaffee. Danach sind Corinne und ich nochmal allein los, wollten wir doch noch einen kleinen Spaziergang durch Aquas Calientes machen. Es war schon beeindruckend wie die Schienen für den Zug so mitten durch das Dorf laufen und wie auch sonst versucht wird, Modernes und Traditionelles zu vermischen. Da aktuell noch nicht ganz so viele Menschen vor Ort sind, wie vor der Pandemie war es eigentlich noch recht gemütlich. Mag mir aber nicht vorstellen, wie das hier auch sein kann. Ausserdem haben wir noch den riesigen Markt zum Thema Souvenirs besucht. 🙂

Nach dem Rundgang haben wir uns wieder mit unserem Guide getroffen, um mit ihm noch ein kleines Mittagessen einzunehmen. Wir haben ein tolles Restaurant gefunden und hatten ein sehr leckeres Mittagessen. Die Portionen mal wieder äusserst reichlich. Unfassbar was die Peruaner essen können. 🙂 Gegen 14 Uhr wurden wir dann zum Bahnhof gebracht und es hiess Abschied nehmen von unserem Guide Barnabe (manchmal nannte er sich auch Javier). Wir hatten so eine tolle Zeit und wir haben so viel erfahren, dafür nochmal ein herzliches Dankeschön. Unser Zug fuhr dann pünktlich um 14.30 Uhr ab und brachte uns sicher zurück nach Ollantaytambo, wo wir ja auch gestartet sind. Der Anblick der Landschaft, an welcher wir vorbeifuhren, war wieder unbeschreiblich schön. Es ist beeindruckend, wie die Berge sich geformt haben. So langsam muss ich zugeben, dass die Alpen für mich sogar auf den dritten Platz abgefallen sind. Gegen die Anden und eben die Rockys haben die Alpen für mich einfach keine Chance mehr.

Zurück in Ollantaytambo haben wir uns auf die Suche nach unserem Fahrer Edgar gemacht. Der wartete bereits etwas am Rand auf uns und wir haben uns auf den direkten Weg zurück nach Cusco gemacht. Zurück im Hotel hiess es schnell unter die Dusche und dann sind wir noch ein wenig durch die Stadt. Wir hatten noch Lust auf einen Nachtisch und haben eine tolle Crêperie ausfindig gemacht. Und was gibt es Besseres nach zwei so tollen Tagen als einen Crêpe mit Nutella, Bananen und Erdbeeren? 🙂 Genau nicht viel, das war sehr lecker. Danach ging es zurück zum Hostel, um die Bilder der letzten Tage zu besichtigen. Ich sage mal so, wir haben einige gelöscht, sind aber trotzdem über 850 Bilder aus den beiden Tagen entstanden. Der Bildervortrag noch unserer Reise könnte also doch eine etwas längere Abgelegenheit werden. 

Den nächsten Tag Donnerstag, 27.10.2022 haben wir dann wieder ganz locker genommen. Wir sind früh aufgestanden und haben ein wenig Büroarbeit gemacht. Danach ging es in ein kleines Café für ein Frühstück und dann wieder an die Arbeit. Corinne macht etwas für ihre Firma und ich versuche hier die letzten Tage ein wenig strukturiert zu Papier zu bringen. Mir fällt immer etwas Neues ein, was ich wieder irgendwo einfügen muss und der Text wird immer länger. Nachdem ich jetzt doch wieder aktuell bin, geht es noch zu einer kleinen Massage im Gebäude neben dem Hostel. Es gibt hier an jeder Ecke Massagestudios, welche tatsächlich noch recht gut sind und für uns auch recht billig. Das hat also recht gut getan. Danach bin ich noch ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe den Markt San Pedro besucht, um dort einen frischen Fruchtsaft zu trinken. Leider war ich schon etwas spät dran und einige Stände waren schon geschlossen, trotzdem hat der Markt ein wahnsinniges Flair.

Am Abend haben wir uns dann noch mit Lena getroffen. Sie haben wir bei einem Ausflug in Arequipa kennen gelernt und sie kommt ebenfalls aus Deutschland und reist allein durch die Welt. Durch Zufall sind wir jetzt alle in Cusco und da bietet sich das ja an. Wir sind wieder in den Stadtteil San Blas gelaufen, welchen wir von der Free Walking Tour kennen, um von dort wieder die Aussicht und den Sonnenuntergang zu geniessen. Natürlich darf da ein Drink nicht fehlen. Danach sind wir noch etwas essen gegangen und hatten einen tollen Abend. Da wir morgen den nächsten Ausflug haben, sind wir nicht ganz so lange geblieben, sondern wieder bei Zeiten ins Bett. Der Wecker klingelt wieder früh.

Der Freitag startete dann auch wirklich sehr früh. Bereits um kurz vor 4 Uhr klingelte der Wecker. Heute stand unser nächster Ausflug an. Wir wollten an den berühmten Humantay Lake, um dort ein wenig zu wandern. Wir wurden wieder pünktlich abgeholt und dieses Mal hatten wir die Ehre, dass wir vom Chef des Touranbieters, John, begleitet wurden. Das konnte ja nur super werden. Ausserdem hatten wir dieses Mal auch weitere Teilnehmer, nämlich 3 Amerikaner, ein Paar so Mitte 20 und eine weitere Dame, welche die Cousine des männlichen Parts des Paares war, dabei. Die Drei reisen zusammen mit den jeweiligen Eltern des Paares, welche wir am nächsten Tag noch kennen lernen sollten. Aber dazu später mehr. Die Fahrt war doch recht anstrengend, da es immer bergauf oder bergab ging und die Entfernung doch etwas über 120 km betrug. Wir sind von Cusco auf 3’300 Meter zuerst hinauf auf 3’800 Meter, um dann wieder hinunter auf 2’200 Meter zu fahren. Dort ging dann nach ca. 1.5 Std der Spass so richtig los. Wir wechselten auf eine Schotterpiste, welche für die nächsten knapp 1.5 Std unser Begleiter sein sollte. Die ersten 30 Minuten waren recht ok, dann erreichten wir ein kleines Dorf mit einem Restaurant, wo wir unser Frühstück einnehmen konnten. Das Essen war in Form eines Buffets und wirklich sehr gut. Alles, was das Herz begehrt, war vorhanden. Ganz besonders am Restaurant war aber noch die Aussicht auf die Umgebung, wirklich toll.

Nach dem Frühstück ging der Ritt dann weiter. Für die nächsten rund 60 Minuten hiess es immer weiter bergauf, entlang an steilen Klippen und durch unendlich viele Kurven. War nicht unbedingt eine magenschonende Fahrt, aber die Aussicht war der Hammer. Nach den ca. 60 Minuten haben wir dann einen Parkplatz erreicht, welcher auf etwa 3’900 Meter Höhe lag. Vor dort aus hiess es dann Laufen. Ok, laufen war nicht für jeden das erklärte Ziel, sondern die drei Anderen wollten lieber die Strecke hinauf zum Lake auf einem Pferd zurücklegen. Ich habe zwar noch eine Rechnung offen, dass ich auch reiten muss, aber nicht hier. Die knapp 400 Höhenmeter wollten wir zu Fuss schaffen und die 20 Dollar pro Pferd wollten wir auch nicht ausgeben. Die Amis waren aber bereits von der Strecke Parkplatz bis zu den Pferden, ca. 500 Meter so ausser Atem, dass die Idee mit den Pferden vielleicht doch recht gut ist. Unterwegs konnten wir von hier aus den Blick sowohl auf den Humantay Mountain (5’473 Meter hoch) als auch auf den Salkantay Mountain (6’264 Meter hoch) bewundern.

Vor allem der letztgenannte Berg spielt für die lokale Bevölkerung eine wichtige kulturelle Rolle. Es gibt noch heute Zeremonien an welchem Opfer für den Berg gebracht werden. Die drei sind dann mit Ihren Pferden los und wir haben uns mit John, unserem Guide, auf den Weg nach oben gemacht. Und die Strecke hatte es ganz schön in sich. Also nicht vom Schwierigkeitsgrad her oder so, sondern einfach auf Grund der Höhe, waren wir jetzt doch auf 4’200 Meter über dem Meer. Das war doch recht anstrengend. Dafür aber eine super Aussicht.

Nachdem wir oben angekommen sind, waren wir doch recht bedient, aber wir haben es geschafft. Wir konnten einen Blick auf den Bergsee geniessen. Neben dem See waren aber auch die dahinterliegenden Berge ein richtiges Highlight. Das war fast noch schöner als der See an sich.

Nachdem wir ausreichend Bilder gemacht haben, hiess es auch wieder breit machen zum Abstieg. Dieses Mal in Begleitung der anderen Teilnehmer. Die Pferde sind nur für den Weg nach oben, nach unten laufen normalerweise alle. Eigentlich war ich recht froh, als wir wieder Richtung Tal sind, waren es mir doch etwas zu viele Touristen. Und der Platz ist eben sehr bekannt dafür, dass man tolle Bilder für Instagram machen kann. Ich musste mich teilweise wirklich beherrschen, wie sich manche Personen in Szene gesetzt haben für ein Bild. Das Thema übersteigt glaub ich einfach meinen Horizont und dass man zwischendurch noch andere Sachen anziehen muss, einfach nicht meine Welt. Aber dann versteh ich schon warum so viele ein Pferd brauchen, weil in solchen Schuhen, in welchen manche um den See getänzelt sind, kann man nicht laufen. Aber egal, muss ja auch nicht alles verstehen. Wir sind also los Richtung Tal und haben für die Strecke doch etwas länger benötigt, da nicht alle ganz so schnell waren. Aber egal, gab für uns mehr Zeit die Aussicht zu geniessen und mit John über Gott und die Welt zu sprechen. Er ist gebürtig aus den Bergen um Cusco und in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen. Er hat aber so viel erreicht und ist so ein netter Mensch, das machte richtig Spass mit ihm zu sprechen. Vor allem haben wir wieder ganz viel über die Kultur der Bevölkerung gelernt. Wieder am Bus angekommen hiess es die gleiche Strecke wieder zurück. Die ersten 45 Min bis zum Restaurant, welches wir schon zum Frühstück hatten, waren wieder recht stressig. Ist nicht so meine Umgebung zum Fahren, aber ich habe überlebt. In eben jenem Restaurant gab es nun ein herrliches Mittagessen. Wieder in Form eines Buffets und wir konnten Essen so viel wir wollten. Das Essen hier ist einfach super. Es ist immer so lecker gewürzt und frisch. Nach dem Essen ging es dann vollends die Schotterpiste hinab und zurück nach Cusco. Auf dem Rückweg gab es dann noch eine gute und eine schlechte Nachricht von John betreffend dem morgigen Ausflug ,am Samstag. Wegen einer Auto-Rallye ist die Strasse Richtung Puno, auf welcher wir morgen fahren müssen ab dem frühen Morgen teilweise gesperrt. Deswegen müssen wir schon um 4 Uhr losfahren, aber immerhin können wir überhaupt auf den Ausflug. HURRA, da freut sich der Tobi, weil das bedeutet, der Wecker klingelt wieder um 3:15 Uhr. In Cusco angekommen waren wir echt bedient und mussten erstmal eine Dusche nehmen. Danach sah die Welt etwas besser aus und wir sind noch ein wenig durch die Stadt gelaufen. Wir haben den Abend aber recht kurz gehalten und sind früh ins Bett.

Der nächste Tag war dann der erwähnte Samstag, 29.10.2022 und der Wecker klingelte tatsächlich um 3:15 Uhr. Auf dem Programm stand ein Ausflug zum Rainbow Mountain. Den wollten wir auf alle Fälle sehen. Die Rainbow Mountains sind eine recht neue Attraktion in Peru und leider mit einem traurigen Hintergrund entstanden. Es ist nämlich so, dass die farbigen Berge erst so richtig im Jahre 2017 erschienen sind. Bis dahin waren sie nämlich unter einer Schneedecke versteckt, so dass dies niemanden anlockte. Erst das wärmere Klima und die damit verbundene Schneeschmelze hat dafür gesorgt, dass man die Berge heute so sehen kann und tausende von Touristen anlocken. Seit ca. 3 Jahren gib es noch einen weiteren Berg, welcher ebenfalls seine Schneedecke verloren hat und seitdem als Rainbow Mountain zu sehen ist. Wir hatten somit zwei Möglichkeiten beim Buchen. Wir haben uns ursprünglich für den neueren und unbekannteren Berg entschieden, weil dort deutlich weniger Menschen hinfahren. Leider wurden wir aber informiert, dass in der Region aktuell das Wetter nicht so gut ist, die Regenzeit kommt gefühlt dieses Jahr zu früh und es dadurch das Risiko für Nebel gibt und die Gefahr, dass wir gar nichts sehen. Das wollten wir nicht riskieren und haben umgebucht auf die Tour zum bekannten und überfüllten Berg. Aber immerhin mit dem Wissen, dass wir dort eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit für eine klare Sicht haben. Und was das angeht, sollten wir nicht enttäuscht werden. Wir wurden also um 4 Uhr an unserem Hotel abgeholt und die Überraschung war gross. Neben John war ein zweiter Guide dabei, welchen wir auch schon recht gut kannten. Es war Barnabe/Javier, welchen wir vom Inka Trail kannten. Somit war für ausreichend Unterhaltung gesorgt. 🙂 Zu den bereits bekannten 3 Amis vom Vortag gesellten sich nun noch die jeweiligen Eltern des Paares hinzu. Alle 7 haben wohl kubanische Abstammung leben aber alle in Miami. Ich war schon etwas überrascht, da weder Kleider- noch Schuhwahl darauf schliessen liess, dass die Kollegen ebenfalls auf einen Berg mit 5.036 Meter laufen wollten. Aber ok, dass muss ja jeder selber wissen, mir wären strahlend weisse Valentino Schuhe vielleicht etwas zu teuer. Immerhin sind wir pünktlich los und haben uns auf den Weg Richtung Puno gemacht. Wir folgten der Strasse für ca. 1.5 Std., ehe wir an einem Restaurant wieder unser Frühstück serviert bekommen haben. Hier wieder in Form eines Buffets und mehr als reichhaltig und sehr lecker. Ok, nicht für jeden, die anderen aus der Gruppe hatten an allem etwas auszusetzen. Aber davon lassen Corinne und ich uns nicht mehr beeinflussen, das Gemotze kennen wir ja schon zu gut und ignorieren das. Es war wirklich lecker und alles sehr schön hergerichtet. Nach dem Essen ging es dann noch ein kurzes Stück weiter auf der Hauptstrasse, ehe wir wieder auf eine kleine Schotterpiste abgebogen sind. Diese war aber im Vergleich zum Vortag zumindest mal deutlich breiter und die Abgründe neben der Strasse nicht ganz so tief bzw. nicht so häufig. Wir sind lang über ein breites Tal, welches extrem schön war, den Berg hinauf.

Auch dieser Ritt dauerte knapp 1 Std und 15 Min., ehe wir am Parkplatz angekommen sind. Jetzt waren wir doch schon auf einer Höhe von 4’600 Meter über dem Meer, hatten aber nochmals mehr als 400 Höhenmeter zu Fuss vor uns. Die Luft war ganz schön dünn und man merkte schon nur beim Aussteigen aus dem Bus, das wird eine nicht ganz einfache Sache. Von den 7 Anderen haben 3 direkt die Segel gestrichen und den Aufstieg komplett abgesagt. Sie wollten lieber die 4 Stunden am Bus warten. Die anderen 4 haben sich sofort wieder für ein Pferd entschieden, welches sie in die Nähe vom Gipfel bringen sollte. Aber eben auch nicht komplett, die letzten 100 Höhenmeter muss man zu Fuss machen. Dies ist allgemein bekannt, sorgte aber mal wieder für Unmut. Egal, die 4 sind dann mit dem Pferd und dem Guide Barnabe los, während Corinne und ich zusammen mit John ganz langsam losgelaufen sind. Ich habe mir zur Sicherheit noch ein paar Coca Blätter zur Leistungssteigerung gekauft. 🙂 Die Blätter helfen nicht unbedingt gegen die Höhe aber immerhin bringen sie einen kleinen Leistungsschub, ähnlich wie ein Kaffee. Und ehrlich gesagt schmecken sie auch noch recht gut, wenn man so darauf herumkaut. Wir sind sehr langsam gelaufen, aber das Atmen war trotzdem recht schwer. Man ist in der Höhe einfach so schnell ausser Atem und muss Pause machen. Dann kommt die Luft aber auch recht schnell zurück und man kann wieder eine kleine Distanz gehen. Wir hatten ja Zeit und keinen Stress. Ausserdem war die Aussicht einfach auch zu schön, als dass man sich stressen lassen sollte.

Wir haben dann das erste Ziel, den Übergang zum Rainbow Mountain erreicht und von hier aus erst mal den Blick genossen. Es ist schon beeindruckend, wie der Berg in den verschiedenen Farben strahlt. Ich habe mir das nicht so schön bunt vorgestellt. Ich möchte anmerken, dass die Bilder hier ohne ein Filter aufgenommen wurden. Ich finde das viel natürlicher und schöner und wir möchten hier ja auch die Realität zeigen. Viele Bilder im Internet leuchten zwar noch mehr, wurden aber auch oft entsprechend vorher bearbeitet. Auch von den Touristen her ging es zu dem Zeitpunkt noch, die haben wohl alle länger geschlafen oder sind langsamer gelaufen. 🙂 Die Berge scheinen in den unterschiedlichen Farben aufgrund von vielen sich überlagernden Mineralien im Boden. Dank unseres Guides haben wir immer tolle Spots für Fotos gefunden und er hat auch ein paar sehr schöne Bilder von uns gemacht. Tourguides sind einfach noch zusätzlich super Fotografen. 🙂

Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, wollten wir die 5’000er Marke natürlich noch schaffen und haben uns auf die letzten Meter hinauf zum Gipfel gemacht. Das war zwar nicht mehr weit, aber doch nochmal richtig anstrengend. Aber wir haben es geschafft und der Ausblick war der Hammer. Aber nicht nur auf den Rainbow Mountain, auch der Blick in das dahinter liegende Red Valley oder auf der anderen Seite die hohen Gletscher der Anden war mehr als grandios. Wir haben mal wieder unzählige Fotos gemacht, natürlich auch eines mit ein paar bunt geschmückten Alpakas. 🙂 Kann man machen, muss man aber nicht. Wir fanden es sehr lustig und die paar Soles tun den Einheimischen auch einfach gut.

Es ist schon beeindruckend, wie die Menschen versuchen hier ihr Geld zu verdienen, was in der Höhe sicher nicht einfach ist. Mir ist ein Herr aufgefallen, welcher mit seinem Pferd immer Touristen auf den Berg gebracht hat. Er ist in der Zeit, in welcher wir hoch sind, 3-mal hoch und wieder runter. Vor allem runter ist er richtig gerannt und das mit einem Tempo, unfassbar. Die Menschen hier müssen ein Lungenvolumen haben, welches deutlich grösser ist als unseres. Man kann natürlich wieder streiten ob es sinnvoll ist, dass auch Kinder dabei helfen und somit Geld verdienen, aber Schulen gibt es teilweise einfach auch noch nicht in der Region. Und wenn, dann sind die Lehrer so schlecht, weil keiner in der Region unterrichten will, dass die Kinder mehr von den Eltern lernen. Und da lernen sie eben wie sie am besten überleben und etwas Geld verdienen können. Aber zurück zu den schönen Dingen, nämlich der Aussicht und dem wirklich schönen Rainbow Mountain.

Nachdem wir alle Bilder gemacht hatten, in der Zwischenzeit wurde es recht voll, haben wir uns wieder auf den Weg nach unten gemacht. Das es voller wurde hat man daran gemerkt, dass sich an den besonders beliebten Fotospots Personen positioniert haben, die dafür gesorgt haben, dass jeder sein Bild machen konnte und wenn jemand zu lange gebraucht hat, dann wurde mit einer Trillerpfeife die Person recht deutlich darauf aufmerksam gemacht. 🙂 Ich fand das noch lustig zu beobachten, aber ich denke nach 50 Bilder kann man auch anderen Mal die Möglichkeit geben. Auf dem Weg nach unten hatte John dann doch ein recht hohes Tempo, aber wir konnten mehr oder weniger mithalten. Wir haben uns wieder über Gott und die Welt unterhalten und diesmal gelernt, dass John gerne eine Englischschule in seinem ursprünglichen Dorf eröffnen möchte. Englisch ist für die Kinder so wichtig, weil damit können sie vom Touristenboom in der Umgebung eben am einfachsten profitieren. Ich finde die Idee so richtig toll und bin gespannt was daraus wird. Ich hoffe wir sehen den Herren mal wieder und bleiben in Kontakt. Unten angekommen haben wir den Rest der Gruppe wieder getroffen. Von den Vieren, welche mit dem Pferd nach oben sind, sind Drei sogar mit dem Pferd wieder runter. Nur eine ist tatsächlich wenigstens heruntergelaufen. Nun ja, den Valetino-Schuhen hat das Reiten aber auch nicht gut getan, die waren trotzdem genau so dreckig wie meine Wanderschuhe, nur dass es mir egal war. 🙂 Immerhin hat niemand aus der Gruppe die beiden Sauerstoffflaschen, welche die Guides dabei hatten und damit immerhin fast 7 kg zusätzliches Gewicht den Berg hinauf getragen haben, gebraucht. Wir haben uns dann wieder auf den Weg ins Tal gemacht und sind wieder in das gleiche Restaurant wie beim Frühstück. Hier gab es wieder ein super Buffet, zumindest nach unserer Einschätzung. Die Anderen hatten etwas Mühe mit dem Essen und haben die gefüllten Teller alle wieder schön in der Mitte des Tisches gestapelt. Nichts hat anscheinend geschmeckt, so dass sie mehrmals gelaufen sind, die Teller gefüllt haben und dann immer nur ein wenig gegessen haben. Ich verstehe das nicht, man kann ja auch nur wenig nehmen zum Probieren und dann wieder etwas holen. Sie sind dann irgendwann bei den Chicken-Wings geblieben und haben diese verhaftet. Ich denke, wenn man als Tourist in ein anderes Land kommt, dann kann man nicht erwarten, dass alles ist wie zu Hause und es eben andere Sachen zum Essen gibt, die auch anders schmecken. Eigentlich ist es doch grade das, was eine Reise ausmacht. Etwas Neues zu probieren und zu erleben. Leider erleben wir aber irgendwie recht oft das Gegenteil und können das irgendwie nicht verstehen. Und dabei spielt es keine Rolle, von woher die Touristen kommen, haben das schon von vielen verschiedenen Nationen erlebt. Nach dem Essen sind wir dann vollends zurück nach Cusco. Ich war ehrlich gesagt froh, habe ich die beiden Tage mit den langen Fahrten auf Schotterpisten hinter mir. Nachdem wir in Cusco angekommen sind, hiess es Abschied nehmen von unseren Guides. Vor allem John hat so viel für uns getan und so ein tolles Programm für die Tage hier erstellt, wir werden das vermissen. Ich glaube ich habe in 10 Tagen schon lange nicht mehr so viel gelernt wie in den vergangen Zehn. Corinne und ich sind dann noch auf einen Kaffee, ehe wir uns auf den Weg zum Hostel gemacht haben. Zurück im Hostel hiess es dann Duschen und Ausruhen. Der Vorteil unserer frühen Abfahrt war, dass wir auch nicht ganz so spät zurück waren und so noch etwas vom Nachmittag hatten. Den haben wir dann ganz unterschiedlich verbracht. Corinne hat sich zur Entspannung die Haare schneiden lassen und ging zur Mani- und Pediküre. Zum Vergleich für die drei Sachen und den benötigten Zeitaufwand von 2 Std. hat sie inkl. 10% Trinkgeld 25 Euro bezahlt. Und es sieht erst noch super aus. Ich habe mir gedacht, ich lass mir von Corinne, bevor sie los ist kurz im Zimmer die Haare schneiden und nutze das gesparte Geld für eine weitere Massage. 🙂 Ich bin wieder in das gleiche Studio direkt neben dem Hostel und nach den beiden Tagen mit Wandern tat das richtig gut. Den Abschluss des tollen Tages haben wir dann in einem kleinen Restaurant um die Ecke gemacht mit einem original peruanischen Gericht. Es gab Lomo Saltado, was eine Art Rindergeschnetzeltes in einer asiatisch angehauchten Sauce mit Zwiebelscheiben und Paprikastücken ist. Dazu gibt es Reis und ein paar Kartoffeln. Es war sooo lecker. 🙂

Der nächste Tag war dann schon wieder Sonntag, der 30.10.2022 und eigentlich unser letzter ganzer Tag in Cusco. Wir haben den morgen gemütlich genommen, sind einen Kaffee trinken gegangen und kurz in die Stadt. Ich weiss nicht genau was los war, aber es gab eine Parade vor der Kathedrale. Irgendwie sind hauptsächlich Frauen, welche in Gruppen zu einem jeweiligen Jahr unterteilt, durch die Stadt gelaufen. Ich weiss aber nicht, wie die Zusammensetzung war, aber es muss einen kirchlichen Hintergrund gehabt haben. Es war noch lustig anzuschauen, wie die Damen versuchten, in High-Heels im Gleichschritt über Pflastersteine zu marschieren. Ich sage nur, Augen auf bei der Wahl der Schuhe. Aber alle waren herausgeputzt als gingen sie auf eine Hochzeit. Ok, bei manchen waren die Kostüme so kurz, dass sie mehr für eine Disco geeignet gewesen wären, aber anscheinend kann man so hier auch in die Kirche. Ich habe es komplett nicht verstanden, aber es war lustig. Und vor allem die Musik, welche von verschiedenen Blasmusikgruppen gespielt wurde, war genial. Diese sind dann noch teilweise durch die Stadt gelaufen und haben gespielt. Dafür wurden die Strassen nicht gesperrt, sondern der Verkehr musste einfach schauen, wo er bleibt. 🙂 Hat sich aber irgendwie niemand beschwert.

Den Rest des Vormittags haben wir im Hostel verbracht, um hier am Blog zu arbeiten und unsere Bilder der letzten Tage zu sortieren. Am Nachmittag haben wir uns nochmal auf den Weg gemacht und sind zuerst zu einer weiteren Inka-Stätte, welche direkt am Rand von Cusco liegt. Dieser Ort hat den unaussprechlichen Namen Saqsaywaman und liegt etwa 3 km oberhalb des Stadtzentrums. Die Anlage sollte als Repräsentationsort dienen und als militärische Befestigung den am meisten gefährdeten Zugang zur Stadt schützen. Während der 70-jährigen Bauzeit in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sollen nach Schätzungen bis zu 20.000 Menschen daran gearbeitet haben.

Für uns war es eine neue Erfahrung, weil es die erste Tour durch so eine Anlage war ohne einen Guide. Es war trotzdem mega spannend die Anlage zu besichtigen, aber irgendwie fehlen uns jetzt doch etwas die Details, was wir bisher immer so genossen haben. Für uns besonders beeindruckend waren die riesigen Felsen, welche teilweise in die Mauern miteingemauert waren. Auch hier stellt sich wieder die Frage, wie haben die Menschen das damals alles hinbekommen. Vor allem wenn die Steine wieder Stein auf Stein und ohne Zement gemauert wurden. Ich bin nach wie vor extrem beeindruckt was da geleistet wurde. Ausserdem hat man von der Anlage einen super Blick über die Stadt.

Als nächstes sind wir dann zu einer grossen Christus-Statue gelaufen, welche direkt neben der Inka-Stätte steht. Es handelt sich hierbei um eine kleinere Version der berühmten Statue in Río de Janeiro. Auch von hier hat man einen tollen Blick und wir konnten die untergehende Sonne beobachten.

Danach haben wir uns auf den Weg hinunter in die Stadt gemacht. Wir sind einfach los und diverse Treppen nach unten. Was für ein Labyrinth aus Treppen, aber wir haben es geschafft. Schon brutal wie an so einem steilen Abgang wirklich Haus an Haus, oder manchmal war es nur mehr ein Verschlag, steht. Vor allem für die Menschen muss es sehr anstrengend sein, wenn sie das Haus verlassen wollen. Unten angekommen sind wir noch in ein Restaurant für einen kleinen Burger und danach noch auf einen Kaffee zu unserem Barista des Vertrauens. Den Abend haben wir dann im Hostel verbracht und unsere Rucksäcke für morgen vorbereitet. Haben wir in den letzten Tagen doch so manches gekauft und so müssen wir jetzt schauen, ob auch noch alles Platz hat. Nun ja, hat nicht ganz funktioniert, also muss leider manches hierbleiben. Gibt es wieder eine kleine Spende, aber was sollen wir machen. Morgen Abend geht unsere Reise weiter, wir fahren endlich mal wieder Bus. Den Tag werden wir aber sicher noch verbringen mit dem Besuch von ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten.

Und dann war auch schon Montag, der 31.10.2022 und überall in der Stadt ist der Halloween Wahnsinn ausgebrochen. Sämtliche Restaurants, Hotels, Läden, usw. wurden geschmückt, hauptsächlich mit schwarzen und orangenen Luftballons plus unzähligen Skeletten und Spinnennetzen. Hurra, was haben wir uns gefreut. Finden wir Halloween ja so eine sinnvolle Sache. Aber egal, zurück zu unserem Tag. Am Morgen sind wir nochmal recht früh aufgestanden, weil wir den lokalen Markt San Pedro besuchen wollten. Ich war zwar schon mal dort, dieses Mal wollten wir dort aber ein kleines Frühstück einwerfen. Der Markt war recht gut besucht und es war extrem, was hier mal wieder alles verkauft wurde. Vor allem im Bereich Fleisch und Wurstwaren war ich froh, dass ich noch nichts gegessen hatte. Das harmlose waren noch ganze Schweine, anstrengender fand ich dann eher die abgetrennten Mäuler von Rindern oder die Innereien wie Herzen, usw. Da war es doch in der Blumenabteilung deutlich schöner und farbenfroher. 🙂 Es gibt hier schon tolle Blumen, wie Orchideen und Rosen, welche dann auch gar nicht so teuer verkauft werden. Natürlich dürfen aber auch die sonstigen Sachen wie Taschen, Pullover, Gewürze, usw. nicht fehlen.

Auf dem Markt gibt es dann einen extra Bereich mit Essen. Die Peruaner essen zum Frühstück aber schon richtig deftig mit Suppe, Fleisch, Reis, Kartoffeln, Linsen usw. Das kommt dann alles auf den Teller und los geht’s. Das schmeckt super, aber morgens um 9 Uhr einfach zu früh für uns. Wir haben uns dann einen kleinen Stand gesucht, welcher Sandwiches verkauft und haben uns dort hingesetzt. Die Stände sind vielleicht 60 cm breit und reihen sich einfach nur so aneinander. Wie die Damen dahinter das Essen machen, keine Ahnung. Weil auch sehr tief sind die Stände nicht. Dann kommt nämlich bereits der Nächste, welcher auf die andere Seite verkauft. Wie das mit Hygiene usw. genau aussieht, mag ich nicht beurteilen, uns ist aber nie etwas passiert. Vielleicht haben sich unsere Mägen auch einfach an so manches gewöhnt, aber das Essen schmeckt einfach auch zu gut auf so einem Markt. Und kosten tut es dann auch fast nichts, wenn man bedenkt das alles frische Zutaten sind. Heute gab es ein frisches Sandwich mit Avocado, Schinken, Tomate und Ei und das für 2 Euro – einfach genial.

Danach sind wir dann noch zu einem Stand bei den Fruchtsaftverkäuferinnen. Hier sind die Stände fast noch kleiner, aber was die für frische Fruchtsäfte zaubern, ist genial. Auch hier ist der halbe Liter frisch gepresster Fruchtsaft nicht teurer als 2 Euro und schmeckt herrlich. 

Danach sind wir dann noch in die Stadt, weil wir zu einer Bank wollten. Wir brauchen für Argentinien Dollar und an Automaten gibt es immer nur 200 Dollar mit recht hohen Gebühren. Ausserdem gibt es dann nur 20er Scheine, was es zum Tauschen nachher in Argentinien wieder recht teuer macht. Der Kurs für 100er Noten ist tatsächlich besser in den Wechselstuben. War dann nicht ganz einfach, aber die Bank BCP hat extra eine Filiale in der Stadt nur für Touristen. Da haben wir das dann hinbekommen und sind nun gewappnet. Danach ging es noch durch die Stadt, ehe wir wieder zum Hostel sind. Corinne wollte noch ein paar Sachen erledigen und ich bin dann nochmal allein los. Mir ist eingefallen, dass ich ja noch ins Museum zum Thema Machu Picchu wollte. Dummerweise habe ich die Rechnung ohne die Öffnungszeiten gemacht. Da morgen Allerheilligen ist, ist bereits heute teilweise ein Feiertag. Also im normalen Bereich fällt das nicht auf, alle Läden usw. sind offen. Aber Museen sind da wohl anders, die sind zu. Hurra. Also bin ich weiter und das Einzige, was offen war, war die Coricancha. Die Coricancha war der wichtigste Tempel in der Inka-Hauptstadt Cusco. Sie überstand die Zerstörungen während der Eroberung durch die Spanier nicht. Heute gibt es im Zentrum lediglich einige Mauerreste, die den Glanz jener Arbeit zeigen. Nach einem schweren Erdbeben 1650 wurden die Ruinen weitgehend durch den Bau des Convento de Santo Domingo (ein christliches Kloster) überbaut. Lediglich vier Räume wurden weiterhin vom Kloster genutzt. Ein weiteres schweres Erdbeben 1950 beschädigte die Kirche und legte Mauerreste des ursprünglichen Tempels wieder frei. Ich habe es ja glaube ich schon mal geschrieben, bei der Eroberung wurden alle Tempel der Inka mit neuen christlichen Kirchen einfach überbaut, so eben auch in diesem Fall. Die Coricancha war der heiligste Ort, an dem die Inka Hochzeiten, Krönungen, Bestattungen und Riten von „nationaler“ Bedeutung feierten. Den Tempel des Inti (der Sonne) konnten die Inkas nur nüchtern, barfuss und zum Zeichen ihrer Demut mit einer Last auf dem Rücken, den Weisungen des Hohepriesters des Sonnenkultes folgend, betreten.

Ich habe die ganze Sache leider wieder ohne einen Guide angeschaut und bin zum gleichen Ergebnis wie gestern gekommen. Ohne Guide macht es deutlich weniger Spass. Die Geschichte ist so spannend und umfangreich, nur mit ein paar kleinen Tafeln kann man sich die Zusammenhänge nicht erklären. Aber egal, es war eine tolle Zeit dort und ich habe sehr viel gesehen.

Danach war es dann aber Zeit für einen Kaffee und meinen Rückweg ins Hostel. Dort habe ich mich im Restaurant ausgebreitet und schreibe an diesem Blog. Am Abend wollten wir dann noch ein letztes Mal in die Stadt um etwas zu Essen. Im Verlauf des frühen Abends haben wir aber bemerkt, dass schon vor dem Hostel immer mehr und mehr verkleidete Menschen durch die Strassen ziehen und Autos kaum mehr durchkommen. Wir haben uns dann spontan entschieden, das Abendessen im Hostel einzunehmen und lieber etwas früher zum Bus zu gehen. Nach dem Essen war die Situation vor dem Hostel dann so, dass eigentlich Autos gar nicht mehr fahren konnten, was uns von der Rezeption dann auch bestätigt wurde. Wir sollten lieber ein wenig laufen und dann versuchen ein UBER oder Taxi zu bekommen. Die Idee war gut, die Umsetzung hat so gar nicht hingehauen. In der Stadt war es so voll, das war unbeschreiblich. Alle Menschen waren verkleidet und voll im Halloween Modus. Ich denke, das war vergleichbar mit Karneval in Düsseldorf oder so. Es gab selbst für uns mit den grossen Rucksäcken fast kein Durchkommen. Die Idee mit Taxi oder UBER haben wir dann recht schnell verworfen, das würde nichts werden. Uns blieb keine andere Möglichkeit als die 2.5 km zum Terminal zu laufen. Mit all dem Gepäck und einem gewissen Zeitdruck nicht einfach. Aber wir haben es noch pünktlich geschafft. Ja, damit endet unsere Zeit in Cusco tatsächlich. Die Zeit hier wird sicher etwas ganz Besonderes bleiben für uns. Wir haben so viel erlebt, gesehen, so tolle Menschen getroffen und ganz viel gelernt. Und ich glaube, vieles davon wird uns auf unserer weiteren Reise noch ganz oft beschäftigen. Cusco und Umgebung reiht sich wirklich in unseren Highlights der Reise ganz weit vorne mit ein. Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte hier her kommen und sich ein eigenes Bild machen. Am Busterminal konnten wir dann unsere Rucksäcke abgeben und wir haben auf die Abfahrt gewartet. Unser Bus ist dann auch pünktlich um 22 Uhr abgefahren und wir waren auf dem Weg nach Puno und damit an den Titicacasee. Die Fahrt verlief ohne grössere Probleme und obwohl wir wieder oben sitzen mussten, hatten wir super Plätze. Die Plätze direkt hinter der Treppe, welche nach oben führt, haben sehr viel Beinfreiheit. Das haben wir bei unseren letzten Fahrten schon beobachtet und diesmal genau die Plätze 7 und 8 gebucht. So langsam wissen wir wie der Hase läuft. Wir sind dann mit 30 Min. Verspätung in Puno um kurz nach 5 Uhr am Dienstagmorgen, 01.11.2022 angekommen. War noch etwas früh, weil unser Transfer auf die Floating Island erst ab 6 Uhr möglich war. Also haben wir es uns am Terminal noch gemütlich gemacht und um 5.45 Uhr unsere Unterkunft kontaktiert. Sie haben uns dann ein Taxi geschickt, welches uns zum Hafen brachte. Dort wurden wir dann von Juan, so heisst der Eigentümer der Insel mit seinem kleinen Boot abgeholt. Die Fahrt zur Insel dauerte ca. 15 Min und wir waren in unserem kleinen Paradies angekommen.

Die Floating Island werden von den Uros bewohnt. Dies ist eine kleine Community von knapp 1’000 Menschen, welche sich auf 120 kleine Inseln verteilen. Normalerweise lebt immer eine Familie auf einer Insel. Wir hatten grossen Glück, denn unsere kleine Hütte war schon fertig und wir konnten diese direkt beziehen. So konnten wir nochmal eine ausgiebige Mütze Schlaf nehmen. Ich war dann wieder etwas früher fit und habe es unfallfrei auf die Matratze auf der Terrasse geschafft. Wow, was für ein Blick über den See und die Berge, da wollte ich eigentlich gar nichts anderes mehr machen. Ok, so viel kann man hier auch nicht machen, also waren wir den Rest des Tages einfach faul, haben Netflix geschaut, gelesen und vor allem die Stille genossen. Vor allem aber haben wir die Aussicht und den Sonnenuntergang genossen, welch ein genialer Anblick.

Am Abend gab es dann ein leckeres Abendessen, welches von der Familie zubereitet wurde. Wir hatten Hühnchenbrust mit Reis und Pommes. Und dazu sogar mal wieder frisches Gemüse. Es war sehr lecker und da es noch einen kleinen Nachtisch gab, war ich mehr als zufrieden. Leider mussten wir mit Tee auf unser Reisejubiläum anstossen, da es nichts gross anderes gab. Ja, heute sind es jetzt tatsächlich schon 11 Monate, welche wir unterwegs sind. Und noch immer können wir es selber kaum glauben, was wir alles erleben dürfen. Da es in den Hütten, ausser einer kleinen Lampe, keinen weiteren Strom gibt, kann man am Abend auch nicht so viel machen. Wir haben uns noch warm eingepackt und ein wenig die Sterne angeschaut. Es ist der Hammer, wie die Sterne hier leuchten und sich teilweise sogar im See spiegeln. Für die Nacht gab es dann noch eine heisse Wärmeflasche fürs Bett. Und die war gar nicht so unnötig, es wird hier nämlich nachts bitterkalt. Laut Wetter-App war es nur so ca. 3 bis 5 Grad warm und die Hütten sind alles andere als dicht oder geschweige geheizt. Aber mit der Wärmeflasche und den unzähligen Decken alles kein Problem. Wir haben recht gut geschlafen und sind bei strahlend blauem Himmel wieder aufgewacht. Der Tag, Mittwoch, 02.11.2022 startete dann mit einem kleinen, aber sehr feinen Frühstück und einer grossen Tasse Coca-Tee. Der Tee wirkt wie Kaffee, ein wenig belebend und ist daher eine gute Alternative. Kaffee wird hier nämlich eher weniger getrunken und wenn dann ist es so ein Instantkaffee, welcher auch ok ist, aber eben nicht so gut. 🙂 Da wir nur die eine Nacht auf der Insel bleiben, steht heute bereits wieder der Transfer aufs Festland auf dem Programm. Den Vormittag haben wir aber noch ausgiebig auf der Terrasse vor unserer Hütte genossen und ich habe mit Juan eine kleine Bootstour in einem traditionellen Boot der Uros gemacht. Dabei habe ich noch sehr viel über die Menschen und das Leben auf den Inseln gelernt (und das alles auf Spanisch). 

Um eine schwimmende Insel auf dem Totora-Schilf herzustellen, benötigt es ca. 1 bis 2 Jahre, dann kann mit dem Bau von Hütten begonnen werden. Jeden Monat muss aber Schilf nachgeerntet werden und auf dem Boden der Insel neu ausgelegt werden. So erreicht die Insel eine Dicke von durchschnittlich 2 Metern. Die Insel schwimmt sozusagen dann auf den Wurzeln des Schilfs und hat keine Verbindung an den Grund des Sees. Der See ist an der Stelle, an welcher die Uros leben ca. 15 Meter tief. Die Insel wird nur durch Anker in Position gehalten. Nach ca. 20 bis 30 Jahren muss mit dem Bau einer neuen Insel begonnen werden, da dann die Wurzeln ihre Kraft verlieren und nicht mehr schwimmen. Da auch der Boden unter den Hütten und Gebäuden immer wieder mit neuem Schilf ausgelegt werden muss, müssen die Gebäude alle zwei Jahre komplett zerlegt, Schilf ausgelegt und dann neu aufgebaut werden. Das dauert pro Gebäude zwischen 2 und 3 Wochen. Auch wird das Schilf verwendet, um die Gebäude zu verkleiden oder um die traditionellen Boote zu bauen, wobei es hierfür erst aufwendig getrocknet werden muss. Bei den Booten ist es so, dass ein Boot nur 2 Jahre hält, dann muss es neu gebaut werden. Ein Boot wie jenes mit dem ich unterwegs war hat eine Bauzeit von ca. 3 Wochen und 3 Mann arbeiten zeitgleich daran. Ein kleines Boot, nur zum Reinliegen, welches auf der Insel bleibt, dauert ca. 1 Woche zum Bau. Eine weitere Besonderheit des Schilfs ist es, dass man die Stile kurz oberhalb der Wurzel auch essen kann. Ich habe das probiert, schmeckt nach nicht viel, ist aber recht erfrischend. Dazu wird der Stil geschält wie eine Banane und man kann direkt abbeissen. Grundsätzlich lebt auf einer Insel immer nur eine Familie. Grössere Inseln sind nur für Touristenzwecke gebaut. Es gibt aber immerhin auch 3 Inseln, auf welcher eine Schule untergebracht ist. Die Kinder gehen vom 6. bis zum 11. Lebensjahr direkt in der Community auf die Schule und erst danach dann aufs Festland. Es gibt einen Chef für die Community, vergleichbar mit einem Bürgermeister. Aktuell leben noch zwei Communities auf dem See wobei die zweite kein Tourismus betreibt, sondern sich nur durch den Fischfang finanziert. Besonders hart ist das Leben in der Regenzeit Dezember und Januar, wenn es sehr stark regnet. Die Hütten sind einfach nicht ganz dicht und können dem Regen nur schwer standhalten. Gegen 12 Uhr war dann wieder Abfahrt mit dem kleinen Motorboot der Familie und Juan hat uns wieder aufs Festland gebracht und unterwegs noch eine kleine Rundfahrt durch die Community gemacht. 

Auf dem Festland ging es mit dem Taxi in ein kleines Hotel, wo wir die nächste Nacht noch bleiben werden. Puno hat nicht ganz so viel zu bieten, aber zumindest einen Nachmittag wollten wir für eine Besichtigung haben. Nach dem Einchecken und einer erfrischenden Dusche sind wir erstmal los um einen richtigen Kaffee zu trinken. Danach hat uns dann doch Abenteuerlust wieder ein wenig gepackt und wir wollten selbst schauen, was man hier erleben kann. Wir wurden auch recht schnell fündig, der Plaza de Armas und die Kathedrale waren schon mal sehr schön.

Danach sind wir auf zwei Aussichtspunkte gelaufen, um einen Ausblick auf die Stadt und den See zu haben. Vor allem der Aufstieg zum zweiten Punkt, dem Mirador El Condor hatte es in sich. Sagenhafte 615 Stufen galt es zu überwinden, was es aber absolut wert war. Obwohl die Luft gegen Ende wieder recht dünn wurde, lag der Aussichtspunkt doch wieder auf 4’020 Meter über dem Meer. Die Aussicht war der Hammer und vor allem der Blick auf diesen riesigen See etwas ganz Besonderes.

Der Titicacasee ist mit einer Fläche von 8’372 Quadratkilometern der grösste Süsswassersee Südamerikas. Der westliche Teil des Sees gehört zu Peru der östliche Teil zu Bolivien. Gemessen an seiner Fläche ist er der achtzehntgrösste natürliche See der Welt. Der See ist das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Er liegt auf einer Höhe von 3’812 m über dem Meeresspiegel, ist 178 km lang und bis 67,4 km breit und hat eine durchschnittliche Tiefe von 107 m. Nach diesen Strapazen ging es dann wieder deutlich einfacher die 615 Stufen nach unten und wieder Richtung Zentrum. Das Zentrum an sich ist schon recht schön, aber ich bin froh, bleiben wir nur diesen einen Nachmittag.

Wir sind dann wieder ins Hotel, um ein wenig zu arbeiten und sind dann noch etwas Essen gegangen. Ich sage mal so, ich glaube es liegt an der Höhenluft, aber ich habe sooo Hunger. 🙂 Danach ging es zurück ins Zimmer und wir bereiteten uns auf den morgigen Tag vor. Da geht es wieder über eine Grenze, nämlich nach Bolivien. Wir haben uns ein Busunternehmen gesucht, welches die Fahrt mit einem Zwischenstopp in Copacabana und einem betreuten Grenzübergang anbietet. Das macht es hoffentlich etwas einfacher. Ich schreibe die letzten Zeilen des Beitrages aber tatsächlich mit einem weinenden Auge. Immerhin heisst es jetzt Abschied nehmen von Peru und das ist nicht ganz einfach. Wenn man bedenkt, wie lange die Berichte über Peru geworden sind, kann man sich vorstellen was wir hier alles erlebt und gesehen haben. Ich gehe fast so weit und behaupte Peru war das tollste Land auf unserer Reise bisher. Einfach unfassbar und schwer zu beschreiben, was dieses Land mit mir gemacht hat, mit all seiner Geschichte und den Menschen, welche hier leben. Aber sind wir gespannt wie es weiter geht und ich bin mir sicher, die Abenteuer werden nicht weniger. Wie unsere Fahrt nach Bolivien war und wie die ersten Tage in La Paz abgelaufen sind dann im nächsten Bericht.

Danke fürs Durchhalten, ich hoffe es hat sich gelohnt!

Tobi

Tobi

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