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Argentinien: Von Stadt zu Stadt

Geschrieben von Tobi am . Veröffentlicht in .

Wie im letzten Bericht geschrieben, war unsere Fahrt nach Salta und damit nach Argentinien nicht so richtig gemütlich und leider auch bedeutend länger als geplant. Mit allem Drum und Dran waren wir erst um 22:40 Uhr am Freitag 18.11.2022 im Hotel in Salta. Immerhin wirkte das Hotel, nach den eher spärlichen, aber schönen Unterkünften der letzten Tage, mal wieder recht modern und vor allem sehr sauber. Man könnte fast schon sagen, ein wenig luxuriös. Aber ich gebe zu, wir haben ein etwas besseres Hotel gebucht, weil wir nach der Wüste mal wieder ausschlafen und es uns gut gehen lassen wollen. Da wir bereits recht spät dran waren, hatten wir Glück, dass es im Restaurant noch ein wenig Licht gab und wir tatsächlich noch etwas bestellen durften. Nachdem wir heute ja kein Mittagessen und noch kein Abendessen hatten, war der Hunger doch recht gross. Wir haben uns recht schnell für einen Burger entschieden und dazu ein erstes argentinisches Bier genossen. So lässt sich der Reisestress doch gut verdauen. Nachdem wir gegessen hatten, sind wir sehr zügig ins Bett und die Augen fielen sehr schnell zu. Wir haben super geschlafen und vor allem recht lang. Der erste Tag in Salta begann also erst etwas später, dafür aber mit einem super Frühstück. Da hatte sich das Hotel doch wieder gelohnt. Nach dem Frühstück wurde es aber spannend. Auf dem Programm stand nämlich heute die Beschaffung von Bargeld und das ist in Argentinien wegen der hohen Inflation auch gar nicht so einfach. Vor allem gibt es aktuell wie zwei Währungskurse gegenüber dem Dollar. Zum einen gibt es den offiziellen Kurs zum Dollar, aktuell ca. 165 Pesos für einen Dollar zum Anderen aber noch den Kurs zum sogenannten Blue Dollar, welcher ca. 280 Pesos für einen Dollar gibt. Der Blue Dollar ist eine Schattenwährung, mit welcher die Bevölkerung versucht zu überleben. Wie bekommt man den Blue Dollar Wechselkurs? Man tauscht Dollarscheine auf der Strasse zum «guten» Kurs. Die noch bessere Variante ist, wenn man eine Filiale der Western Union Bank besucht und sich dort Bargeld auszahlen lässt. Diese gibt es ja auch in Europa und diese hat ein System, bei der man sich via eine App von seiner Kreditkarte online selber Geld sendet. Wir sind also am Morgen los zu einer Filiale, um erst zu fragen, ob überhaupt noch Geld da ist und wie viel wir beziehen können. Geld war noch vorhanden, also die App geöffnet und wir haben uns selbst Geld gesendet. Nachdem die Transaktion geprüft worden war, dauert online ein paar Minuten, konnten wir mit unserem Pass unser selbst gesendetes Geld am Schalter abholen. Wir haben dann tatsächlich rund 338 Pesos für einen Dollar erhalten. Wenn man sich das vorstellt, ist das absolut Banane. Weil wenn wir jetzt ein Abendessen für 10’000 Pesos z.B. mit einer Kreditkarte bezahlen, kostet uns das Essen ca. 10’000 / 165 = 60.60 Dollar, da Kreditkarten mit dem offiziellen Kurs umrechnen. Wenn wir es nun bar bezahlen, kostet es nur 10’000 / 338 = 29.58 Dollar. Das bedeutet, dass wir durch den Geldwechsel alles mehr oder weniger zum halben Preis bekommen. Für uns natürlich eine tolle Sache, für die lokale Bevölkerung ein totaler Schwachsinn. Für unsere 500 Franken haben wir mehr als 172’000 Pesos bekommen. Und da die grossen Scheine Mangelware sind, gab es viele Bündel von 100er Noten zu 100 Stück. Zum Glück hatten wir einen Rucksack dabei, um das Geld heimtragen zu können. Was für ein doofes Gefühl. Das vorneweg, als wir am Abend zum Essen sind, hatten wir drei Bündel Scheine dabei und wir mussten eine Bauchtasche als Geldbeutel mitnehmen…. 🙂 Das wird noch lustig hier. Ah ja, die grösste Note ist übrigens die 1000er. Es ist echt verrückt.

Nachdem wir das gelöst hatten, sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen und haben mal geschaut, was es hier so alles gibt. Irgendwie fühlt es sich anders an als in den letzten Ländern. Es ist alles etwas moderner und irgendwie schöner. Tat irgendwie auch wieder gut, weil man sich nicht ganz so weit weg fühlt von Europa hier. 

Nachdem wir einige Zeit gelaufen sind, meldete sich der Durst. An das neue Wetter müssen wir uns auch wieder gewöhnen. Wir sind jetzt ja nur noch auf ca. 1’200 Meter über dem Meer, was wirklich sehr gut tut. So weit unten waren wir seit Lima nicht mehr und das sind jetzt doch auch schon wieder einige Wochen her. Ich muss zugeben, aktuell mag ich keine Berge mehr sehen, auch wenn die Anden noch so schön sind. Es tut soooo gut mal wieder richtig zu atmen. Aber dafür haben wir jetzt auch zwischen 25 und 30 Grad, was nach den kalten Nächten in der Wüste doch auch wieder eine Umstellung ist. Aber wir gewöhnen uns sicher noch daran. Wie gesagt, wir hatten Durst und Durst kann ja schon auch schlimmer sein als Heimweh. Also sind wir in ein Café, um etwas zu trinken. Hier habe ich jetzt tatsächlich zum ersten Mal auf unserer Reise in einem spanischsprechenden Land eine falsche Bestellung aufgegeben. Ich hatte einen Kaffee bestellt in der Annahme, dass es ein schwarzer Kaffee ist von der Bezeichnung her. Es war aber das Gegenteil. Es war heisse Milch mit einem Tropfen (und es war wirklich nicht mehr als ein Tropfen) Espresso darin. Ich dachte ich werde nicht mehr, so kann man ja nicht wach werden. Ok, ich habe es getrunken und gedacht, auf den Schock muss ich was Essen. Und was liegt in Argentinien näher als eine Portion Empanadas? Nichts, also haben wir eine kleine Portion zum Teilen bestellt, ohne zu ahnen, wie lange das dauern kann. Gefühlt haben wir 2 Std darauf warten müssen, aber irgendwas ging auf dem Weg zur Küche schief mit der Bestellung. Also falls diese überhaupt so weit gekommen ist oder ob der Kellner es nicht einfach komplett versemmelt hatte. Egal, irgendwann kam unser Essen und es war super. Wir waren frisch gestärkt und sind danach nochmal ein paar Schritte gelaufen und haben noch ein paar Kirchen angeschaut. Was hier auffällt ist, dass viele Läden an einem Samstag bereits um 13:30 Uhr schliessen. Manche machen zwar um 17 Uhr wieder auf, aber nicht alle. Auch am Sonntag bleiben die meisten Läden geschlossen. Man merkt hier also schon sehr, dass der Sonntag noch einen viel grösseren Stellenwert hat als in anderen Ländern, wo ein Sonntag eigentlich ein normaler Tag ist. 

Wir haben heute ja einen Tag vor dem Start der Fussball WM und es ist jetzt schon krass wie verrückt die Menschen nach Fussball sind. Es laufen sooo viele Menschen, Männer, Frauen und Kinder, durch die Stadt mit Fussballtrikots, das ist der Hammer. Auch in den Läden überall Hinweise auf die WM usw. Richtig verrückt und ich bin Null-Komma-Gar nicht in der Stimmung für diesen Event. Eigentlich möchte ich kein Spiel anschauen und den Stuss boykottieren, aber ich denke, das wird so nicht ganz klappen. Hier kommt man wohl nicht daran vorbei. Schauen wir mal wie da die nächsten Tage werden. Am Abend sind wir dann los und haben uns in einem tollen Restaurant ein sehr leckeres Fleisch und einen guten Rotwein gegönnt. Wir waren so richtig am Schlemmen an dem Abend, so gut hat es uns geschmeckt. Danach sind wir dann ganz gemütlich zurück zum Hotel und haben unterwegs noch die Wärme genossen. Es ist schön auch später am Abend noch in T-Shirt und kurzer Hose durch die Stadt laufen zu können. Richtig angenehm.

Der Folgetag war dann schon wieder Sonntag, der 20.11.2022. Wir haben es gemütlich genommen, ausgiebig gefrühstückt und dann ein wenig die Stadt erkundet. Heute war die andere Richtung aus dem Hotel kommend auf dem Programm. Salta ist eigentlich keine kleine Stadt, aber irgendwie recht übersichtlich und man kann sehr schön durch die Strassen schlendern. Auch ist das Überqueren einer Strasse nicht ganz so kriminell wie in z.B. in Bolivien. Hier hält man sich zumindest an diverse Verkehrsregeln und eine rote Ampel heisst hier auch tatsächlich Stopp. Das ist schon ein grosser Fortschritt und gibt ein gewisses Gefühl von Sicherheit beim Überqueren einer Strasse. Wir haben diverse kleine Parks besucht und den Justizpalast.

Am Nachmittag sind wir dann zum Busbahnhof, um unsere Tickets für die Weiterfahrt zu kaufen. Klar, wir könnten diese online kaufen, aber wie oben erklärt, dann würden sie das doppelte Kosten. Also haben wir unsere Geldbündel geschnappt und sind los. Hat super geklappt und wir haben sogar noch Plätze im unteren Teil des Busses für morgen Abend bekommen. Somit war der Punkt abgehackt und wir sind noch durch einen weiteren Park und zurück zum Hotel.

Unterwegs sind wir noch in ein Café, um die weitere Reise zu planen. So langsam gehen uns die Tage aus und wir haben noch so viele Ideen, was wir alles machen wollen. Aber zumindest so einen groben Plan konnten wir zusammenzimmern und hoffen, dass wir die Tage noch sinnvoll nutzen können. Argentinien ist einfach so gross und die Distanzen unfassbar weit, das macht es recht kompliziert. Aber ich bin optimistisch. Am Abend sind wir dann noch in ein lokales Restaurant für eine weitere Portion Empanadas. Und die waren noch besser als die vom Vortag. Ist zwar eigentlich eine recht einfache Küche, aber extrem lecker. Und am Ende haben wir für das Essen plus einer Cola und für ein Tobi ein gaaanz grosses Bier ca. 7.50 Franken bezahlt. Und das nicht für einen, sondern zusammen. Das schont den Geldbeutel und gleichzeitig war es so lecker. Glaube das war nicht das letzte Mal, dass wir Empanadas gegessen haben. 🙂 Danach ging es zurück zum Hotel, um noch ein wenig zu arbeiten bzw. an unserem Instagram Account und dem Bericht hier zu schreiben. Das muss ja auch gemacht werden. 

Somit war dann auch schon wieder Montag, der 21.11.2022 und damit auch schon wieder eine neue Woche. Es ist seltsam, weil manchmal habe ich echt keinen Plan mehr, welchen Wochentag wir haben und bin dann immer recht erstaunt, dass schon wieder eine Woche um ist. Aber zu unserem heutigen Tag. Dieser war eigentlich nicht so richtig spannend. Wir sind am Morgen aufgestanden, haben nochmal das leckere Frühstück genossen und haben unsere Rucksäcke gepackt. Heute stand die Fahrt nach Cordoba auf dem Programm, aber wir hatten noch den ganzen Tag Zeit. Wir haben uns wieder für einen Nachtbus entschieden, was uns einfach immer eine Nacht im Hotel erspart. Und die Busse sind auch in Argentinien wirklich bequem und komfortabel. Da der Bus aber erst um 20:45 Uhr abfährt haben wir noch recht lange Zeit. Wir haben also unser Gepäck wieder deponiert und sind erstmal los, um ein paar Schritte zu laufen. Leider meinte es das Wetter an dem Tag nicht ganz so gut mit uns, denn es war tatsächlich recht frisch und zwischendurch regnete es immer wieder. So etwas Ungemütliches. Also haben wir uns recht bald auf den Weg in ein Café gemacht und haben uns dort mit unseren Laptops ausgebreitet. Man kann die Zeit ja auch nutzen. Und da wir so recht gutes Internet hatten, konnten wir doch auch das eine oder andere erledigen. Und der Kaffee war wirklich sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass es in Argentinien wieder eine ausgeprägtere Kaffeekultur gibt als davor in Bolivien oder Peru. Man sieht auch viel mehr Einheimische einen Kaffee trinken und nicht nur Touristen. Nachdem wir uns so die Zeit vertrieben haben, sind wir noch ein paar Meter weiter, um noch ein Restaurant für ein frühes Abendessen zu finden. Wir wollten etwas kleines Essen und das vor allem auch etwas früher, damit wir nicht mit allzu vollen Mägen im Bus sitzen. Ach so, da fällt mir ein, ich sollte erwähnen, dass in Salta heute ein Feiertag ist. Das macht die Tagesgestaltung ebenfalls recht schwierig, da alle Musen und Läden etc. geschlossen haben. Selbst Restaurants waren teilweise geschlossen, was das Ganze heute etwas mühsam und auch langweilig machte. Wir haben aber ein kleines Restaurant gefunden, welches neben Burger auch frisches Bier anbot und sogar noch Fussball übertrug. So kann man doch die Zeit auch verbringen. Wir haben also einen Burger bestellt, welcher extrem lecker war. Das Thema Bier war jetzt nicht so erfolgreich. Laut Karte gab es ca. 10 verschiedene Sorten Bier aus dem Hahn, lauter Craft Biere. Als ich eines davon bestellen wollte hiess es, nö heute nicht, es gibt nur Flaschen. Und hier die Auswahl zwischen Heineken und Corona. Ok, das versteht der Tobi nun mal gar nicht und daher gab es eine Cola statt einem Bier. Ist ja auch ok. 🙂 Wir haben uns so noch etwas Zeit tot geschlagen, Fussball geschaut und einfach ein wenig die Menschen beobachtet. War recht amüsant. Irgendwann sind wir dann aber zurück zum Hotel. Dort hat man uns ebenfalls angeboten, dass wir noch in der Bar warten könnten, was wir gerne angenommen haben. Dort konnten wir noch unsere Tabletts und Handys aufladen bzw. uns mit Serien eindecken, damit wir ausgerüstet sind für die Nacht. Es gab noch einen Kaffee und dann ging es gegen 19.30 Uhr auch mit dem Taxi zum Bus. Die Fahrt war etwas mühsam, da der Fahrer mit Handy, Radio und gleichzeitigem Fahren deutlich überfordert war. Gleichzeitig war er noch tierisch nervös und generell gesagt, recht unfreundlich. Also vom Prinzip her, die perfekte Berufswahl, oder eben so ähnlich. Nun ja, es war nicht ganz so weit und wir haben es ohne Schaden überstanden, von daher alles gut. Am Bus haben wir dann wieder Jennifer getroffen, welche wir schon in Salta kennengelernt haben. Wir haben alle wieder mal die selbe Route vor uns, bzw. haben in Cordoba zufällig sogar das gleiche Hostel. Wir werden uns also noch öfter sehen bzw. haben auch schon ausgemacht, dass eine oder andere zusammen zu machen. Unser Bus startete dann fast pünktlich um 21 Uhr und es ging weiter Richtung Süden. Die Fahrt war recht gut, wenn auch ziemlich zügig. Da es nun aber endlich flach ist, und damit deutlich weniger Kurven hat, war es viel angenehmer. Ich glaube so viele Stunden habe ich im Bus schon lange nicht mehr geschlafen. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass die Strassen wieder deutlich breiter sind, teilweise sogar zwei Fahrspuren in eine Richtung und vor allem, dass es neben der Strasse nicht unbedingt mehrere hundert Meter in den Abgrund geht. Wir haben dann Cordoba auch pünktlich gegen 8.30 Uhr erreicht. Eigentlich war der Plan nach der Ankunft direkt ein Café zu suchen, um das Ende des ersten Spiels von Argentinien bei der WM anzuschauen, aber dafür waren wir etwas zu spät dran. Und vor allem war das Ergebnis aus argentinischer Sicht auch alles andere als zufriedenstellend. Argentinien hat das erste Spiel verloren und das gegen Saudi-Arabien. Damit hatten wir nicht gerechnet, sondern freuten uns eher auf eine Party. Aber ok, andere Mannschaften machen es auch nicht besser, wie wir im weiteren Verlauf der Tage noch feststellen sollten. 🙂 Wir haben uns also auf den Weg zum Hostel gemacht und da wir jetzt so lange gesessen sind, haben wir uns zu Fuss auf den Weg gemacht. Google Maps meinte knapp 25 Min, das kann man auch mit Rucksack schaffen. Wir waren auch recht zügig unterwegs, haben aber direkt gemerkt, das Wetter hier ist anders als in Salta. Wir sind jetzt noch tiefer, was das Atmeten nun endlich wieder richtig gut macht, dafür knallt die Sonne einfach ganz schön und Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad sind im Dezember keine Seltenheit. Das spürten wir ganz schön und an die Hitze müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Im Hostel angekommen, konnten wir zumindest mal unser Gepäck abgeben. Zimmer waren noch nicht fertig, was aber auch ok war. Wir haben uns mit Jennifer verabredet und sind gemeinsam erstmal war frühstücken gegangen. Danach ging es ein wenig durch die Stadt. Cordoba ist tatsächlich sehr schön und hat ein paar eindrückliche Kirchen und Kathedralen zu bieten.

Nach unserem Rundgang war es Zeit für ein kühles Getränk. Die Sonne stand extrem hoch und es war wirklich heiss. Da tat der Schatten wirklich gut. Danach ging es zurück ins Hostel für eine kalte Dusche, ehe wir schon wieder los sind zu einer Free Walking Tour. Hier in Cordoba haben wir einen Anbieter gefunden, welcher am Morgen so ein wenig das historische Cordoba zeigt, hierfür waren wir aber zu spät dran und am Abend eine Tour über das moderne Cordoba macht. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und haben uns auf 17 Uhr zum Treffpunkt aufgemacht. Wir waren eine lustige Gruppe, neben uns beiden war noch Jennifer sowie ein Herr aus Portugal und einer aus Spanien dabei. Das war wieder richtig genial und wir kamen mit allen schnell ins Gespräch. Die Tour an sich war sehr spannend und unterhaltsam. Besonders gut gefallen haben mir die ehemaligen Familienpaläste, welche heute oft als Büros oder Museen genutzt werden. Ausserdem gibt es im Park eine Installation mit diversen grossen Ringen, welche alle eine Jahreszahl eingraviert haben. Die Installation wurde zur 200-Jahr Feier der Unabhängigkeit eröffnet. Jeder Ring symbolisiert ein Jahr und neben der Jahreszahl ist noch ein Ereignis eingraviert in jedem Ring, welches eben in diesem Jahr in Cordoba oder Argentinien stattgefunden hat. Im Ring von 1980 war z.B. erwähnt, dass in diesem Jahr eine Bevölkerungszählung durchgeführt wurde und Cordoba als zweitgrösste Stadt in Argentinien gezählt wurde. Bis dahin war Rosario die zweit grösste Stadt, welche aber eben nun von Cordoba auf den dritten Rang verdrängt wurde. Völlig begeistert davon war ich, dass es in Cordoba tatsächlich einen Leuchtturm gibt. Also nicht, dass Córdoba am Meer liegt, aber ein «cleverer» Herr meinte einmal, dass man einen Leuchtturm benötigt, um dem Umland zu zeigen, wohin mal gehen muss, wenn man nach Cordoba möchte. Hat also eher einen symbolischen Charakter, aber man kann ja auch für so etwas eine gute Stange Geld ausgeben. 🙂

Auch sonst hat die Stadt recht viel zu bieten und vor allem was die Anzahl an Restaurants und Bars angeht, waren wir mal wieder recht beeindruckt.

Nach dem Ende sind wir alle zusammen mit dem Guide noch auf ein Bier und wir haben dort dann auch direkt etwas gegessen. Das Lokal war ein tschechisches Lokal, weshalb das Bier also recht gut war. Das Essen war ok, aber nicht ganz so toll. Egal, wir hatten es sehr lustig und unser Guide hat uns noch einiges über seine Stadt erzählt. Gegen 20 Uhr musste er aber los, weil er noch zu einem Konzert bzw. zum Tanzen gehen musste. Er ist leidenschaftlicher Swing-Tänzer und heute Abend stand ein Konzert ins Haus und da konnte man eben auch Tanzen. Das Ganze würde übrigens in einem Hostel stattfinden. Hurra, es war das Selinas Hostel in Cordoba und damit genau das Hostel in dem wir schlafen. Der Gute war natürlich Feuer und Flamme und meinte, dass wir alle später vorbei kommen sollten. Ok, das wollten wir uns nicht entgehen lassen und sind nach der Rückkehr tatsächlich noch in den Keller im Hostel, wo das Konzert stattfand. Ich muss aber sagen, so richtig verstanden habe ich das Ganze nicht. Die Musik war teilweise noch recht gut, zwischendrin aber irgendwie auch mühsam. Das Gehüpfe, andere nennen es Tanz, zur Musik war jetzt auch nicht so meines. Keine Ahnung, ich kann damit nicht so viel anfangen. Was ich aber sagen muss, Respekt dass sich niemand bei dem Tempo einen Knoten in die Beine getanzt hat und vor allem auch dass niemand die Luft ausging. Das war also schon eine Leistung. Und unser Guide hatte auch nicht zu viel versprochen, ich glaube der konnte das sehr gut. Da später auch noch die Jungs aus Spanien bzw. Portugal aufgetaucht sind, war unsere Walking Gruppe wieder komplett und wir haben doch das eine oder andere Bier verhaftet. Der Abend ging also recht lange. 🙂

Der nächste Tag, Mittwoch, 23.11.2022 startete nach dem gestrigen Abend mit einer deutlichen Verspätung. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Ich bin zwar ab und an aufgewacht, aber irgendwie habe ich es immer versäumt aufzustehen und bin wieder eingeschlafen. Kurz vor 11 Uhr war dann aber Schicht und ich bin aufgestanden. Unfassbar, das gab es seit Jahren nicht mehr. War aber egal, wir hatten für heute eh nicht viel vor. Corinne hatte noch einen Call und ich wollte mich um die Bustickets für die Weiterfahrt kümmern. Das ist etwas mühsam, weil wir die Tickets immer am Bahnhof holen müssen, um bar bezahlen zu können. Ich hatte das ja schon geschrieben, mit Karte würde uns alles das Doppelte kosten. Und die Bustickets hier in Argentinien sind grundsätzlich nicht ganz so günstig. Wir waren zusammen noch was frühstücken und ich bin dann los. Hat alles geklappt und morgen Abend geht es weiter nach Mendoza. Wollen wir doch mal schauen, ob der Wein dort tatsächlich so gut schmeckt. Unterwegs habe ich noch ein wenig Sightseeing geamcht.

Als ich wieder vom Busterminal zurück war haben wir noch die nächste Etappe geplant. Wir haben entschieden, dass es von Mendoza am besten nach Buenos Aires gehen soll. Hurra, dafür brauchen wir auch Tickets und da wir an einem Sonntag fahren wollen, sind die Busse schon recht gut ausgelastet. Also was machen? Genau ich bin zum zweiten Mal los, um auch diese Tickets direkt zu kaufen. Dann haben wir sicher Plätze und können uns schon mal um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Das wird für Buenos Aires auch nicht ganz einfach werden. Wir haben also den Rest des Tages mit der weiteren Planung verbracht, waren noch einen Kaffee trinken und haben uns ausgeruht. Am Abend sind wir mit Jennifer nochmal los und haben uns ein Abendessen gegönnt. Bei der Auswahl an Restaurants gar nicht so einfach. Wir sind nochmal in einen kleinen Stadtteil, welchen wir gestern bei der Tour bereits erkundet hatten, gelaufen und haben dort einfach die Karten der verschiedenen Restaurants angeschaut. Schlussendlich sind wir in einem Restaurant mit dem Schwerpunkt Kartoffeln gelandet. So gab es verschiedene Sorten von Pommes, sprich mit unterschiedlichen Topings in grossen Gusspfannen oder mein Burger war z.B. mit Brötchen aus Kartoffelmehl usw. Hat sehr gut geschmeckt. Danach gab es dann nochmal ein Eis. Seit wir in Argentinien sind und es so warm ist, ist unser Konsum von Eis deutlich angestiegen. 🙂 Ok, in den letzten Monaten hatten wir fast gar kein Eis und dann ist das jetzt auch in Ordnung. Zurück im Hostel gab es noch ein kleines Bier an der Bar. Zu meinem Entsetzen war die Live-Musik an diesem Abend tatsächlich noch schlechter als am Vortag. Ich habe keine Ahnung wie ich diese Musik beschreiben soll. Es war vor allem laut und mit sehr viel Gitarre unterlegt. Es war aber nicht rockig oder so, sondern mehr melancholisch. Der Rest des Publikums sass richtig euphorisch da und es scheint ihnen gefallen zu haben. Ich habe mich wie bei einer Buchbesprechung mit lauter Intellektuellen gefühlt, wobei ich aber das Buch nicht verstanden habe. 🙂 Aber egal, jedem das seine. Zum Glück war es ein kleines Bier und da man sich auch nicht unterhalten konnten, da so laut, sind wir recht schnell ins Bett. 

Der nächste Tag war dann schon wieder der Reisetag. Da wir aber wieder einen Nachtbus hatten, hatten wir noch den ganzen Tag zur Verfügung. Wir haben also wieder alles gepackt und unsere grossen Rucksäcke deponiert. Dann ging es los in ein nahes Café für ein kleines Frühstück. Irgendwie wurde Frühstück so das wichtigste Essen während der Reise. Abends ist es mir egal was wir essen, aber morgens da achten wir irgendwie mehr darauf. Vor allem das der Kaffee gut schmeckt und meist auch, dass ein frischer Orangensaft dabei ist. Das wird uns irgendwann wohl wieder sehr fehlen. All diese frischen Früchte und Säfte. Ich glaub das habe ich jetzt schon in manchen Beiträgen geschrieben, wie sehr uns das gefällt. Sorry!

Nach dem Frühstück sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen. Wir sind nochmals in die wunderschöne Kathedrale und in verschiedene Parks der Stadt bzw. zum Plaza de la Independencia gelaufen. Cordoba ist schon eine recht schöne Stadt, wenn auch etwas chaotisch irgendwie.

Was mich einfach wundert, wie können all die vielen Läden, welche oft alle das gleiche anbieten, überleben. Aber es scheint zu funktionieren. Gegen Nachmittag haben wir uns nochmal einen Kaffee gegönnt und die Gelegenheit genutzt unsere Handys und Tabletts für die nächste Nacht aufzuladen. Man muss pragmatisch denken, und besser ein volles Handy im Bus als nachher doof aus der Röhre zu schauen. Dumm braucht das Handy eben immer doch knapp eine Stunde zum Laden, aber man kann einen Kaffee ja auch recht langsam trinken. Man lernt auf Reise immer etwas dazu. 🙂 Danach haben wir uns nochmal die Kapuzinerkirche von Cordoba angeschaut. Diese Kirche ist einfach sehr speziell, vor allem von aussen. Hier sieht man deutlich die verschiedenen Farben, welche beim Bau verwendet wurden. Das besondere an der Kirche ist, dass diese erst 88 Jahre alt ist. Es ist also eine sehr neue Kirche, was man nicht unbedingt gleich realisiert. Der Stil ist schon auf recht alt gemacht, aber sehr schön. Die schönen Farben von aussen spiegeln sich leider nicht im inneren. Hier ist die Kirche eher dunkel und schwer. Das hat mich ein wenig verwundert. 

Den Rest des frühen Abends haben wir dann am grossen Brunnen in der Stadt verbracht. Wir haben uns hier ein schattiges Plätzchen gesucht und einfach die Zeit genossen. Es war herrlich die Menschen zu beobachten und zu sehen, wie fröhlich und zufrieden hier jeder zu sein scheint. Wir hatten so viel über Argentinien gelesen, wie hoch die Inflation aktuell ist und auch das es für die Menschen recht schwierig ist. Das merkt man den Menschen einfach nicht an. Niemand steckt den Kopf in den Sand, sondern man versucht sein Leben so zu gestalten das man Spass hat und diesen Vibe spürt man auch als Tourist recht schnell. Irgendwie ist das sogar recht ansteckend und man hat selber gleich bessere Laune. Am Abend haben wir noch etwas Kleines gegessen und sind zum Hostel um unsere Rucksäcke zu holen. Den Weg zum Bus haben wir dann bei noch über 30 Grad zu Fuss in Angriff genommen. Da es in den Bussen immer recht kalt wird, hatten wir uns im Hostel noch in lange Hosen geworfen, was jetzt auf dem Weg recht heftig wurde. Der Weg war recht anstrengend, aber was macht man nicht alles, um etwas müde zu werden. Wir waren etwas zu früh am Bus, weshalb ich mich noch um mein iPad kümmern konnte. Ich habe gestern Abend gemerkt, dass mein iPad weg ist. Das letzte Mal als ich es noch gesehen habe, war im Bus von Salta nach Cordoba. Ich hatte es in der Nacht neben mir in den Sitz geklemmt. Da ich an den Kopfhörer kein Kabel habe, habe ich diese am Morgen aus den Ohren genommen und im Rucksack verstaut. Das iPad habe ich dabei wohl vergessen und im Bus liegen gelassen. Was mich am meisten aufregt ist, dass immer alle warnen, wie gefährlich Südamerika ist und das alles gestohlen wird. Wir sind jetzt fast 5 Monate hier unterwegs und uns ist absolut nichts geklaut worden, sondern meine eigene Dummheit hat dafür gesorgt, dass es weg ist. Da wir jetzt ja wieder am Terminal waren, habe ich mal ganz vorsichtig am Schalter der Busfirma nachgefragt, ob vielleicht jemand das iPad abgegeben hat. Mir war die Antwort schon vorher klar, aber probieren kann man es ja. Es ist eben einfach so, wenn man in einem Bus oder in einem Taxi etwas vergisst, dann ist es weg. Deswegen wird aber auch 100’000 mal überall darauf hingewiesen, dass man seine Sachen prüfen soll, ob man alles hat. Kann ich jetzt also nichts machen. Und um es jetzt noch ganz ironisch zu sehen, so wurde mein Rucksack jetzt auch wieder etwas leichter… 🙂 Jammern bringt es mir ja auch nicht wieder zurück! Aber zurück zum Thema, wir waren also am Terminal und haben gewartet. Unser Bus fuhr dann um 21:45 Uhr auch vor und wir konnten unsere Rucksäcke einladen und einsteigen. Wow, was für ein cooler Bus. Wir hatten gute Plätze, die Sitze konnte man weit nach hinten stellen und die Beinfreiheit war auch super. Das konnte eine bequeme Fahrt werden. Pünktlich auf die Sekunde um 22 Uhr ging unsere Fahrt durch die Nacht dann auch los. 

Am Folgetag sind wir pünktlich um 07:50 Uhr in Mendoza angekommen. Die Fahrt war super. Sehr ruhig, niemand hat geschnarcht und ich habe mal wieder einige Stunden geschlafen. Corinne hatte etwas mehr Pech, ihr Sitz hat sich in der Nacht immer wieder selbständig gemacht und ist von alleine von der Liegeposition in die Sitzposition gefahren. Keine Ahnung wie das ging, aber war etwas nervig. Sie hat nicht ganz so viel geschlafen. Nachdem wir unsere Rucksäcke bekommen hatten, sind wir im Terminal auf einen Kaffee. Irgendwie haben wir diese Busse, welche auch einen Kaffee ausschenken, noch nicht gefunden. Dafür war der Kaffee in dem Terminal aber sehr gut und wir bekamen so auch die letzte Müdigkeit aus den Knochen. Wir haben uns dann auf den Weg zum Hostel gemacht. Da es noch recht früh war und daher auch nicht so heiss, sind wir die 2.5 km wieder gelaufen. Dabei haben wir gleich einen ersten Eindruck der Stadt bekommen und der war super. Uns sind direkt die vielen Bäume an den Strassen entlang aufgefallen, dazu aber später mehr. Im Hostel angekommen konnten wir wieder Rucksäcke deponieren, aber noch nicht auf das Zimmer. Wir haben uns also aufgemacht zu einem weiteren Spaziergang in Richtung Parque General San Martin. Das ist ein riesiger Stadtpark und extrem schön. Wir waren überrascht, wie grün alles ist, sind wir doch wieder fast in einer Art Wüste und bei Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad war das nicht das, was wir erwartet hatten. Aber es war sehr genial. 

Gegen 14 Uhr waren wir zurück im Hostel, um einzuchecken. Unser Plan war nämlich, dass wir direkt um 15 Uhr zu einer Free Walking Tour gehen. Wir wollten direkt mehr über die Stadt erfahren und da wir nur 2 Nächte bleiben, macht es ja Sinn, direkt am ersten Tag zu machen. Wir hatten uns schon im Vorfeld zusammen mit Jennifer für die Tour angemeldet. Da der Prozess zum Einchecken sich recht lange hingezogen hat, die Dame war sehr gesprächig, wurde es auf 15 Uhr richtig knapp. Wir mussten uns ganz schön sputen, haben es aber geschafft. Am Treffpunkt war nur Jennifer und ein Guide, was bedeutet, wir hatten mal wieder eine Privattour. Perfekt. Unser Guide Marcelo war super und hat uns so viel über die Stadt und das Leben hier erzählt. Das erste, was man damals bei der Errichtung der Stadt gemacht hat, war Strassen bauen und diese komplett mit Bäumen einzurahmen. Daher sind heute fast alle Strassen eine Allee. Das Ziel war es, so möglichst viel Schatten in die Stadt zu bringen, was ein Leben hier erst so richtig ermöglicht. Und es ist gigantisch, wenn man heute durch die Stadt läuft, man ist tatsächlich fast immer im Schatten. Und um diese Bäume mit Wasser zu versorgen, gibt es entlang jeder Strasse einen Wassergraben. Über diese Gräben werden alle Bäume automatisch mit Wasser versorgt, so dass diese niemand giessen muss. 

Auch sonst hat die Stadt so viel zu bieten. Sehr viele Parks und Grünflächen. Die Parks dienen der Bevölkerung als Zufluchtsort bei einem Erdbeben. Ausserdem ist das auch der Grund, warum die Strassen so breit sind. Man wollte vermeiden, dass ein zusammenstürzendes Haus ein anderes Haus auf der anderen Strassenseite beschädigt bzw. ist die Mitte der Strasse ebenfalls ein sicherer Punkt für die Bevölkerung. Erst seit einigen Jahren darf in Mendoza höher gebaut werden als 4 Stockwerke, was davor komplett verboten war.

Nach dem langen Laufen, waren doch knapp 2.5 Std, waren wir sehr durstig. Und was hilft da in so einer bekannten Weinbauregion am besten? Genau, eine Flasche Rose Wein in einem kleinen Restaurant in einem «Hochhaus». Ich schreibe das mal in Anführungszeichen, denn 14 Stockwerke sind jetzt nicht ganz so viele, hier aber ausreichend für einen tollen Blick über die Stadt. Zu unserem Erstaunen hat sich das Wetter aber etwas geändert und es fielen tatsächlich ein paar Tropfen von Himmel.
Kommt hier eher selten vor, eigentlich scheint an über 300 Tagen die Sonne. Aber es war nicht schlimm, schade nur weil wir so nicht ganz so eine gute Sicht hatten. Dafür war aber der Wein super, was uns zu einer Aktivität für den Folgetag inspirierte. Wir wollten eine Fahrrad-Wein-Tour machen. Das bedeutet, man mietet sich ein Fahrrad, bekommt eine Karte mit den schönsten Weingütern und radelt darauf los. Da Corinne nicht ganz so gerne so viel Wein hat, war sie froh, dass ich das mit Jennifer machen konnte und sie einen Tag Ruhe von mir hat. Zu dieser Fahrradtour dann aber später mehr. Jetzt haben wir erstmal den Wein genossen und uns unterhalten. Danach war es dann Zeit, die Wasserspiele im Brunnen auf dem Plaza Independencia anzuschauen. Das war zumindest der Plan. Jeden Abend gegen 20 Uhr sollen in dem Brunnen die Wasserspiele stattfinden und das Ganze soll noch recht schön beleuchtet sein. Als wir am Brunnen angekommen sind, war dieser aber anderweitig belegt. Im Brunnen sassen ein paar hundert Jugendliche und haben gefeiert. Kann man machen, warm genug war es ja. 🙂 Ich habe keine Ahnung, was genau der Anlass war, aber ich gehe davon aus, dass es etwas mit Ende des Schuljahres oder so zu tun gehabt haben muss. Es waren verschiedene Altersstufen so dass es kein Abschlussjahr oder so gewesen kann. Egal, es war mega lustig das Ganze anzuschauen. Wir haben dann eben nur die beiden grossen leuchtenden Schilder von Mendoza fotografiert und keine Wasserspiele.

Danach sind Corinne und ich wieder Richtung Hostel und haben unterwegs noch was gegessen. Hier füllen sich Restaurants erst so gegen 20:30 Uhr oder 21 Uhr. Die Menschen essen sehr spät, was mir noch recht sympathisch ist. Mir gefällt das sehr. Danach ging es für uns zurück und ab ins Bett. Es war jetzt doch ein langer Tag.

Der nächste Tag, Samstag, 26.11.2022 war dann der Tag der grossen Wein Tour durch die Weinregion um Mendoza. Da es zum Laufen von Weingut zu Weingut etwas weit ist, gibt es Anbieter, bei denen man ein Fahrrad mieten kann, um schneller als Ziel zu kommen und so auch mehr Wein probieren kann. Hervorragende Idee muss ich sagen. Ich bin direkt nach dem Frühstück los und hab mich mit Jennifer getroffen, um uns ein UBER zu nehmen. Wir waren etwas faul, um das Ganze mit Bus und Bahn in Angriff zu nehmen und haben uns für die faule, wenn auch etwas teurere Variante UBER entschieden. Hat sich aber gelohnt, denn wir waren um 9.50 Uhr bereits beim Verleiher der Räder und damit sogar 10 Minuten vor dem eigentlichen Anpfiff. Hervorragend, denn wir waren tatsächlich die Ersten und konnten direkt unsere Räder in Empfang nehmen um einen Vorsprung vor den anderen Touristen herausfahren. Wir haben das auch hervorragend gemacht, weil am ersten Weingut angekommen, waren wir tatsächlich allgemein die ersten Kunden. Wir sind aber auch taktisch klug vorgegangen und direkt zum am weitesten entfernten Weingut gefahren. Lieber nüchtern die weite Strecke als mit ein paar Gläsern Wein im Kopf. Eine recht kompetente Herangehensweise wie ich finde. Die Räder waren übrigens eine sehr lustige Geschichte. Ich meine, sie hatten je zwei Räder, Pedale und einen Lenker, aber sonst recht rudimentär. Bremsen waren zwar da, eine Vollbremsung aber nicht möglich. Schaltung war auch vorhanden, funktionierte aber nur wenn sie Lust hatte. Dafür waren alle Räder des Anbieters gleich lackiert, was es einfach machte, einfach eines zu nehmen, wenn man aus einem Weingut gekommen ist. Schloss gab es nämlich auch nicht und so war ich gespannt, ob wir am Abend mit dem selben Rad zurück kommen wie wir gestartet sind. So wie die Übergabe am Morgen stattgefunden hat ist es dem Anbieter aber auch egal wer mit welchem Rad zurück kommt. 🙂 Sind wir also gespannt. Wie gesagt am ersten Weingut waren wir die Ersten und haben direkt das kleine Tasting bestellt. Wir bekamen 3 verschiedene Weine zum Probieren für umgerechnet rund Euro 2.50. Und der Wein war der Hammer. Natürlich durfte ein Malbec nicht fehlen. Rund 70% der weltweilten Ernte dieser Sorte entfällt auf die Region um Mendoza. Aber auch sonst waren sehr gute Tropfen mit dabei, wie ein Cabernet und ein Malbec Rose.

Danach ging es weiter zu einem weiteren sehr guten Weingut, wo wir wiederum 3 verschieden Weine testen konnten. Dort habe ich mich dann auf drei verschiedene Rotweine, unter anderem wieder einen Malbec konzentriert. Und auch hier wieder richtig gute Weine.

Unser drittes Weingut war dafür ein richtiger Fehlgriff. Es war zwar alles organisch und vegan, was aber nichts hilft, wenn der Wein nach Essig schmeckt. Hier waren wir wirklich enttäuscht. Auch weil wir alle drei Weine aus dem selben Glas probieren mussten, was nach den sehr schönen Degustationen davor irgendwie komisch wirkte. Hier lief einfach ein Herr durch die Tische mit unterschiedlichen Flaschen und hat nachgeschenkt. Aber das Ambiente hier war noch recht gemütlich und vor allem rustikal.

Das vierte Weingut war eigentlich eine spontane Idee. Dies war nicht in unserer Karte eingezeichnet, weil man hier normalerweise eine Reservierung braucht. Wir sind aber trotzdem hin, weil wir von anderen hörten, dass es dort schön sein soll. Und was soll ich sagen, es war der Hammer. Wie ich später herausgefunden habe, gehört das Weingut zu den 10 Besten der Welt. Als wir auf das Gelände radeln wollten wurden wir erstmal von der Security gestoppt. Wir wurden gefragt, ob wir eine Reservierung haben, was ich ordnungsgemäss verneinte. Daraufhin meinte die freundliche Dame, sorry dann nur Zutritt, wenn man etwas im Weingut kaufen möchte. Sprich ein paar Flachen Wein. Ich habe dann ganz doof gefragt, dass wir nur ein wenig probieren wollen ob das nicht geht, was die Dame dann veranlasste uns doch Zutritt zu gewähren. Aber nur weil wir «ein wenig» probieren wollten. Sie weiss nicht was für uns «ein wenig» ist. 🙂 Aber egal, das war geschafft. Die nächste Herausforderung war dann im Restaurant, weil auch da wollte man uns nur mit Reservierung hineinlassen. Sah auch alles sehr edel aus. Ich habe es dann wieder mit «ein wenig probieren» versucht, was auch hier funktioniert hat. Wir durften auf die wunderschöne Terrasse sitzen und ein Herr brachte uns zwei Gläser und schenkte uns einen sehr leckeren Rosé Sekt ein. Der war super und bei der Hitze auch schnell leer. Als der Herr tatsächlich zum Nachschenken nochmal gekommen ist habe ich direkt nach der Rechnung gefragt. Keine Ahnung, was hier so ein Glas kostet. Der Herr meinte aber, das geht aufs Haus… Wow, was für ein Service. Wir sind dann noch in den Verkaufsraum, nachdem wir ausgetrunken hatten und haben dort noch eine Flasche Wein gekauft. Einfach mal für schlechte Zeiten und wer weiss was auch unserer weiteren Fahrt noch kommt. 

Wir sind dann zur letzten Station gefahren, weil eigentlich waren wir schon viel zu spät dran. Wir wollten gegen 16 Uhr zurück in der Stadt sein, da wir das zweite Spiel von Argentinien sehen wollten. Aber schon jetzt war klar, das wird nichts. Die Distanzen waren einfach zu weit und wir haben überall teilweise recht lange warten müssen. Ein Tasting von Olivenöl haben wir zur Zeitoptimierung auch schon direkt übersprungen. Ok, wir waren ja auch für Wein und nicht für Olivenöl unterwegs. 🙂 Im Nachhinein muss ich aber zugeben, wir hätten die letzte Station auch sausen lassen sollen. Der Wein war nicht schlecht, aber extrem teuer. Ich weiss nicht genau, was wir falsch gemacht haben, aber in Summe haben wir hier doppelt so viel ausgegeben wie in den 4 anderen Stationen zusammen. Und dafür war die Menge an Wein die wir bekommen haben, recht wenig. Um nicht zu sagen, dass es sogar kleinere Gläser waren als bei den andern, wo es Gläser für ein Tasting waren. Also da gehen wir nicht mehr hin. 🙂

Nachdem wir hier noch zwei weitere Schweizerinnen getroffen haben, war es Zeit uns auf den Rückweg zu machen. Angekommen beim Fahrradverleih gab es direkt den nächsten Wein. Anscheinend schenkt der Herr hier immer die letzte Runde aus. Ok, kann man ja noch mitnehmen. Jetzt war es schon 16 Uhr und das Spiel von Argentinien hat begonnen, was uns nun zum Verhängnis wurde. Wir haben nämlich kein UBER für den Rückweg bekommen. Da blieb uns nur die Alternative den Bus zu nehmen. Mhhh, nicht ganz einfach, denn man benötigt eine Karte für den Bus, welche man vorher aufladen muss, bevor man einsteigt und dann im Bus damit bezahlt. So eine Karte hatten wir nun aber nicht. Also haben wir versucht den Busfahrer zu bestechen. Wir haben den normalen Fahrpreis grosszügig aufgerundet und haben dem Fahrer das Bargeld angeboten. Er wollte das Geld so aber nicht, sondern hat uns so einsteigen lassen. Was für ein Tag, umsonst Wein und nun noch umsonst Bus fahren. Ok, es könnte auch daran gelegen haben, dass der Herr so frustriert war, weil er während dem Spiel arbeiten muss. Wir standen aber vor der nächsten Herausforderung. Wir waren komplett unvorbereitet, was eine Busfahrt angeht, und hatten keinen Plan wo der Bus hält bzw. wir aussteigen müssen. Wie soll es anders sein, wir haben die richtige Haltestelle prompt verpasst und sind dann eine zu spät ausgestiegen. Zum Glück stand dort ein Taxi, welches uns dann zu meinem Hotel brachte, wo Corinne schon auf uns wartete. Wir sind dann zu Dritt los und haben ein Restaurant gefunden, wo das Spiel übertragen wurde. Nun ja, wir haben es noch zu den letzten 10 Minuten geschafft, konnten aber den kollektiven Jubel zum Gewinn des Spieles noch hautnah miterleben.

Jetzt die grosse Frage was noch mit dem Rest des Tages anfangen? Da Jenny und ich ja bereits an den Geschmack von Wein gewöhnt waren haben wir uns für eine weitere Flasche Rose in einem gemütlichen Restaurant entschieden. Wir hatten es sehr lustig und haben ewig getratscht und den Wein genossen. Danach wollten wir einen weiteren Anlauf für die Lichtshow am Brunnen in der Stadt wagen. Also sind wir die 20 Minuten in die Stadt gelaufen, um dann wieder enttäuscht zu werden. Diesmal waren zwar keine Menschen im Pool, aber die Lichtshow fand trotzdem nicht statt. Keine Ahnung warum, aber ggfs. hat die zuständige Person im Freudentaumel vergessen den Knopf zu drücken. Wir sassen eine Zeit am Brunnen, um dann wieder zurück in die Region von unserem Hotel zu laufen. Also wieder knapp 20 Minuten, aber der Hunger war zwischenzeitlich einfach zu gross. Ok, immerhin haben wir unterwegs noch ein Eis gegessen was noch positiv zu erwähnen ist und warum sich der Lauf zumindest ein wenig lohnte. Wir haben uns für die gleiche Pizzeria wie am Vortag, Corinne und ich waren dort, entschieden und so eine fettige Pizza war in unserem Zustand keine schlechte Idee. An einem weiteren Wein hatten wir aber kein Interesse aber genial wie gut auch eine Cola light schmecken kann. 🙂 Nachdem wir auch hier noch etwas länger gesessen sind, sind Corinne und ich zurück in unser Hostel und Jenny hat sich auf den Weg zurück in die Stadt und zu ihrem Hostel gemacht. Was für ein Tag, feucht fröhlich. Und die Aspirin, welche ich vor dem Schlafengehen genommen habe, war glaub ich eine sehr gute Idee. 🙂

Den letzten Tag in Mendoza haben wir wieder gemütlich verbracht, nach dem Vortag auch die bessere Idee. Wir haben ausgeschlafen, also wenn man das so nennen kann, wenn man bis um 10 Uhr das Zimmer verlassen haben muss. So früh mussten wir jetzt schon lange nicht mehr auschecken. Wir haben das Frühstück im Hostel sausen lassen und sind stattdessen in ein tolles Café in der Nähe gelaufen. Über dieses hatten wir schon gelesen und es hatte sich gelohnt. Der Kaffee und das Frühstück waren super. Danach sind wir in einen der vielen Stadtparks gelaufen und haben uns auf eine Bank im Schatten gesetzt. So kann man es aushalten, und nach dem vielen Wein vom Vortag eine wohltuende Erholung. 🙂 Danach ging es dann weiter nochmals in den grossen Parque General San Martin. Dieser hatte es uns tatsächlich angetan und wir wollten einfach noch etwas ins Gras liegen und den Nachmittag geniessen.

Gegen Abend hiess es dann noch etwas Essen, Rucksäcke holen und Abschied nehmen von Mendoza. Was für eine geniale Stadt, was für ein Flair und was für tolle Menschen. Wir haben uns extrem wohl gefühlt und ich glaube, hier könnte ich auch leben. Das ist schon ein sehr spezieller Ort. Gegen 20 Uhr sind wir dann wieder zum Bus. Dieses Mal aber mit dem Taxi. Ich wollte nicht schon wieder laufen. 🙂 Unser Bus startete auch tatsächlich pünktlich um 21 Uhr Richtung Buenos Aires. Was für ein Abenteuer diese Fahrt werden sollte konnten wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht ahnen. Alles begann damit, dass wir von Mendoza aus direkt Richtung Autobahn sind. Nach ca. 20 Min Fahrt gab es einen lauten Knall am vorderen Teil des Buses. Ich habe noch gedacht, ui das klang nicht gut. Der zweite Fahrer kam dann auch direkt nach oben und dann haben wir auch gesehen was passierte. Uns ist ein Stein voll in die obere Windschutzschreibe geknallt und diese war komplett gesprungen. Das sah nicht gut aus, sonst ist aber nichts Weiteres passiert. Was ich mich bis heute Frage ist, wie kann ein Stein in die obere Scheibe, wir waren ja wieder mit so einem Bus mit zwei Etagen unterwegs, fliegen? Vor allem war der Einschlag noch im oberen Bereich der oberen Scheibe. Entweder es wurde etwas vom Strassenrand geworfen, oder wir hatten einfach Pech. Ich weiss es nicht und eigentlich ist es ja auch egal. Problem war jetzt einfach, so konnten wir nicht weitere fast 13 Stunden fahren. Die Fahrer entschieden dann, auf dem Weg bis zur nächsten Ausfahrt, dass wir umkehren müssen und zurück nach Mendoza fahren. Prima, das kostet als schon mal Zeit. Wir fuhren also zurück, aber nicht zum ursprünglichen Terminal, wir fuhren in ein Industriegebiet zu einer Garage des Busunternehmen. Dort wartete bereits ein Ersatzbus für uns, welcher jetzt nicht ganz so schön war wie der in dem wir sassen, aber es sollte damit weiter gehen. Ist ja auch besser als zu warten, bis die Scheibe irgendwann repariert ist. Und immerhin sollte es weiter gehen. Meine schlimmste Befürchtung war, dass es nicht weiter geht und wir nochmal in Mendoza bleiben müssen. Also gut, wir sind neben den Bus gefahren und konnten direkt umsteigen. Das Gepäck wurde von den Fahrern umgeladen, so dass es für uns recht einfach war. Für den weiteren Verlauf der Geschichte ist es wichtig zu wissen, gebucht haben wir bei der Firma Chevallier. Der neue Bus war jetzt beschriftet mit Flecha, dem grössten Busunternehmen Argentiniens. Beide Firmen arbeiten aber zusammen und ich gehe davon aus, das Chevallier wie eine Tochterfirma von Flecha ist. So weit so gut, dachte ich, sollte aber eines Besseren belehrt werden. Nachdem alles umgeladen wurde, machten wir uns wieder auf den Weg und wir dachten jetzt geht es direkt los. Dem war aber nicht so, nach 15 Min Fahrt waren wir plötzlich wieder auf dem Gelände des Terminals, an welchem wir ursprünglich los gefahren sind. Der bereitgestellte Ersatzbus hatte einen leeren Tank und man wollte am Terminal nur tanken. Dumm war aber, dass die Tankstelle am Terminal kein Diesel mehr hatte und daher dort nicht getankt werden konnte. Also mussten wir alle am Terminal bleiben und der Bus fuhr ohne uns los in die Stadt um irgendwo zu tanken. Wir sollten einfach mal warten. Und so standen wir dann alle recht planlos wieder am Terminal und keiner wusste, wann es nun weiter geht. Nach ca. 30 Min kam der Bus aber wieder zurück und wir sind eingestiegen. Jetzt ging es endlich los Richtung Buenos Aires. Es war jetzt genau 23 Uhr und damit hatten wir jetzt genau 2 Stunden Verspätung. Ich dachte ok, nicht schlimm, aber es wurde noch schlimmer. Wir sind die gleiche Strecke wie vorher los und haben die ersten Kilometer auch recht zügig zurückgelegt. Nach 55 Min Fahrt wurde der Bus plötzlich langsamer und stoppte dann am Fahrbahnrand. Der eine Fahrer stieg aus und prüfte etwas an einem Reifen der beiden Hinterachsen. Sein Gesichtsausdruck war dabei jetzt nicht so freudestrahlend. Als er zurück kam meinte er, dass wir einen platten Reifen haben und diesen wechseln müssen. Wir würden jetzt langsam weiter fahren bis zu einer Werkstatt. Hurra, das macht Spass. Wir sind also losgetuckert und haben uns auf den Weg gemacht. Ich ging davon aus, dass die Werkstatt irgendwie in ein paar Minuten kommen müsste, aber dem war nicht so. Wir sind tatsächlich fast 3 Stunden so gefahren, ehe wir um kurz vor 3 Uhr an einer kleiner Werksstatt am Strassenrand stoppten. Ich habe keine Ahnung wie das funktionierte. Ok, wir sind nicht sehr schnell gefahren, aber fast 3 Stunden – Warum? Egal, wir haben von ein paar «Kindern», die sahen alle aus wie max. 15 Jahre, welche da am Bus zu Werke gingen, einen neuen Reifen bekommen und das sogar recht schnell. Ich glaube innerhalb von 20 Minuten war die Geschichte erledigt und wir konnten schon wieder weiter.

Von nun an war der Bus wieder mit höherer Geschwindigkeit unterwegs. Wir haben dann aber mal mit Google Maps geschaut, wo wir sind und wie weit es noch ist und kamen zum Entschluss, dass wir ca. 4 Std dem Plan hinterher hängen jetzt. Damit war klar, den ersten Tag in Buenos Aires können wir fast abhaken. Geplant war, dass wir gegen 10.30 Uhr ankommen, dann hätten wir noch was vom Tag gehabt. So ging die Prognose aber eher von 14.30 Uhr aus und bis wir dann am Hotel sind usw., da vergeht ja auch noch Zeit. Die weitere Fahrt verlief dann ohne grössere Probleme bis Buenos Aires, wo wir an einem ersten Terminal einen Stop machten und die ersten Passagiere ausgestiegen sind. Wir hatten aber bis zum Terminal Retiro gebucht, welches mitten in der Stadt liegt. Also haben wir uns einfach mal ruhig verhalten und gedacht, geht bestimmt gleich weiter. Dem war aber nicht so. Nach 10 Min kam ein anderer Passagier in den Bus und meinte, wir müssen alle aussteigen. Der Bus, in dem wir jetzt waren, der Bus von Flecha, hat keine Genehmigung, um in das Terminal Retiro fahren zu dürfen! What??? Das muss man nicht verstehen, aber es war so. Wir konnten also wieder alle noch verbleibenden Passagiere, in einen anderen Bus umsteigen. Dieser war nun wieder mit dem ursprünglichen Unternehmen Chevallier beschriftet und von den 3 Busen, welche wir bis dahin hatten, der Älteste. Aber ok, sollten ja nur noch 30 Min sein. Wir also wieder umgestiegen und so allmählich kippte die Stimmung im Bus. Langsam drang bei manchen das südamerikanische Temperament zum Vorschein. Wir haben es mal locker genommen und geschaut, dass wir irgendwie nicht den Anschluss verlieren. Bei all den ganzen Sachen ist es dann doch schwer mit unserem Spanisch. Ich glaube wir machen das gut, aber wenn dann einer so extrem schnell spricht und informiert und andere dazwischen quatschen, dann wird das echt mühsam. Wir waren aber die einzigen Touristen an Board und manche Argentinier haben sich wirklich extrem um uns gekümmert. Die haben wirklich versucht in ihrem besten Englisch, was nicht wirklich gut war, zu helfen und zu erklären. Es war genial, und gleichzeitig auch sehr lustig. Ok, wir haben also die letzte Etappe in Angriff genommen und alles ging gut. Um 14.30 Uhr, also mit genau 4 Std sind wir im Terminal Retiro angekommen. Was waren wir erleichtert, aber nur um direkt im Anschluss den nächsten Dämpfer zu bekommen. Schon während andere Passagiere ihr Gepäck in Empfang nahmen, haben wir gemerkt, da stimmt was nicht. Es wurde etwas lauter und die Koffer und Taschen genauer inspiziert. Als wir unsere Rucksäcke bekamen haben wir direkt gesehen, dass diese aufgebrochen wurden. Wir hatten beide je zwei Schlösser, eines für das obere und eines für das untere Fach und an jedem Rucksack war eines weg. Mein unteres Fach stand sogar noch ein wenig offen. Bei Corinne kam hinzu, dass die Rückseite des Rucksackes komplett nass war. Wir hofften nur, dass es «nur» Wasser ist und nichts anderes. Zum Glück hat es mal nach nichts gerochen. Wir haben dann beide Rucksäcke geprüft und gemerkt, dass zum Glück nicht viel fehlt. Nur aus meinem Rucksack fehlten meine Camping-Plastik-Gabel und Löffel. Das Messer war wohl zu gefährlich und noch da und dann fehlte noch meine geliebte dehnbare Wäscheleine. Verdammt, auf die war ich so stolz, ok hab sie bisher nur einmal gebraucht, aber ihre Zeit wäre sicher noch gekommen. 🙂 Alles war in so einem kleinen Packwürfel, welcher ebenfalls fehlte. Warum also das Messer noch da ist? Ich habe keine Ahnung. Corinne hat in ihrem Rucksack noch alles gehabt, aber die Rückseite war eben auch innen gut durchnässt. Da wir nicht wussten, wie die Klamotten aussehen, habe ich mich beim Busfahrer beschwert. Der hat mir dann gesagt, dass wir zum Schalter des Busunternehmen gehen sollten. Das haben noch andere Passagiere gehört, also dass wir auch Probleme haben und haben uns direkt mitgenommen zum Schalter. Wir waren dann so knapp 20 Personen, welche an dem Schalter aufgeschlagen sind und einige davon recht übermüdet. Eine Dame hat dann die Initiative ergriffen und auf die armen Herren hinter dem Tresen eingeredet. Wir haben nichts verstanden, aber es war lustig. Irgendwann hat die Dame dann auf uns gezeigt und dass wir als Touristen auch noch ein Problem mit dem nassen Rucksack haben. Nach einer kurzen und hitzigen Diskussion kam die Dame zu uns und meinte wir sollten unsere Tickets abgeben, es gibt Geld. Ok, da machen wir natürlich mit. Wir haben unsere Tickets abgegeben und dann ging es reih um. Jeder hat seinen kompletten Preis zurückbekommen. Wir sind also sozusagen für umme gefahren. Das freut doch den Schwaben, wenn er was für umsonst bekommt. Nachdem wir unser Geld und wir reden da doch von knapp 100 Euro bekommen haben, mussten wir noch ein Schadensprotokoll für den nassen Rucksack ausfüllen. Den ersten Teil mit persönlichen Angaben konnte ich noch ausfüllen, aber als es dann an die Beschreibung des Sachverhaltes ging, war ich überfordert. Und dann steht ein Herr neben mir und fragt, ob er mit helfen kann. Ich soll ihm auf Englisch diktieren und er schreibt es auf Spanisch. Wie genial, schon wieder so eine hilfsbereite Person. Wir haben das dann zusammen gemacht und eingereicht. Jetzt haben wir eine Schadensnummer und eine Mailadresse, über die wir kommunizieren können. Schauen wir mal, was dabei noch rauskommt. Wir wollten erst mal schauen, wie schlimm das Ganze ist und dann entscheiden. Aber zumindest haben wir einen ersten Schritt direkt gemacht und Geld haben wir ja auch bekommen. 🙂 Ich habe keine Ahnung, wann und wo die Rucksäcke geöffnet wurden, aber ich denke es müsste beim Wechsel des Reifen passiert sein. Ohne hier aber jemanden verdächtigen zu wollen. Es ist dumm gelaufen, aber was soll man machen. Auch mit der Scheibe und dem Reifen, das war einfach Pech. Dumm, dass alles auf einer Fahrt passiert ist, aber auf der anderen Seite auch beeindruckend, wie schnell wir einen Ersatzbus hatten und die Fahrt weiterführen konnten. Das war schon recht genial. Wenn ich überlege wie viele 1’000 km wir jetzt schon gefahren sind, dann ist das wirklich in Relation gesehen, harmlos. Deswegen lassen wir uns jetzt die Vorfreude auf Buenos Aires nicht kaputt machen. Und soll doch jemand Spass haben an meiner Wäscheleine. 🙂 Nach all der Aufregung haben wir uns ein UBER gerufen und sind damit zum Hotel. Vorteil der Verspätung war, dass wir direkt in unser Zimmer konnten. Man muss ja auch immer das Positive an all den Geschichten sehen. Und was für ein tolles Zimmer wir hatten. Es war ein kleines Appartement mit einer Galerie, auf welcher das Bett und die Türe ins Bad war. Unten gab es ein kleines Sofa, einen Tisch und eine Küchenzeile mit einer Mikrowelle, einem Wasserkocher und einem kleinen Kühlschrank. Von der Lage her, war das Appartement ebenfalls perfekt. Wir nächtigten direkt an der bekannten Strasse 9. Juli, auf welche ich dann später noch eingehe. Wir konnten so unser Gepäck nochmals überprüfen und vor allem Corinnes Sachen auspacken und zum Trocknen Aufhängen. Sie hatte Glück, weil das Meiste blieb trocken, da alles in Packwürfel verstaut war. Das Einzige war, dass wir den Rucksack im Rückenteil trocken bekommen mussten. Da hat sich doch ordentlich Wasser in die Polster gezogen. Nachdem wir alles so weit erledigt hatten sind wir doch noch los, um ein paar Schritte zu laufen und zumindest die nähere Umgebung zu besichtigen. Wir haben ein tolles Café gefunden, wo wir uns gestärkt haben und einen leckeren Kaffee getrunken haben. Danach ging es dann noch ein wenig zum Nationalkongress, ein sehr schönes Gebäude und den davor liegenden Park. Wir wollten nicht mehr viel machen, aber zumindest ein wenig den Kopf frei bekommen.

Danach ging es dann zurück und der Plan war, eine heisse Dusche, etwas ausruhen und dann los zum Abendessen. Ok, Dusche und Ausruhen haben wir geschafft, für Abendessen waren wir tatsächlich zu faul. Wir hatten keine Lust mehr und sind einfach vollends im Zimmer geblieben und haben den Blick aus dem Fenster genossen. Es war richtig cool und recht früh wurde aus Ausruhen dann auch Nachtruhe.

Der nächste Tag, der 29.11.2022 war dann unser erster richtiger Tag in Buenos Aires und den haben wir vollgepackt mit Programm. Wir haben gestern Abend noch zwei verschiedene Free Walking Touren gefunden, eine am Morgen für 3 Stunden und eine am Nachmittag über 2.5 Stunden. In Kombination waren die beiden Touren wirklich super, da man direkt sehr viele Sehenswürdigkeiten auf einmal anschauen kann. Und unsere Zeit hier ist ja doch etwas begrenzt. Also sind wir am Morgen früh aufgestanden, sind etwas Kleines frühstücken gegangen und haben uns dann auf den Weg zum Treffpunkt gemacht. Dieser war dann auch direkt an einer ersten Sehenswürdigkeit der Stadt, nämlich am Teatro Colón, oder auch bekannt als das Opernhaus von Buenos Aires.

Dieses Opernhaus gilt als eines der besten Opernhäuser der Welt, was die Klangqualität angeht. Ist noch verwunderlich, da während der Bauphase der Architekt drei mal wechselte, und es trotzdem zu einem perfekten Gesamtergebnis geführt hat. Ein Architekt wurde ermordet und der Zweite hat irgendwann aufgegeben. Das Opernhaus bietet Platz für 2.500 Menschen, was noch recht viel ist. Wir waren extrem überrascht über die Gruppengrösse der Tour. Es waren geschätzt um die 80 bis 90 Personen am Treffpunkt, was nach Aufteilung in englisch und spanisch sprechende Gruppedazu führte, dass wir uns mit knapp 50 Personen auf den Weg machten. Es war aber noch gut organisiert und der Guide hatte einen kleinen Lautsprecher und ein Mikrofon dabei, so dass man ihn immer gut verstehen konnte.

Vom Teatro Colón aus ging es dann weiter zu einer grossen jüdischen Synagoge. Argentinien hat nach den USA die zweitgrösste jüdische Community, was ich bis dahin auch nicht wusste. Es gibt sogar einen Mc Donalds in der Stadt, welcher Produkte nach Halal anbietet. Ist die einzige Filiale der Welt, wo es das gibt.

Danach ging es dann quer durch die Stadt und wir haben die verschiedenen Baustile der Häuser angeschaut. Buenos Aires hat nicht die typischen Gebäude der spanischen Kolonialzeit, sondern ganz verschiedene Stile. Man hat das Gefühl man hat einfach mal so ausprobiert und jeder durfte sich verewigen. Sieht aber super aus und macht die Stadt auch so spannend.

Extrem war dann die Überquerung der bekannten Strasse zum «9. Juni». Diese Strasse ist tatsächlich 140 Meter breit und hat ca. 20 Fahrspuren. Wobei manche davon rein für den Busverkehr reserviert sind. Man muss die Strasse in Etappen überqueren und je nach Ampelschaltug kann die Überquerung gerne etwas über 2 Min. dauern. Muss man also einplanen, wenn man es eilig hat. Es war tatsächlich verrückt, weil immer von irgendwo her wieder Autos gekommen sind. Die Strasse ist bereits sehr alt und bei ihrem Bau gab es kaum Autos. Kein Mensch versteht, warum man damals so eine Prachtallee gebaut hat. Heute ist man aber tatsächlich froh darüber, weil im Vergleich zu anderen südamerikanischen Städten, fliesst der Verkehr durch Buenos Aires recht gut. 

Danach ging es dann zum Plaza San Martin, wie es ihn in jeder argentinischen Stadt gibt. San Martin war ein Militär, welcher für die Unabhängigkeit gegen die Spanier kämpfte und einen Feldzug von Cordoba aus über die Anden nach Lima anführte. Der Herr war äusserst erfolgreich und trägt einen grossen Anteil an der Unabhängigkeit. Im Anschluss ging es dann zum sogenannten Big Ben von Südamerika. Dieses Denkmal, ein Turm mit einer grossen Uhr, ist ein Geschenk von Grossbritannien an die Stadt, welches zur 100 Jahr-Feier überreicht wurde. Heute zieren viele der damaligen Geschenke die Parks und Grünflächen der Stadt. 

Besonders ist im Fall des Big Ben, dass direkt daneben das Mahnmal für die gefallenen Soldaten aus dem Falklandkrieg installiert wurde. Dieser Krieg zwischen Argentinien und Grossbritannien ist in den Köpfen der Menschen noch sehr präsent und es wird nach wie vor gefordert, dass die Inseln ein Teil von Argentinien sind. Während des Krieges verloren über 600, vor allem junge und nicht besonders gut ausgebildete argentinische Soldaten ihr Leben. Die damalige Regierung hat die Situation vollkommen unterschätzt und nie mit einer militärischen Reaktion Seitens Grossbritanniens gerechnet. Man ging davon aus, dass man das so akzeptieren würde, man sicher aber keine Truppen schicken würde. Der Krieg hat für allem für Grossbritannien einen riesigen finanziellen Aufwand bedeutet. 

Danach ging es wieder weiter durch die herrlichen Strassen und Alleen mit den beindruckenden Häuserfasaden in Richtung dem Stadtteil Recoleta. In diesem Stadtteil haben wir uns erst noch den grössten Baum von Buenos Aires angeschaut, welcher tatsächlich einen Durchmesser von knapp 90 Metern hat und dann das eigentlich einzige Gebäude, welches im Kolonialstil erbaut wurde, nämlich eine kleine Kirche.

Bekannt wurde Recoleta aber durch seinen berühmten Friedhof. Unsere Tour endete mit einer spannenden Einführung in das Thema des Friedhofes und wir beschlossen, diesen direkt kurz zu besuchen (ohne Tour). Der Friedhof ist speziell, da es keine Gräber in der uns bekannten Form gibt. Vielmehr hat man für jeden Verstorbenen wie eine Art Haus gebaut, in welchem der Sarg, bzw. auch mehrere Särge, wenn ganze Familien die selbe Grabstätte nutzen, hineingestellt werden. Recoleta war früher der Stadtteil der Reichen und vor allem der Gebildeten. So ergab es sich, dass sich auf diesem Friedhof ganz viele Gräber von ehemaligen Präsidenten des Landes oder Bürgermeister der Stadt befinden. Auch viele andere Persönlichkeiten, welchen einen grossen Einfluss auf die Gestaltung des Landes hatten, sozusagen verschiedene Gründungsväter sind hier beerdigt. Besonders berühmt ist das Grab von «Evita», welches wir natürlich auch angeschaut haben. Sie ist für viele Argentinier auch heute noch eine ganz besondere Persönlichkeit. Obwohl sie «nur» die Ehefrau des Präsidenten war, hatte sie einen unfassbaren Einfluss auf die Politik im Land. Leider verstarb sie mit 33 Jahren an Krebs viel zu früh. 

Nach diesem beindruckenden Morgen meldete sich doch der Magen. Da wir aber nun aber nur noch eine Stunde Zeit hatten, bis die nächste Tour los ging, gab es nur eine Kleinigkeit in Form von typischem amerikanischem Fastfood. Mc Donalds! Kann man ja auch mal machen. Wir mussten uns beeilen, weil wir noch knapp 3 km vom neuen Treffpunkt entfernt waren. Dort angekommen mussten wir feststellen, wir werden wieder eine recht grosse Gruppe sein. Wir waren das gar nicht mehr gewohnt, die letzten Touren waren wirklich in sehr kleinen Gruppen. Aber egal, macht es ja auch spannend, weil die Zusammensetzung war wirklich multi-Kulti. Ich schätze mal bei dieser Tour waren wir so ca. 35 Personen, aber hat auch wieder super geklappt. Auf dieser Runde ging es ein wenig mehr um Politik und die politischen Gebäude in der Stadt. Daher war der Treffpunkt auch direkt am Nationalkongress, welchen wir gestern schon mal gesehen hatten. 

Anschliessend ging es durch den Kongresspark in welchem wir noch den «Null-Kilometer-Stein», dient immer als Referenzpunkt bei den Angaben und Messungen von Distanzen z.B. für Entfernungen auf Strassenschildern, besichtigten, ehe es immer der Strasse 25. Mai entlang ging. 

Den nächsten Stopp machten wir am bekannten Palacio Barolo, ein 1923 eröffnetes Bürogebäude, welches eine grosse Geschichte hat. Aber auch die Architektur des Gebäudes ist einfach der Hammer.

Danach ging es dann wieder über die berühmte Avenue 9 de Julio und weiter Richtung Plaza Mayo. Unterwegs gab es noch weitere schöne Gebäude, Plätze und Statuen. Einfach unmöglich sich das alles zu merken.

Der Platz Plaza Mayo ist berühmt, da er umgeben ist von wichtigen Gebäuden. Zum einen ist dort die Casa Rosada, bekannt als der Sitz des Präsidenten von Argentinien. Das Gebäude ist tatsächlich rosa, was daran liegt, dass man früher nur weisse oder eben rosa Häuser baute. Die Rosa Farbe entstand dabei dadurch, dass man Tierblut in weisse Farbe mischte, was zu jenem rosa führte. Heute ist die Farbe natürlich vegetarisch und ohne Tierblut. 🙂 Damals war eben nicht anderes da bzw. nichts was so günstig war.
Ausserdem befindet sind am Plaza Mayo die Kathedrale von Buenos Aires. Diese ist keine typische Kathedrale dafür aber umso bekannter, da hier Papst Franciscus anwesend war, ehe er Papst in Rom wurde. 

Hier am Plaza Mayo endete auch unsere Tour und Corinne und ich zogen noch ein wenig weiter. Unser Ziel war der Stadtteil hinter Casa Rosada, welcher mehr Richtung Meer liegt. Es gibt dort wie ein altes Hafengebiet, so ein wenig wie die Speicherstadt von Hamburg und die bekannte Brücke Puente de la Mujer, eine Drehbrücke für Fussgänger. Das ganze Areal ist genial, recht modern und richtig was los. Wir sind eine zeitlang durch am Fluss entlang gelaufen und haben uns dann auf ein Bier in ein Restaurant an der Promenade gesetzt.

Dort haben wir uns dann auch nochmal mit Jennifer getroffen. Sie wohnt in einem anderen Stadtteil, wir wollten uns aber nochmal treffen. Sie wird nach Buenos Aires auch Richtung Norden zu den Wasserfällen reisen und wir planen uns dort nochmal zu treffen, um gemeinsam auf die brasilianische Seite der Wasserfälle zu gehen. Macht es zu Dritt etwas günstiger, weil man sich die Kosten für Taxi etc. teilen kann. Als Jennifer dann zu uns gestossen ist meinte sie, dass in ein paar Minuten noch eine Freundin aus dem Hostel von ihr dazu kommt, ob uns dies stören würde. Was es natürlich nicht tut, weil wir ja immer gern mit Menschen unterwegs sind. Nach 15 Min kam dann auch eine junge Frau, welche aus England stammt und Isabell heisst. Es war sehr lustig und wir hatten jede Menge zu tratschen. Irgendwann haben wir gesprochen, wo wir überall waren und dass wir in Kolumbien einen Sprachkurs gemacht haben usw. Sie meinte sie hätte das auch gemacht und sie wäre 5 Wochen in Medellín gewesen. Lange Rede kurzer Sinn, wir haben herausgefunden, dass wir zur gleichen Zeit in der gleichen Sprachschule in Medellín waren, nur eben in anderen Klassen. Wir haben aber Bilder gefunden, z.B. vom Tejo spielen und tatsächlich waren wir Alle auf dem selben Bild. 🙂 Es ist schon lustig, da sitzt man in Buenos Aires und trifft jemanden, welcher vor knapp 3 Monaten an der gleichen Schule war. Ab da wurde es natürlich richtig lustig und wir hatten einen genialen Abend. Zum Abschluss sind wir noch zu einem Italiener und haben etwas gegessen. Es wurde also ein langer Tag, aber wir haben viel über die Stadt und das Land gelernt, hatten super Gespräche mit sehr netten Menschen und haben es uns einfach gut gehen lassen.

Zu später Stunde sind Corinne und ich dann wieder zurück zum Hotel gelaufen und sind nach der Ankunft recht schnell ins Bett gefallen. 

Für den nächsten Tag, 30.11.2022 hatten wir nochmal eine Free Walking Tour gebucht. Dieses Mal aber für den Stadtteil La Boca, welcher ein paar Kilometer entfernt des Hotels lag. Da wir pünktlich um 11 Uhr am Treffpunkt sein wollten, aber wir uns ein UBER bestellt und beschlossen, dass Frühstück erst in der Nähe des Treffpunktes einzunehmen. Ein kleines Frühstück kann hier nämlich teilweise recht lange gehen, nicht weil es so gross ist, sondern weil es recht lange dauern kann, bis es serviert wird. Deswegen wären wir gestern schon fast zu spät gekommen, das wollten wir heute nicht riskieren. Also sind wir los und die Fahrt dauerte doch ein paar Minuten. Angekommen in Boca haben wir uns ein kleines Café gesucht und einen leckeren Kaffee bestellt. Ich habe mich direkt wohl gefühlt in dem Viertel. Es war zwar recht touristisch, aber die Häuser sind so schön bunt und alle sind irgendwie gut drauf. Wie wir später auf unserer Tour gelernt haben, ist Boca ein sehr alter Stadtteil. Es war der Stadtteil in welchem früher der Hafen lag und damit die ganzen Einwanderer angekommen sind. Eigentlich war der Plan der Regierung, mit einem vielversprechenden Angebot, freie Wohnung, freie Überfahrt und eine Jobgarantie, vor allem reiche und gebildete Menschen in das Land zu locken. Dies ging nicht so ganz auf, sondern viele einfache Arbeiter machten sich auf den Weg. Vor allem aus Italien, genau genommen aus Genua und Spanien. Dass Italien einen hohen Anteil an den Einwanderern ausmacht, kann man noch heute sehen, wenn sich Argentinier unterhalten. Sie reden fast so viel mit den Händen wie Italiener. 🙂 Durch die eher armen Einwanderer war das Viertel eben auch recht arm und es gab viel Gewalt. Der berühmte Tango hat ebenfalls seine Wurzeln in diesem Viertel. Noch heute wird in den Restaurants live getanzt, natürlich mehr für Touristen, aber trotzdem. Der Tanz wurde ursprünglich von den Armen getanzt zu einer Musik, welche geprägt war von der Sehnsucht nach der Heimat. Von den Reichen Menschen war der Tanz zu Beginn komplett verpönt. Erst als der Tanz grosse Erfolge in Europa feierte, wurde er auch von der reichen Bevölkerung Argentiniens anerkannt und getanzt. Wir haben also unser kleines Frühstück genossen und sind dann zum Treffpunkt gelaufen. Dort erwartete uns doch wieder eine grössere Menschenmenge als ich vermutet hatte. Ich würde sagen bei der Tour, der englisch sprechenden, waren wir wieder gut 25 Menschen. Aber war ok, wieder Guides mit Lautsprecher und einem super Englisch. Wir sind als erstes an das alte Hafenbecken gelaufen und haben da alles zum Thema Einwanderung und Wasserqualität gelernt. Wobei es schon recht grenzwertig ist in dem Fall von Wasserqualität zu sprechen. Das war schon eine recht braune Brühe, welche sich uns da bot. Wobei laut unserem Guide ist das Wasser schon sehr viel besser als noch vor 10 Jahren. Da konnte man noch kaum am Wasser entlanglaufen, weil es so gestunken hat. Das ist jetzt schon merklich besser, aber von einem Bad in dem Wasser wurde uns eindringlich abgeraten. Noch immer ist die Industrie in der Umgebung schuld daran, dass einfach zu viel Müll in das Wasser geleitet wird. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht. 

Heute ist La Boca populär bei den Touristen, auch wegen seiner originellen Häuser in welchen die damaligen Einwanderer in Massenverschlägen, je nach Einkommen, gehaust haben. Diese Häuser wurden aus dem Blech abgewrackter Schiffe gebaut und mit Schiffslack bunt bemalt. Wobei das Bunt daher kommt, dass man einfach die Farbe genommen hat, welche gerade vorhanden war. Es war also keine lustige oder künstlerische Idee, sondern viel mehr eine Frage von was war vorhanden. Die Häuser sind wirklich nicht gross, früher lebten da aber unzählige Menschen, vor allem Männer, in einem Haus zusammen. Wer Geld hatte konnte ein eigenes Zimmer mieten, für andere reichte es nur zu einem «warmen» Bett. Das waren tatsächlich Betten, welche rein zum Schlafen vermietet wurden und daher nie kalt wurden. Einer hat immer darin geschlafen. Die ganz armen konnten sich nur einen Sitzplatz leisten. Das waren so eine Art Bänke, worauf man sich setzte und dann mit einem Gurt festgeschnallt wurde, um beim Schlaf nicht nach vorne zu kippen. Unfassbar wenn man sich das vorstellt. Viele Künstler preisen heute ihre Werke auf den Gehsteigen der Strasse El Caminito (Der kleine Weg) an. Diese sind teilweise wirklich sehr sehenswert, leider konnten wir wieder nichts kaufen. 

Danach ging es zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit des Stadtteils, nämlich La Bombonera (spanisch für „Pralinenschachtel“) dem Stadion des weltweit bekannten Fussballvereins Atlético Boca Juniors, welcher 1905 gegründet wurde. Der Verein gilt zusammen mit einem zweiten Verein aus Buenos Aires, River Plate als die besten Fussballvereine des Landes. Der wohl bekannteste Spieler des Vereins war Maradona, welche noch heute sehr grosses Ansehen geniesst, wenn auch seine Fehler mittlerweile offen angesprochen werden. Aber im Stadtteil gibt es nach wie vor eigentlich nur zwei wichtige Personen, der Papst und Maradona, wobei ich nicht sagen kann, welche Person wichtiger ist. Von beiden sind unzählige Konterfeis zu sehen, teilweise auch in recht lustigen Formen.

Das Stadion hat übrigens eine recht lustige Form, nämlich mehr oder weniger die Form eines D, anstatt eines Ovals. Das kommt daher, dass das Stadion wirklich mitten in der Stadt steht und man an einer Seite nicht weiter bauen konnte, da man das Grundstück nicht erwerben konnte. Daher war eine Seite des Stadions lange Zeit einfach nur eine hohe Mauer. Heute hat man da immerhin ein ganz schmales Gebäude für VIPs und die Presse gebaut. Sieht schon recht speziell aus. Aber trotz der Bauform hat das Stadion eine Kapazität von 57’200 Personen und eine geniale Stimmung. Wie gerne hätten wir hier ein Spiel gesehen, aber leider zur falschen Zeit hier bzw. kann man gar keine offiziellen Karten kaufen, da das Stadion immer durch Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber ausverkauft ist. Im Jahre 1907 wurden die Klubfarben Blau und Gelb festgelegt. Zuvor soll es zwischen Boca und dem Stadtrivalen River Plate zu einem Entscheidungsspiel um die Farben Rot und Weiss gekommen sein, da beide diese Farben für sich beanspruchten. Boca verlor das Spiel und soll danach die heutigen Farben aufgrund eines schwedischen Schiffes, welches zu dieser Zeit in La Boca vor Anker lag, gewählt haben. Der Legende nach war es so, dass beschlossen wurde, das nächste Schiff, das in den Hafen kommt, die Farben der Flagge werden genommen. Daher ist das Stadion auch der grösste IKEA der Welt. 🙂 Der grosse Rivale River Plate kommt übrigens eigentlich aus dem gleichen Stadtteil, ist aber 1923 in den Stadtteile Palermo und schliesslich 1938 in das Viertel Belgrano, wo sich heute das Estadio Monumental befindet, umgezogen. Selbst die Uniform der Feuerwehr ist in La Boca gelb-blau, passend zu den Farben des Vereins. Auf einem überdimensionalen Bild an einer Häuserfasade zu Ehren der Feuerwehr wird sogar noch die Rivalität zwischen Boca Juniors und River Plate dargestellt. Eine verletzte Frau in weissem Oberteil und rotem Rock (die Farben von River Plate) wird verletzt von der Feuerwehr (in gelb-blau) getragen. Unfassbar wie das alles zelebriert wird und welche Rolle der Fussball für die Menschen spielt.

Nach dieser aufregenden Tour musste ich natürlich noch in den Fanshop und mir etwas kaufen. Und was macht bei 30 Grad am meisten Sinn? Genau einen Schal. Aber das ist ja meine heimliche Sammlung, welche auf dieser Reise bisher einfach zu kurz gekommen ist. Aber so kommen zu meinen 35 Schals, welche zuhause auf mich warten ein Weiterer dazu. Muss ich ihn halt für 6 Monate durch die Welt tragen. Danach ging es wieder mit dem UBER zurück ins Hotel. Am Nachmittag war dann ein weiteres Vorrundenspiel von Argentinien bei der WM in Qatar. Mich spricht die WM aber noch immer absolut nicht an und mein Interesse ist gleich Null. Daher haben wir ein eher unkonventionelles Programm gewählt und sind während des Spiels durch die Stadt gezogen. Das war mal mehr als speziell, weil die Stadt war wie ausgestorben. Am berühmten Obelisk, wo normalerweise sehr viele Autos unterwegs sind, war einfach mal gar nichts los und man konnte ungestört Bilder machen von der Strasse aus. 

Schon krass wie verrückt die Menschen hier nach Fussball sind. Alle Läden waren geschlossen oder wenn geöffnet dann standen alle vor einem Fernseher. Man hat sich nicht getraut irgendwo hineinzugehen und schon gar nicht etwas zu kaufen. Man will ja nicht stören. 🙂

Das Beste war dann, dass sogar der Park, welcher offiziell geöffnet hat, einfach mit grossen Toren verschlossen war. Ich habe noch mit Einheimischen gesprochen, welche dort eigentlich joggen wollten, ob es einen Grund gibt warum geschlossen ist. Und sie konnten sich das auch nur mit dem Spiel erklären. Das muss man sich mal in Deutschland vorstellen. 🙂 Es war wirklich wie ausgestorben. Aber es war ein super Spaziergang und ich konnte noch ein paar Bilder machen, was für eine mega coole Stadt!!!!

Aber ich habe an einem Street Food-Truck noch mein erstes Bondiola Sandwich essen. Das ist eine Spezialität in Buenos Aires und wirklich lecker. Es ist ein Baguette in welches dünne Scheiben von gegrilltem Fleisch kommt, dazu Schinken ein Ei und dann mit Salat und Tomate garniert wird. Später kann man noch Zwiebeln, Salate, Saucen und Gewürze dazu tun. Das schmeckt soooo lecker, kann ich nur empfehlen. Man muss einfach über seinen Schatten springen und an den Trucks etwas bestellen, welche teilweise schon speziell aussehen. Aber ich habe es hervorragend vertragen.

Am Abend sind wir dann noch was Essen gegangen. Heute haben wir uns etwas gegönnt, wir sind zu einem typischen argentinischen Steakhouse und haben so richtig zugeschlagen. Da das kleinste Fleisch schon 400 gr. waren, haben wir uns dafür entschieden. Dazu noch ein leckeres Kartoffelgratin und zwei Gläser Rotwein, was will man mehr. Es war so lecker und jeden Cent wert. Immerhin hat uns der Abend, auch mit dem sehr guten Wechselkurs (Blue Dollar) fast 30 Franken gekostet. 🙂 Nein Spass, das war absolut genial und so lecker. Und wir waren wohl in einem der teuersten Regionen von Buenos Aires, wieder in der Region um die Brücke der Frauen. Danach noch ein kleines Eis zum Dessert in einer angrenzenden Eisdiele und dann mit dem UBER zurück zum Hotel. 

Der nächste Tag, der 01.12.2022 war dann wieder ein Reisetag. Eigentlich ist dieser Tag ja unser grosses Jubiläum, weil heute sind wir genau ein Jahr, oder 365 Tage auf Reise. Unfassbar wie die Zeit vergeht, aber auch Wahnsinn, was man in einem Jahr alles erleben kann. Ich will keine Sekunde der ganzen Reise missen. Ich habe in der Zeit glaub ich so unendlich viel gelernt und so viele Eindrücke gesammelt, welche ich nie mehr vergessen werde. Es gibt also wahrscheinlich bessere Orte, um so ein Jubiläum zu feiern als einen Bus, aber irgendwie passt es auch perfekt zu uns. Wenn ich überlege wie viele Stunden wir jetzt schon im Bus gesessen sind, dann hat ein Bus eine grosse Bedeutung für uns und unsere Reise. Also für uns passt es perfekt. Unsere Reise heute ging weiter in den Norden für einen Besuch der Iguazú Wasserfälle. Am Morgen waren wir also nur kurz bei einem kurzen Frühstück bzw. haben eine kleine Shoppingtour für Snacks für die Reise gemacht. Wir waren in einem kleinen Supermarkt und es war krass was für eine lange Schlange an der Kasse war. Ich denke, das hängt auch mit der unfassbaren Inflation im Lande zusammen. Die Menschen gehen einfach immer direkt los und kaufen ihre Sachen, da sie am nächsten Tag unter Umständen schon wieder teurer sind. Den Rest des Vormittags waren wir im Hotel, um noch ein wenig zu arbeiten. Gegen Mittag ging es dann mit dem UBER zum Busterminal, von wo aus unser Trip startete. Geplant war eine Fahrt von knapp 18 Stunden, da muss man schon vorbereitet sein. Unser Bus sah aber wieder sehr gut aus und wir waren hoffnungsvoll, dass diesmal wieder alles klappt. Wie unsere Fahrt dann war und was wir an den Wasserfällen erlebten, dann im nächsten Bericht.

Tobi

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